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Premiere : „Der Kontrabass“ begeistert in Schenefeld

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Regisseur Laudan komplettiert die Inszenierung mit einem passenden kargen Bühnenbild, bestehend aus spärlichem Mobiliar und einem Notenständer.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Schenefeld | Traumberuf Musiker, untergekommen in einem Staatsorchester. Für viele Menschen aus der künstlerischen Szene ist dies ein begehrtes Ziel, verbunden mit der Vorstellung von Auftritten im Rampenlicht und nicht endenwollendem Applaus. Dass die Realität eines Musikers im Staatsorchester auch eine ganz andere sein kann, demonstrierte Klaus Peter Fischer eindrucksvoll in Patrick Süskinds „Der Kontrabass“ in einer Inszenierung des Schenefelder Theaters. Der Amateurschauspieler verkörpert in brillanter Weise einen namenlosen Antihelden: einen Bassisten in den hinteren Reihen spielend, vorbelastet mit einer deprimierenden Kindheit.

Mit dem „Kontrabass“ haben sich Fischer und Regisseur Manfred Laudan an ein anspruchsvolles Stück gewagt. Es geht um einen alternden Kontrabassisten, der allein in seinem schallisolierten Zimmer mit ein paar Bier und seinem Instrument lebt. Die Unzufriedenheit des Musikers wird zu Beginn der Komödie noch nicht deutlich. Er hält dem Publikum einen emphatischen Vortrag über die Vorzüge seines Streichinstruments. Doch die anfänglichen Lobreden werden immer widersprüchlicher und schlagen schließlich ins Gegenteil um. Der Kontrabassist entpuppt sich als verbitterter, einsamer und nur mäßig begabter Musiker, der sein Instrument und seinen Beruf aus tiefster Seele verabscheut. Eine weitere tragische Komponente: Der Musiker hat sein Herz an die Sängerin Sarah verloren, die ihn noch nicht einmal richtig zur Kenntnis nimmt.

Regisseur Laudan komplettiert die Inszenierung mit einem passenden kargen Bühnenbild, bestehend aus spärlichem Mobiliar und einem Notenständer. Fischer sprach den Text seiner Solo-Rolle klar akzentuiert, hob und senkte gekonnt seine Stimme, setzte zudem die erforderlichen Pausen. Der Schauspieler brachte die Verzweiflung des Musikers dabei eindrücklich zur Geltung und meisterte souverän seinen rund 80-minütigen Monolog. Damit zog Fischer die Zuschauer in die Seelen-Welt der gescheiterten Figur hinein. Er sei ein sogenanntes „Tutti-Schwein“ (wenig Orchestereinsätze), hasse Mozart wie Wagner und unterschlage beim Konzert gern einmal deren Noten, verriet er.

Das Publikum zeigte sich nach der Vorstellung beschwingt und honorierte die Aufführung mit Bravo-Rufen. Weitere Aufführungen sind für Sonnabend, 21. Oktober, um 19.30 Uhr und Sonntag, 22. Oktober, um 18 Uhr im Bürger- und Kultursaal, Achter de Weiden geplant.

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