Schenefeld : Der Bürgerverein steht vor dem Aus

Zuhören und einsetzen: Waltraut Lüders (55) liegt ihr Ehrenamt am Herzen. Sie will den Verein am Leben halten.
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Zuhören und einsetzen: Waltraut Lüders (55) liegt ihr Ehrenamt am Herzen. Sie will den Verein am Leben halten.

Die Vorsitzende Waltraut Lüders schlägt Alarm. Die Zukunft des Seniorenkaffees ist weiter offen.

shz.de von
30. Juli 2015, 12:30 Uhr

Schenefeld | Existiert der Schenefelder Bürgerverein auch 2016 noch? Im 50. Jahr seines Bestehens ist das nicht sicher. Vorsitzende Waltraut Lüders schlägt Alarm: Dem 156 Mitglieder starken Verein droht das Aus. Der Grund: Schriftführerin Inga Schüler und Kassenwartin Margitta kündigten an, während der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr antreten zu wollen. Damit steht Lüders allein da. Nachfolger sind nicht in Sicht.

Im Jubiläumsjahr könnte der seit 1966 bestehende Bürgerverein aufgrund fehlenden Engagements aufgelöst werden. Für Lüders, die im Januar 2014 als Nachfolgerin der langjährigen Chefin Edelgard Reiche angetreten war, eine Katastrophe. Die 55-Jährige will die Gemeinschaft am Leben halten, den Verein retten. 

Mit dem drohenden Ende des Bürgervereins ist auch die Zukunft von Schenefelds größter Kaffeetafel ungewiss. Zweimal im Jahr organisiert der Verein den Seniorenkaffee und bringt auf diese Weise mehr als 1000 ältere Menschen zusammen. Schenefeld ohne Bürgerverein? Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) fände das sehr bedauerlich. Auch sie betont den Wert des Seniorenkaffees, den die Stadt finanziell unterstützt: „So etwas gibt es nicht in jeder Stadt“, sagt Küchenhof und fügt an: „Ich kann nur an die Schenefelder appellieren, Frau Lüders zu unterstützen.“ Lüders tritt im Januar wieder für das Amt der Vorsitzenden an. Die 55-Jährige will nicht aufgeben.

Kampf für den Bürgerverein

Waltraut Lüders kämpft mit den Tränen, während sie ihren Hilferuf formuliert. Vor ihr auf dem Wohnzimmertisch liegen vergilbte Dokumente, sogar das Protokoll der Gründungsversammlung vom 7. Oktober 1966 ist darunter. Lüders geht behutsam vor, während sie das historische Dokument in die Hand nimmt. „Das ist etwas Besonderes“, sagt sie. Sie plant für kommendes Jahr eine Ausstellung der historischen Unterlagen – ein Vorhaben von vielen. Lüders hat Ideen im Kopf. Wie sie den Verein weg vom Image des „Vereins für alte Leute“ bringt und mehr junge Leute ins Boot holt. „Ich möchte für die Menschen da sein und mich einsetzen.“ Außerdem schwebt ihr eine große Feier vor, denn 2016 wird der Bürgerverein 50 Jahre alt.

Es sind Visionen, die wohl keine Zukunft haben. Denn der 156 Mitglieder starke Verein steht vor dem Aus. „Wenn wir während der Jahreshauptversammlung im Januar keinen Schatzmeister und keinen Schriftführer finden, hat es sich erledigt“, bringt es Lüders auf den Punkt. Die 55-Jährige erlebt gerade ein Déjà-vu. Anfang des Jahres stand eine Auflösung des Vereins bereits zur Debatte, weil die stellvertretende Vorsitzende Dörte Weykonath-Grimm ihr Amt niederlegte.

Doch Lüders, die im Januar 2014 den Vorsitz übernommen hatte, konnte das Ruder noch herumreißen. Ein Notar bestätigte ihr damals, dass sie keine Co-Chefin an ihrer Seite brauche. Jetzt steuert die Gemeinschaft erneut auf einen Abgrund zu. Denn Schriftführerin Inga Schüler und Schatzmeisterin Margitta Heiland werden im Januar nicht mehr kandidieren. Lüders sucht deshalb dringend Nachfolger. „Besonders freuen würde ich mich, wenn ich einen Stellvertreter finden würde“, sagt Lüders.

Der Traum vom Bürgerhaus

Das Aus des Bürgervereins bedeutet auch das Aus von Schenefelds größter Kaffeetafel mit mehr als 1000 Teilnehmern im Jahr, da ist sich die seit 2006 in der Stadt lebende Lüders sicher. Dabei sei der zweimal im Jahr stattfindende Senioren-Nachmittag gerade für Menschen, die allein sind, wichtig, sagt sie. Unter der Führung der 55-jährigen Mutter zweier Töchter und Großmutter zweier Enkelkinder wurden die Angebote des Vereins erweitert. Inzwischen bietet der Bürgerverein auch Ausfahrten und kleine Wanderungen an.

Das kommt gut an. Auf dem Weg zu einem Tagesausflug nach Schleswig im Juni zählte Lüders 47 Teilnehmer. Die 55-Jährige sucht zudem die Kooperation mit anderen Vereinen. Für September organisiert sie gemeinsam mit Schenefelds Seniorenbeirat einen Vortrag zum Thema „Wie und wo will ich im Alter leben“. Lüders Annäherungsversuche stoßen beim Beiratsvorsitzenden Eckhard Vogelgesang auf offene Ohren. „Frau Lüders hat es zur Zeit schwer“, sagt er. Vogelgesang bedauert das drohende Aus, betont aber zugleich, dass nicht nur der Bürgerverein mit derlei Problemen kämpfe. „Es gibt eine allgemeine Tendenz, dass die Menschen gern Angebote in Anspruch nehmen, aber möglichst keine Aufgaben übernehmen wollen“, so der Beiratsvorsitzende.

Für Lüders steht fest: Der Bürgerverein darf nicht sterben. Sie hat eine genaue Vorstellung davon, wo der Verein hinsteuern sollte: „Der Bürgerverein muss sich einmischen und für jene da sein, die allein sind.“ Sie träumt von einem Bürgerhaus, das sie im Zusammenhang mit der Planung von Schenefelds neuem Stadtkern bereits eingebracht habe.

Lüders lässt den Mut nicht sinken – sie ist nicht allein: Ihre Vorgängerin Edelgard Reiche, zehn Jahre lang Vorsitzende und 26 Jahre lang im Vorstand aktiv, hofft auch, dass der Bürgerverein gerettet wird. Die Ex-Chefin macht Mut: „Es ist viel Arbeit, die aber auch belohnt wird. Man wächst in die Aufgaben hinein.“

Waltraut Lüders, Vorsitzende des Bürgervereins, freut sich über Freiwillige, die ein Ehrenamt übernehmen wollen. Sie ist erreichbar unter Telefon 040-84050405 oder per E-Mail an waltraut.lueders@gmx.de. Viermal im Jahr kommen die Vorstandsmitglieder zusammen. Die beiden größten Veranstaltungen des Bürgervereins sind die Kaffeenachmittage für Senioren im Mai und Dezember.
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