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SPD-Veranstaltung : Debatte: Stadtwerke für Schenefeld?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Viele Kommunen nehmen Energieversorgung wieder selbst in die Hand. Konzessionen laufen 2021 aus.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 12:30 Uhr

Schenefeld | Bundesweiter Trend: Zahlreiche Kommunen gründen Stadtwerke und nehmen die Energieversorgung ihrer Bürger wieder selbst in die Hand. Schenefeld hat nie ein eigenes Stadtwerk besessen, diskutiert aber schon eine Weile, ob das auch zukünftig so bleiben soll. Die Schenefelder Konzessionsverträge laufen 2021 aus, doch die Entscheidung über das weitere Vorgehen sollte bis zum nächsten Jahr vorliegen. Grund: Gemeinden und Städte haben eine Mitteilungspflicht und müssen das Ende der Konzessionsverträge spätestens zwei Jahre vor Ablauf der Verträge bekanntgeben.

Auf einer SPD-Informationsveranstaltung im Lustis rief Roman Schneider von der SMM-Managementberatung zu besonnenem Handeln auf: „Man kann sich nicht ohne Fachkunde auf die Konzessionen bewerben. Wenn Sie hier Stadtwerke gründen wollen, holen Sie sich Hilfe, kooperieren Sie, besorgen Sie sich einen Juristen, der eine hohe Versicherungssumme hat – falls der etwas verbockt.“ Außerdem sei das Netz viel regulierter als viele ahnen und die Erlösstrukturen lägen fest: „Das ist alles gedeckelt.“

Markus Echt von der Schleswig Holstein Netz AG argumentierte vor den insgesamt 50 Besuchern naturgemäß gegen die Energie-Autarkie der Stadt. Er bot Aussichten auf verbesserte Bedingungen und maßgeschneiderte Konzepte. Es gäbe durchaus interessante Modelle, bei denen Kommunen auch mitverdienen könnten. Und: „Mit uns haben Sie eine Garantiedividende und kein Risiko, denn die Märkte und Kundenbedürfnisse ändern sich rasant“, gab er zu bedenken. Möglich sei auch die Gründung eines Netzentwicklungsausschusses für mehr Transparenz.

Sie diskutierten über einen Rückkauf der Netze: Nils Wieruch (von links), Roman Schneider, Markus Echt, Thomas Hölck, Moderatorin Traute Müller, Bernd Peschka, Andreas Krüppel, Dörte Dietrich-Garwinski.
Sie diskutierten über einen Rückkauf der Netze: Nils Wieruch (von links), Roman Schneider, Markus Echt, Thomas Hölck, Moderatorin Traute Müller, Bernd Peschka, Andreas Krüppel, Dörte Dietrich-Garwinski. Foto: Sabrina Lincke
 

Das überzeugt Bernd Peschka von der Schenefelder SPD-Fraktion nicht. Für ihn und viele seiner Genossen macht die Netzübernahme Sinn: „Das Netz zu betreiben ist risikolos. Und der Verkauf von Energie ist auch kein großes Risikogeschäft. In Kooperation mit anderen Stadtwerken könnte man neue Angebote viel besser regeln. Bei der Schleswig Holstein Netz AG vermisse ich Bürgernähe.“ In Wedel beispielsweise könne er vor Ort zu den Stadtwerken gehen und seine Anliegen ganz direkt vortragen.

Das hört Adam Krüppel, seit zehn Jahren Geschäftsführer der Stadtwerke Wedel, gern und bestätigt: „Unser Laden gehört unseren 33.000 Bürgern und nach deren Wünschen richten wir uns aus.“ Auch Dörte Dietrich-Garwinski (SPD), Vorsitzende des Werkausschusses Halstenbek und Mitglied des Aufsichtsrates der Gemeindewerke Halstenbek, ist vom Halstenbeker Weg überzeugt: „Unsere Gewinne fließen in die Gemeindekasse und in Rücklagen. Wir können Einfluss nehmen. Momentan prüfen wir beispielsweise Dächer auf Kompatibilität für Solaranlagen. Das ist wie in einer Genossenschaft – immer an die Bedürfnisse der Bürger angepasst.“

„Trotzdem sollte jede Kommune vollkommen individuell entscheiden. Was für den einen passt, muss für den anderen nicht richtig sein“, wirft SPD-Landtagsabgeordneter Thomas Hölck ein, der in Haseldorf wohnt und bei den Wedeler Stadtwerken angeschlossen ist. „Wie sich eine Kommune ausrichtet, muss langsam wachsen“, meint er.

Für das langsame Wachsen haben die Schenefelder allerdings nicht mehr viel Zeit. Und auch der Finanzrahmen der Netz-Rückkauf-Kosten scheint unklar. Er dehnt sich bis hin zu 22 Millionen Euro - je nachdem, wen man fragt. Der SPD-Fraktionschef Nils Wieruch legt sich auf zwölf bis 15 Millionen Euro fest. „Das ist realistisch“, sagt er. Echt: „Dazu sage ich nichts.“

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