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Gymnasium in Schenefeld : Der Offenbarungseid - Schulleiter schlägt Alarm

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Schulleiter Hartmut Appel schlägt Alarm: Sanierungsstau extrem hoch. Schule bei G8-Umsetzung gescheitert.

Schenefeld | Die Reaktionen hätten unterschiedlicher nicht sein können: Schockstarre und ungläubiges Staunen auf der einen Seite. Zustimmendes Kopfnicken auf der anderen. In der gemeinsamen Sitzung des Bau- und Schulausschusses präsentierte Hartmut Appel, Schulleiter des Gymnasiums Schenefeld, eine schonungslose Analyse des Ist-Zustandes an seiner Schule. Der 60-Jährige legte den Finger ganz tief in die zahlreichen, offenen Wunden. „Schenefeld hat die letzten acht Jahre verschlafen. Der Sanierungsstau ist extrem hoch.“

Appel nahm kein Blatt vor den Mund: Die Klassenräume bezeichnete er als „unter aller Würde.“ Abgewetzte Teppiche. An den Heizkörpern blättert der Lack, an den Wänden die Farbe. Die Beleuchtung sei unterirdisch. Das Mobiliar nicht mehr zeitgemäß. Die akustische Situation nicht haltbar. Es hallt in der großen Pausenhalle und in den Klassenräumen. Akustikdecken fehlten fast überall. „Die Sanierung von drei Klassenräumen war bereits 2013 beschlossen worden. Sie ist bis heute nicht erfolgt. Es gibt immer noch vier Toiletten, die sich in einem schlimmen Zustand befinden.“

Auch das Außengelände nahm er aufs Korn. Der Schulhof gleiche einer Betonwüste. Keine Spielmöglichkeiten, nichts zum Klettern, nichts zum Toben. „So etwas habe ich noch nicht gesehen.“ Appels Fazit fiel vernichtend aus: „Das Gymnasium Schenefeld entspricht nicht dem Stand des 21. Jahrhunderts.“ Diese Schule sei kein Ort, um sich wohlzufühlen, um zu arbeiten und zu lernen. Es gebe zwar genug Räume, aber kein Konzept zur zeitgemäßen Nutzung.

Damit nicht genug der Kritik: Auch die Organisation der Schule will der Interimschef umkrempeln. Denn die Umstellung auf G  8 sei in Schenefeld gescheitert. „Es gab keine Mittagspause. Kinder hatten sieben Stunden am Stück Unterricht. Eine Mensa wurde gar nicht erst geplant, die Betreuung von Kindern nicht organisiert, Förderkonzepte nicht erarbeitet.“

Appel bat die Politik um Hilfe – und legte ein Konzept vor, das vom Kollegium getragen werde – inklusive Zeitplan und Kostenschätzung. „Wir wollen diese Schule nach vorn bringen“, appellierte er an die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung.

Horst Meyer wurde als Schulleiter des Gymnasiums im Juni 2012 in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. 16 Jahre lang hatte er die Schule als Direktor geführt. Ein Nachfolger wurde zunächst nicht gefunden. So übernahm Carsten Apsel kommissarisch den Chefstuhl. Im Dezember 2012 sprach sich der Schullleiterwahlausschuss dann für Rolf Schell als neuen Direktor aus. Er hatte an einem Gymnasium in Istanbul unterrichtet. Seinen Dienst trat er im Juni 2013 an. Der Paukenschlag folgte im Mai 2015. Das Kieler Bildungsministerium sprach Schell während der Probezeit die Eignung als Schulleiter ab. Der 60-Jährige musste das Gymnasium verlassen. Zuvor hatte es massive Proteste von Eltern über die Stundenplangestaltung und den Unterrichtsausfall gegeben. Zudem gab es monatelange Querelen innerhalb des Schulleitungsteams. Hartmut Appel übernahm am 1. Juni das Ruder. Er ist Direktor des Detlefsengymnasiums in Glückstadt. Er ist drei Tage pro Woche in Schenefeld. Die Stelle in Schenefeld soll zum 1. Februar  2016 neu besetzt werden.

Kurzfristig fehlen laut Appel ein Arbeitsraum für Lehrer, Ruheinseln für Schüler in der Pausenhalle und vernünftige Aufenthaltsräume zum Arbeiten und Chillen. Bequeme Sitzmöbel mit Lounge-Charakter sollen her. Ab 2016 sollen pro Jahr bis zu fünf Klassenräume grundsaniert werden. Für die Optimierung der Pausenhalle in puncto Akustik und Gestaltung sollte ein professionelles Konzept erstellt werden. Die Halle könnte zum Zentrum der Schule werden. Ab 2017 sollen in nicht mehr benötigten Klassenräumen Lernzentren eingerichtet werden. Spielgeräte soll es in Zukunft drinnen und draußen geben. Der Kunstrasenplatz soll in den Pausen offen sein.

Der Offenbarungseid am Gymnasium: Grünen-Fraktionschef Mathias Schmitz hatte Appel aus der Seele gesprochen. „Der Sanierungsstau schreit zum Himmel. Der Modernisierungsweg muss für das gesamte Schulzentrum eingeschlagen werden.“

Die CDU-Abgeordnete Andrea van Rossum-Benecke zeigte sich „geplättet und geschockt“. Auch Kollegin Susanne Broese war sichtlich angefasst. „Das tut mir als Mutter weh. Das ist keine schlechte Schule.“ OfS-Ratsherr Andreas Wilken stellte die Schuldfrage. „Es funktionierte ja nicht einmal das Reparieren, weil Geld für die Schulen gestrichen und an anderer Stelle ausgegeben wurde.“ Den Angriff auf Rot-Grün konterte SPD-Mann Kai Harders: „Wir haben Dinge angeschoben, nicht gestrichen.“

Und nun? Bis Dezember wird über den Etat 2016 entschieden. Vorher wollen sich die Politiker das Schulzentrum noch einmal genau ansehen. Appel führt sie gern durch seine Schule – und erklärt, wie ein modernes Gymnasium zum Lernort, Lebensraum und zur Begegnungsstätte werden kann.

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erstellt am 08.Okt.2015 | 12:30 Uhr

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