Jugendaustausch : Der Luninez-Kümmerer aus Schenefeld

Arno Holzhauer ist froh, dass die Kinder aus Luninez wieder einen Einkaufsgutschein fürs „Stadtzentrum“ erhalten.
Arno Holzhauer ist froh, dass die Kinder aus Luninez wieder einen Einkaufsgutschein fürs „Stadtzentrum“ erhalten.

Arno Holzhauer betreut in St. Peter Ording wieder 30 Jungen und Mädchen aus Schenefelds Partnerstadt. Jetzt wird ein Nachfolger gesucht.

shz.de von
19. Juni 2014, 10:00 Uhr

Schenefeld | Wenn sie kommen, wird Arno Holzhauer zum Schnäppchenjäger. Er braucht Handtücher, Seife, Zahnbürsten und Becher. Kosten darf das alles nicht viel. „Sonst bleibt nicht genug für die Kinder übrig“, sagt der 71-Jährige. Holzhauer ist seit sieben Jahren der Luninez-Kümmerer. Vom 26. Juni bis 17. Juli betreut er wieder 30 Jungen und Mädchen aus Schenefelds weißrussischer Partnerstadt – an der Nordseeküste, in St. Peter-Ording. Die Einkäufe für die Begrüßungspakete hat er schon erledigt. Sie stapeln sich in seinem Keller. „Die Kinder erhalten auch einen Einkaufsgutschein über 20 Euro, mit dem sie im Schenefelder „Stadtzentrum“ einkaufen können. „Die Jungs mögen Fußballschuhe“, hat Holzhauer beobachtet.

Die Kindererholung: In diesem Jahr kommen zum 21. Mal Kinder aus Luninez auf Einladung der Stadt Schenefeld nach Deutschland. Zuletzt waren sie 2012 da. „Früher“, erinnert sich Holzhauer, „durften die Kinder jedes Jahr kommen. Jetzt nur noch alle zwei Jahre. Früher waren es auch 40 Jungen und Mädchen.“

Die Jungen und Mädchen aus Weißrussland sind zwischen neun und zwölf Jahre alt. „Sie kommen aus sozial schwachen Familien“, betont Holzhauer. Ärger hat es noch nie gegeben. „Die sind leichter zu beaufsichtigen als deutsche Kinder.“ Holzhauer lächelt. Er hat schon in unzählige glückliche Kinderaugen geblickt. Manchmal bedauert er es, dass er nach den intensiven, schönen Tagen an der Nordseeküste den Kontakt zu seinen Schützlingen wieder verliert. In St. Peter sind die Weißrussen längst gern gesehene Gäste. Sie haben freien Eintritt in die Dünentherme. Sie müssen keine Kurtaxe bezahlen, werden zum Grillen eingeladen. Erholung pur.

Ein Höhepunkt in den drei Deutschland-Wochen: der Besuch beim Gastgeber, der Stadt Schenefeld. Mit 35 000 Euro finanziert die Stadt den Besuch aus der Partnerstadt. Am 3. Juli reisen die Luninezer mit dem Bus aus St. Peter an. Im Juks wird gegrillt. Als Gast wird der Honorarkonsul aus Weißrussland erwartet. Anschließend geht es ins Rathaus – und natürlich ins „Stadtzentrum“ zum Shoppen. Nicht nur die Stadt, auch viele Sponsoren wie die Schenefelder Rotarier, der „Glücksgriff“ und das „Stadtzentrum“ unterstützen den Erholungsurlaub.

Luninez: Die Stadt und vor allem die Menschen liegen Holzhauer am Herzen. 1994 war er erstmals mit dem Musikzug Schenefeld vor Ort. Er war Mitglied des Vereins „Freunde für Luninez“, der 2013 aus dem Vereinsregister gestrichen wurde. Er hat Hilfstransporte organisiert. „Man muss sich kümmern“, davon ist Holzhauer auch heute noch überzeugt, auch wenn sich die Lebensverhältnisse in einigen Bereichen deutlich angenähert haben. „Wir müssen die Jugend für diese Partnerschaft begeistern“, lautet sein eindringlicher Appell.

Für Holzhauer werden die drei Wochen in St. Peter etwas Besonderes sein. Er ist zum letzten Mal der Luninez-Kümmerer, zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Betreuung vor Ort zurück. „Ich hoffe, wir finden einen Nachfolger“, sagt der Rentner, der den Job vor sieben Jahren von Helga Stiemert übernommen hatte. Für Holzhauer ist es undenkbar, diesen Erholungsurlaub ersatzlos zu streichen. „Wir haben eine soziale Verantwortung, die wir wahrnehmen müssen.“

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