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Schenefeld : Der Kampf gegen die Schmerzen - Infos zur Krankheit Fibromyalgie

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Ein Chefarzt informiert. Theodora Gröning lebt seit Jahrzehnten damit. Selbsthilfegruppe sucht Leitung.

Schenefeld | Theodora Gröning lebt seit mehr als 30 Jahren mit den Schmerzen. Es tut weh. Im ganzen Körper, den Gelenken, den Weichteilen. Von Ärzten wurde sie jahrelang abgestempelt. Als psychisch krank. „Das Münchhausen-Syndrom haben sie es genannt“, erinnert sich die heute 75-Jährige. 100 Mal sollte sie den Satz schreiben: „Ich habe keine Schmerzen“. Sie hätte schreien können vor Schmerzen.

Fibromyalgie: Gröning fiel eine zentnerschwere Last von den Schultern, als das Kind, ihre Krankheit, endlich einen Namen hatte. „Diese Schmerzen sind kein Hirngespinst“, sagt Dr. Matthias Bögershausen, Orthopäde, Rheumatologe und Chefarzt des Rehastudios Pinneberg-Schenefeld. Er hält an diesem Nachmittag im Schenefelder Bürger- und Kultursaal einen Vortrag. Titel: „Fibromyalgie: aktuelle Erklärungsmodelle und Therapie“. Immer mehr Menschen strömen in den großen Saal an der Gemeinschaftsschule. Junge. Alte. Männer und Frauen.

Gröning und Susanne Eggert, Leiterin der Schenefelder Sozialberatung, haben die Veranstaltung organisiert. Aufklären, Mut machen, unterstützen. Gröning ist seit Jahren an vorderster Front aktiv. Sie hat in Schenefeld vor 15 Jahren eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Zweimal war sie im Fernsehen, um über diese Krankheit zu berichten. In Hamburg hat sie den Deutschen Fibromyalgie-Tag organisiert, mit mehr als 600 Besuchern. Gröning hat ein Netzwerk in ganz Norddeutschland aufgebaut.

Fibromyalgie: Dr. Bögershausen hat auch positive Nachrichten. Die Krankhheit ist chronisch, aber nicht lebensbedrohlich. „Die Lebenserwartung ist nicht geringer“, sagt der Experte. In der Behandlung setzt er auf eine Multi-Modul-Therapie. Die Muskulatur stärken, Entspannungstechniken vermitteln, um Stress abzubauen. Im Rehazentrum gibt es Angebote speziell für an Fibromyalgie Erkrankte.

Das Tückische an dieser Krankheit sind die „Nebenwirkungen“. Depression, Schlafstörungen, Reizdarm. Gröning kennt das alles – seit Jahren. Das Schlimmste sind für sie die Schlafstörungen. „Wenn ich aufwache, tun alle Muskeln weh. Das fühlte sich so an, als ob ich die ganze Nacht in einem Steinbruch gelegen habe.“

Dr. Bögershausen betont, dass diese Krankheit auch heute noch darum ringt, wirklich anerkannt zu werden. „Fibromyalgie-Patienten sind schwierige Patienten. Sie erfordern viel Zeit. Das passt nicht in das heutige Gesundheitsystem.“

Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen. Zunächst müsse der behandelnde Arzt alle anderen Möglichkeiten, auch lebensbedrohende, ausschließen. Gröning rät dazu, einen internistischen Rheumatologen aufzusuchen.

15 Jahre war sie die Leiterin einer Schenefelder Selbsthilfegruppe. Aus gesundheitlichen Gründen zieht sie sich Ende des Jahres aus dieser Funktion zurück. Sie sucht einen Nachfolger, den sie in Ruhe einarbeiten möchte. Für sie steht fest: Für diese, ihre Krankheit, ist der Zusammenhalt und der Austausch in der Selbsthilfegruppe enorm wichtig. Ohne Leitung würde es diese Gruppe nicht mehr geben. Das Aufhören fällt Gröning sehr schwer. „Auch ich habe von dieser positiven Kraft des Gebens und Nehmens profitiert.

Für die Fibromyalgie Selbsthilfegruppe 1 – sie trifft sich jeweils jeden ersten Dienstag im Monat von 16 bis 18 Uhr in der Sozialberatung am Osterbrooksweg – wird eine neue ehrenamtlich tätige Leitung gesucht. Theodora Gröning zieht sich nach 15 Jahren aus gesundheitlichen Gründen zurück. Einen Nachfolger wird sie einarbeiten. Wer Interesse an dieser Aufgabe hat, kann sich direkt an Gröning wenden. Telefon: 04101-45796. Die Selbsthilfegruppe 3 trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat von 15.30 bis 18.30 Uhr in der Sozialberatung. Ansprechpartner ist Marianne Strahl. Telefon: 040-84900228.
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erstellt am 14.Okt.2014 | 12:00 Uhr

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