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„Schenefelder Zeitreise“ - Teil 4 : Das dunkle Kapitel der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Auch in Schenefeld wurden während der NS-Zeit Menschen aus politischen Gründen verhaftet und in Arbeits- oder Konzentrationslager gebracht, unter anderem etwa 500 jüdische Frauen und Mädchen...

Schenefeld | Schenefeld nahm in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts keinen Sonderweg, der sich deutlich von anderen Gemeinden abgehoben hätte. Der Ort war keine Hochburg der Nationalsozialisten, aber auch kein Schauplatz für nachhaltigen Widerstand.

Mit der Machtergreifung am 10. Januar 1933 endete auch in Schenefeld die Zeit der gewählten Gemeindevertretung. Im Juni wurden die sozialdemokratischen Gemeindevertreter amtsenthoben. Auffällig war die geringe Zahl der Landwirte in der Gemeindevertretung. Der Heimatforscher Horst Hasenau vermutete im Jahr 1977, dies möge daran gelegen haben, dass der NSDAP-Ortsgruppenleiter Hinrich Krohn festgestellt hatte, „dass viele Landwirte sich den Veranstaltungen der NSDAP fernhalten.“

Die Schenefelderin Frieda Kreft-Timmermann berichtet in ihren Erinnerungen, dass ihr Vater Friedrich Harms, Gärtner und Baumschuler, gegenüber Hitler sehr mißtrauisch eingestellt gewesen sei. Als er einmal mit Pferd und Wagen über die Dorfstraße fuhr und ein Bekannter ihn mit „Heil“ begrüßte, habe er geantwortet: „Nee, kaputt!“ Er habe grundsätzlich nicht mit „Heil Hitler“ gegrüßt, worauf der andere ihn anhielt und drohte: „Watt gest du seegt, Fiete?“ Die Antwort: „Bi mi is all’ns kaputt, hörst du doch.“

Zwangsarbeiter müssen Rinde essen

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kamen auch Zwangsarbeiter nach Schenefeld, um in der Landwirtschaft und den Baumschulen zu arbeiten. Die polnischen Arbeiter in Schenefeld und in den Halstenbeker Baumschulen konnten sich trotz vieler Einschränkungen frei bewegen.

Auch in Schenefeld wurden Menschen aus politischen Gründen verhaftet und in Arbeits- oder Konzentrationslager gebracht. Im Herbst 1944 wurde südlich des Güterbahnhofes Eidelstedt am Friedrichshulder Weg ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme eingerichtet. Bis Kriegsende waren dort bis zu 500 jüdische Frauen und Mädchen untergebracht, die zu Bauarbeiten an Plattenhäusern für Fliegergeschädigte eingesetzt wurden. Auch beim Bau eines langen Panzergrabens im Winter 1944 östlich der Lornsenstraße wurden sie eingesetzt. Die Schenefelderin Elli Charlotte Hoppe erinnerte sich in ihren Memoiren, dass viele Menschen dorthin gingen, um sich die Arbeitskolonnen anzusehen. „Die Strafgefangenen sahen schneeweiß aus“, beschreibt sie. „Sie mussten wie die Tiere schuften und wurden immerzu noch gehetzt, angetrieben.“ Es sei ein trauriger Anblick gewesen, den sie nicht so leicht vergessen konnte. Zeitzeuge Horst Knaack berichtete, dass die Weidenbäume in der Nähe des Panzergrabens abgerissene Rinden gehabt hätten, weil die Gefangenen offenbar vor Hunger die Baumrinde aßen. Im Frühjahr 1941 fielen die ersten Bomben auf Schenefeld. Gegenüber der späteren Stephanskirche gab es einen Luftschutzbunker, der 100 Menschen Platz bot. Todesopfer waren nur vereinzelt zu beklagen.

Die letzten Bomben fielen im April 1945. Erst im Jahr 1989 wurde eine Gedenktafel mit den gefallenen und vermissten Soldaten aufgestellt. 116 Namen standen darauf. Es gab fast keine Schenefelder Familie, die nicht betroffen war.

Morgen lesen Sie: Schenefeld wächst zusammen: Die Stadt entsteht.

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erstellt am 07.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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