Schenefeld : Das Dorf weckt Begehrlichkeiten

sch_geltungsbereich

An der Ecke Hauptstraße/Mühlenstraße ist ein vierstöckiger Neubau geplant. Dafür gibt es jedoch keinen gültigen Bebauungsplan.

shz.de von
02. Januar 2015, 10:00 Uhr

Schenefeld | Die Autowerkstatt und das Restaurant mussten vor Langem weichen: Das Gebäude steht leer. Wahrscheinlich rücken an der Hauptstraße, Ecke Mühlenstraße, schon bald die Abrissbagger an. Zwar gibt es noch keine offizielle Bauvoranfrage bei der Stadt, aber Gespräche mit möglichen Investoren haben bereits stattgefunden. Auch die Politik ist längst alarmiert. Denn der Neubau eines viergeschossigen Gebäudes machte die Runde – und schreckte auf.

Die SPD und die Grünen setzten sich jetzt sogar für die Aufstellung eines Bebauungsplans ein, um mögliche Bausünden im Dorf zu verhindern. Auch die CDU plädierte für „klare Spielregeln“. „Durch einen B-Plan können wir Flächen schützen und die Bebauung besser regeln“, sagte Holm Becker.

Grünen-Fraktionschef Mathias Schmitz betonte, dass es darum gehe, eine sensible Weiterentwicklung zu ermöglichen, bei der der Charakter des Dorfes erhalten bleibe. Dabei geht es Rot-Grün auch um die Sicherung der bestehenden landwirtschaftlichen Betriebe.

Bekommt das Dorf ein neues Gesicht? „Es gibt Begehrlichkeiten in diesem Bereich“, sagte auch Schenefelds Stadtplaner Ulf Dallmann. Eine Entscheidung über die Aufstellung eines B-Plan fiel im Stadtentwicklingsausschuss aber noch nicht.

Schenefelds Bauamtschef Günter Leimert versuchte, die Gemüter zu beruhigen. „Ein viergeschossiges Gebäude ist ohne jeden Zweifel an dieser Stelle gar nicht zulässig“, sagte Leimert. Demnach wären in diesem Bereich auch ohne rechtskräftigen Bebauungsplan nur zwei Vollgeschossse plus Dachgeschoss erlaubt.

Laut Leimert sind bereits 90 Prozent der fraglichen Flächen – sie liegen zwischen dem Sülldorfer Weg, der Mühlenstraße, der Nedderstraße und dem Mühlendamm – bebaut. „Südlich der Hauptstraße gibt es keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr.“ Ein Bebauungsplan verursache hohe Kosten und brächte nicht viel.

Er würde der Stadt unter Umständen ein Stück Handlungsspielraum nehmen. Leimert hat dabei den Aldi-Markt an der Hauptstraße im Blick. Er entspricht von der Größe her nicht mehr dem Konzept des Discounter-Riesen. „Mittel- bis langfristig wird sich dort etwas ändern müssen“, sagt Leimert. Am jetzigen Standort sind die Aldi-Pläne definitiv nicht umsetzbar. Flächen müssten gekauft oder ein ganz neuer Standort in der näheren Umgebung gefunden werden. Eines möchte die Stadt auf jeden Fall verhindern: Dass das Dorf seinen letzten Nahversorger verliert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen