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Schenefelder Tageblatt

14. Dezember 2017 | 03:54 Uhr

Feuerwehr : Das Blaulicht kriegt sie alle

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jahrelang haben Tomas Berens, Björn Eggerstedt und Marcus Reiß Kinder und Jugendliche ausgebildet. Nun ist Schluss. Ein Rückblick.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Schenefeld | Stühlerücken bei der Schenefelder Wehr: Während der jüngsten Jahreshauptversammlung verabschiedeten sich Jugendwart Tomas Berens (48) und die beiden Ausbilder Björn Eggerstedt (51) und Marcus Reiß (46). Jahrzehntelang hatten sie sich um Generationen von Kinder und Jugendlichen gekümmert. Berens war 18 Jahre Jugendwart und ist nun zum Wehrführer gewählt worden. Eggerstedt ist sein Stellvertreter und hat 34    Jahre lang ausgebildet. Reiß war 23 Jahre dabei. Im Gespräch mit unserer Zeitung blicken sie zurück auf Dienstabende, Ferienlager und ein Ehrenamt, das die gesamte Freizeit ausfüllt.

Was sie persönlich aus der Zeit als Ausbilder mitgenommen haben? Die Feuerwehrmänner überlegen. „Die Gemeinschaft“, sagt Reiß. „Der Zusammenhalt ist nicht vergleichbar mit dem anderer Vereine. Das hat mich geprägt.“ Eggerstedt ergänzt: „Das Tollste ist, dass die Kinder so schön miteinander umgehen, sich etwas beibringen und freundschaftlich miteinander verbunden sind. Das war für mich immer faszinierend.“

Berens bestätigt das. In Familien gebe es oft Zwist unter verschieden alten Geschwistern. Bei der Feuerwehr sei der Umgang hingegen größtenteils sehr harmonisch. „Das Verständnis von Zusammengehörigkeit ist ein anderes.“ Dies zu vermitteln, sei auch Aufgabe der Ausbilder, findet Wehrführer Berens. „Ein kleiner Junge ist da genauso wertvoll wie ein 18-Jähriger. Manchmal muss man zum Beispiel durch eine enge Röhre krabbeln, und da ist der Kleinere im Vorteil“, sagt er.

Während andere Vereine um ihre Existenz bangen, weil kein Nachwuchs mehr zu den Treffen kommt, hat die Feuerwehr Schenefeld diese Probleme nicht. Blaulicht übe nach wie vor eine Faszination aus, da sind sich die Helfer einig. Viele seien von der Technik fasziniert. „Es ist eben ein großes Spektrum, das wir bieten“, erläutert Reiß. Neben den Übungen gebe es auch Ausfahrten und viele Veranstaltungen.

Es zählt der Gruppengedanke

Während die Jüngeren vor allem von den schweren Geräten begeistert sind, zähle bei den Jugendlichen der Gruppengedanke, der zum Beispiel im Zeltlager zum Tragen kommt. Was die Feuerwehr so attraktiv für Jugendliche macht, seien aber auch die Möglichkeiten der Mitbestimmung, erläutert Reiß. So gebe es einen eigenen Vorstand für die Jugendlichen. In Schenefeld sei es zum Vorteil, dass es bei den Ausbildern nur selten einen Wechsel gab. Dies sei bei anderen Wehren nicht der Fall.

Auch wenn es der Jugend gern vorgeworfen wird: Die Kinder seien heute nicht weniger diszipliniert als früher. „Es gibt wie in jeder Schulklasse mal einen, der die Rolle des Kaspers übernimmt“, berichtet Berens. „Aber bisher haben wir das immer in den Griff bekommen. Die Gruppe regelt das oft selbst.“ Bei Übungen und Wettkämpfen sei es natürlich wichtig, dem Gruppenführer zuzuhören, ergänzt Eggerstedt.

Der Spaß komme bei der Sache aber nicht zu kurz. „Das muss auch so sein, sonst bleiben die nicht dabei. Außerdem sind wir nicht sehr streng“, sagt Berens und grinst. Wenn Jugendliche mit der Feuerwehr aufhören, liege das meistens an schulischen Problemen. Dies seien aber Einzelfälle. 48 ehemalige Mitglieder der Jugendwehr seien über die Jahre in den aktiven Dienst gewechselt. „Die hatten nicht alle einen Vater in der Feuerwehr, der sie gezwungen hat“, betont Eggerstedt.

Für Berens verlief der Einstieg aber so – allerdings ohne Zwang. Vater und Bruder waren jahrelang aktiv. „Ich wollte das selbst auch.“ Der Wehrführer blieb dabei. „Mir hat sich nie die Frage gestellt, aufzuhören. Das gehört zu meinem Leben.“ Der zeitliche Aufwand sei zwar nicht gering. Aber allen Feuerwehrleuten mache ihr Ehrenamt Spaß. Zu den schönsten Erlebnissen zählen für Eggerstedt, Berens und Reiß die Zeltlager.

Kontinuität ist Trumpf

Welche Pläne der neue Wehrführer für seine erste Amtszeit hat? Bei seiner Antwort kommt sein Humor zum Tragen: „Wir bauen eine Mauer nach Halstenbek und lassen sie dafür zahlen.“ Dann aber im Ernst: Hochtrabende Pläne habe er keine. Die Schenefelder seien gut aufgestellt. Er wolle die Arbeit seines Vorgängers Michael Schulz genauso gut weiterführen. „Wir haben zum Glück die volle Unterstützung der Stadt“,betont Berens. Gebe es Wünsche, wie kürzlich ein Zelt, würden diese auch erfüllt. Der Stadt sei bewusst, wie wichtig eine gut funktionierende Jugendwehr und eine Wehr sind. „Wir hatten aber auch nie Fantasiewünsche.“

Bei der Familie Eggerstedt hat die Begeisterung für die Wehr bereits die nächste Generation erreicht. Auch seine Tochter sei in der Jugendwehr. „Der Virus wurde übertragen“, sagt der Vater.

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