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Schenefelder Tageblatt

18. Oktober 2017 | 07:47 Uhr

Schenefeld : Der Glückwunsch kommt frei Haus

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Ingrid Heine vom Seniorenbeirat gratuliert Senioren im Namen der Stadt zum Geburtstag. 1000. Besuch bei Adelheid Gründer.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 00:33 Uhr

Schenefeld | Blumenstrauß in der einen, die Urkunde in der anderen Hand. Ein Strahlen im Gesicht, das ansteckt. Ingrid Heine klingelt pünktlich an der Haustür von Adelheid Gründer. Eine herzliche Begrüßung. Der Glückwunsch für das Geburtstagskind, das an diesem Tag 85 Jahre alt wird. Im Wohnzimmer ist die Kaffeetafel gedeckt, die Sektflasche schon geöffnet. „Guten Morgen. Ich komme im Auftrag der Stadt“, sagt Heine. Dann liest sie die Urkunde vor. Hinterher wird bei Kaffee und Kuchen noch geklönt.

Für Heine ist es der 1000.  Glückwunschbesuch in Schenefeld. Die Zahl ist so unfassbar, dass die Schenefelderin sie selbst kaum glauben mag. „Bei der 500 hatte ich ja schon Herzklopfen.“ Seit elf Jahren ist Heine als Mitglied des Seniorenbeirats die Glückwunschbotin der Stadt für alle Senioren, die ihren 80. und 85. Geburtstag feiern. Manchmal macht sie sich dreimal am Tag auf den Weg. In ihrem Rekordmonat zählte sie 29 Geburtstagsbesuche.

„Verschwiegenheit ist das oberste Gebot. Das ist für mich wie ein Gesetz“, betont Heine. Sie erfährt viel Persönliches von den Geburtstagskindern. „Einige schütten ihr Herz bei mir aus. Ich bin oft auch eine Laienseelsorgerin.“ Zuhören. Sich in die Menschen einfühlen. Miteinander reden. Das kann Heine. Sie ist froh, dass sie auf diese Gaben zurückgreifen kann. Grenzenlose Freude. Verzweifelte Einsamkeit. Quälende Unzufriedenheit. Schenefelds Glückwunschbotin erlebt bei ihren Besuchen die ganze Klaviatur der Gefühlswelten. Sie hat einer sterbenden Frau im Altersheim 30 Minuten die Hand gehalten. Sie war für eine 80 Jahre alte Schenefelderin seit einer Woche der erste Gesprächspartner. Und sie bewundert eine 85-Jährige für deren Attraktivität und Jugendlichkeit. „Es gibt mir Kraft, wenn ich sehe, dass meine Besuche Freude auslösen“, sagt Heine. Ihr Mann Roland unterstützt sie vom ersten Tag an, gibt ihr Halt.

Heine , in Königsberg geboren, lebt seit 1971 in Schenefeld. Im Seniorenbeirat engagiert sie sich seit 13 Jahren, ist gerade wieder in das Gremium gewählt worden. In ihrer Freizeit spielt sie gern Golf. „Schlecht, weil ich zu wenig Zeit habe. Ich bin ja immer unterwegs.“ Sie lacht. Wenn sie gesund bleibt, wird sei auch in den kommenden Jahren im Auftrag der Stadt die Glückwünsche überbringen. Im Einfamilienhaus, der Zweizimmer-Wohnung, im Altersheim und auf der Familienfeier im Restaurant. Bei den Gründers im Timmermannsweg ist Heine bereits zum vierten Mal. Geburtstagskind Adelheid und ihr Mann Hartmut (86) haben regelrecht auf sie gewartet. Ein Glas Sekt wird gereicht. „Ach ja, man muss nicht nur verschwiegen sein, sondern auch trinkfest“, sagt Heine mit einem Augenzwinkern.

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