Das kleine große Müllproblem

Am Mühlendamm wurden sogar alte Stühle am Straßenrand abgeladen.
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Am Mühlendamm wurden sogar alte Stühle am Straßenrand abgeladen.

Schenefelder kritisiert Unrat am Straßenrand

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09. Februar 2019, 16:33 Uhr

Wer mit dem Auto die Straßen entlang saust, dürfte dieses Problem leicht übersehen. Doch wenn der Schenefelder Uwe Tiede (60) mit Hündin Brinja spazieren geht, fällt ihm eines immer wieder auf: Überall liegt Müll. Nicht in großen Bergen. Doch kleinteilig auf der Straße, dem Gehweg und den Vorgärten ist er deutlich zu sehen – wenn man darauf achtet. Papiertüten und Flaschen. Selbst Binden, Hundekotbeutel, Dosen und Feuerwerks-Reste sind beispielsweise am Kreuzweg und an der Bogenstraße zu finden.

Tiede stört dieses Phänomen. „Grüne Stadt Schenefeld? Das war einmal. Wir sind auf dem Weg zur Müllstadt Schenefeld“, sagt der Rentner. Besonders schlimm sehe es aus, nachdem die gelben Säcke abgeholt wurden. Denn das dünne Plastik wird gern von Katzen und Krähen aufgerissen. Der Müll fliegt dann in der Gegend herum. Tiede ist viermal täglich mit der betagten Spitz-Dame Brinja unterwegs. Besonders dreckig seien außer der genannten Straßen auch Friedrich-Ebert-Allee, Gorch-Fock-Straße, Altonaer Chaussee, Osterbrooksweg und Hauptstraße. Auch Grünflächen vor Supermärkten seien betroffen. „Überall begegnet uns der Müll und wartet darauf, endlich aufgehoben zu werden“, sagt der Schenefelder.

Der 60-Jährige möchte eine Aktion ins Leben rufen: An jedem ersten Sonntag im Monat sollen Mitbürger um 12  Uhr mittags den Müll vor dem eigenen Grundstück beseitigen. Beginnen will er damit am 3. März – und hofft auf viele Unterstützer. „Wenn alle mitmachen, ist Schenefeld innerhalb von fünf Minuten sauber.“ Die jährliche Saubermach-Aktion im ganzen Land Schleswig-Holstein findet er zwar gut. „Das reicht aber nicht“, urteilt Tiede.

Aber auch das Ordnungsamt und den Kreis Pinneberg nimmt der Schenefelder in die Pflicht. So fordert er vehement die Einführung der gelben Tonne statt der instabilen Säcke. In Klein Flottbek habe er den Unterschied deutlich gesehen. Die Straßen mit den Tonnen seien viel sauberer als die mit den Säcken, beschreibt er. Von der Stadt erwartet er zudem mehr Müllkörbe. Und er hat eine weitere Idee: kostenlose Greifzangen für die Bürger. Um die öffentlichen Flächen sollte sich die Stadt außerdem intensiver kümmern, sagt Tiede.

Zumindest das Problem mit den gelben Säcken könnte sich lösen lassen. Laut Kreis-Pressesprecher Oliver Carstens will die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung im Kreis Pinneberg (GAB) Verhandlungen mit den Dualen Systemen aufnehmen – mit dem Ziel, die gelben Tonnen einzuführen. Die GAB hat zudem die kostenlose App „MüllMelder!“ entwickelt, mit der Bürger verdreckte Containerstandorte melden können.

Das Problem mit dem Müll am Straßenrand müssten die Anwohner eigentlich auf eigene Faust lösen. Schenefelds Ordnungsamtschefin Andrea Pinzek verweist auf die Straßenreinigungssatzung. Demnach müssen die Inhaber der Grundstücke selbst dafür sorgen, dass der Vorgarten, der angrenzende Gehweg und der Straßenrand sauber sind. „Wir können das nicht für alle wegräumen“, sagt Pinzek. Der Bauhof sei zwar in der Stadt unterwegs und beseitige zum Teil herumliegenden Müll. Auch öffentliche Plätze würden saubergehalten. Über Hinweise, wenn dies nicht der Fall ist, sei die Verwaltung dankbar. An sich sei die Stadt aber nicht zuständig. Es gebe dafür nicht genügend Personal. „Irgendwo ist eine Grenze erreicht“, sagt Pinzek. Dreckige Container-Standorte würden der GAB gemeldet.

Die Verwaltung schreibe auch regelmäßig Grundstückeigentümer an, die auffallend viel Dreck vor der Tür haben. Dies werde nur leider gern ignoriert. „Es gibt zu viele Schenefelder, die keine Lust darauf haben, den Müll zu beseitigen. Sie finden, die Stadt müsste das wegmachen. Diese Haltung ist ungesund“, urteilt Pinzek. Dementsprechend glaubt sie auch nicht an den Erfolg der Aktion, einmal im Monat zum Aufräumen aufzurufen. „Die Anwohner sehen ja, wie es dort aussieht und machen es nicht weg“, argumentiert die Fachbereichsleiterin.

Den Vorschlag, mehr Müllkörbe im Stadtgebiet zu verteilen, findet sie gut. Dies wolle Pinzek anregen. Die Mülleimer seien aber in der Vergangenheit insgesamt nicht reduziert worden. Vereinzelt seien diese aber abgebaut worden, da diese Vandalismus zum Opfer gefallen waren – unter anderem in der Siedlung.

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