Interview : CDU-Politiker Dr. Rainer Sempell: Rückblick auf 28 Jahre im Schenefelder Stadtrat

Besonders die Schulpolitik hatte es Rainer Sempell angetan.
Besonders die Schulpolitik hatte es Rainer Sempell angetan.

Mit 22 startete er seine politische Karriere. Den Umstieg auf G8 in Schenefeld wertet er als seinen größten Erfolg.

shz.de von
23. Mai 2018, 14:00 Uhr

Schenefeld | Dr. Rainer Sempell war viele Jahre eines der Gesichter der Schenefelder CDU. Nun hat er seine politische Karriere beendet und sich bei der Kommunalwahl nicht um ein erneutes Mandat für die Ratsversammlung beworben. Im Interview mit shz.de spricht Sempell unter anderem über seine politische Arbeit und erklärt, warum er diese beendet hat.

Frage: Was hat Ihnen an der Arbeit im Schenefelder Rat besondere Freude bereitet?
Rainer Sempell: Als ich mit der Politik anfing, war ich gerade einmal 22 Jahre alt, mit 25 Jahren gehörte ich 1990 erstmals der Ratsversammlung an. So bekam ich bereits in jungen Jahren Einblicke in wichtige Entscheidungsprozesse, die man in dem Alter sonst nicht bekommt. Dazu konnte ich zum Beispiel als Vorsitzender des Schulausschusses an exponierter Stelle wichtige Entwicklungen mit auf den Weg bringen. Das hat mir sehr viel Spaß gebracht. Ein großer Vorteil war meine Unabhängigkeit. Ich habe einen tollen Beruf und war nie gezwungen, politisch etwas zu werden. Deshalb habe ich auch mehrmals die mir angebotene Landtagskandidatur abgelehnt. Ich wollte kein Hinterbänkler sein, der nichts bewegen kann, mich aber auch nicht verbiegen lassen, nur um mehr Einfluss zu bekommen.

Was hat Sie geärgert?

Die Ignoranz mancher Bürger, die ihr Wahlrecht nicht wahrnehmen und gar kein Interesse haben, sich mit der Kommunalpolitik zu beschäftigen. Dass wir wegen der Asylpolitik des Bundes kritisiert werden, obwohl wir damit gar nichts zu tun haben, darf eigentlich nicht sein. Unangenehm waren auch die Bürger, die ideologisch verbohrt an ihren Meinungen festhielten und sich von den tatsächlichen Sachverhalten nicht im mindesten beeindrucken ließen. Wenn jemand Kritik übt, sollte er zumindest wissen, worüber er redet.

Was ist der Grund für Ihren Rückzug aus der Politik?
31 Jahre in der Politik reichen. Ich habe schon in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr so viel Freude an der politischen Arbeit gehabt, weil einfach andere Dinge wichtiger werden. So möchte ich meine Planungen nicht nach den Terminen der Gremien ausrichten. Und irgendwann muss ja Schluss sein. Ich hatte nie das Ziel, mit 78 Jahren noch in der Ratsversammlung zu sitzen.

Wieso wurde die CDU Ihre politische Heimat?
Sicherlich auch, weil mich mein Vater geprägt hat, der ebenfalls für die CDU der Ratsversammlung angehörte und mit dem ich mich sehr viel über Politik unterhalten habe. Dazu steht die CDU für Werte, mit denen ich mich identifiziere, zum Beispiel, dass sich Leistung lohnen muss und die Wirtschaftspolitik dafür sorgen soll, dass alle mitgenommen werden. Das Anspruchsdenken darf aber nicht zu groß sein. Es darf niemand vergessen, dass es den Ärmsten in Deutschland immer noch wesentlich besser geht als den Ärmsten in fast allen anderen europäischen Ländern.

Was war Ihr größter politischer Erfolg?
Dass das Schenefelder Gymnasium auf G8 umgestiegen ist, ist sicherlich auch meinem Einsatz zu verdanken. Ich halte es für falsch, dass die CDU-Landesregierung das Rad wieder auf G9 zurückdrehen möchte. Aus meiner Sicht ist es in Schenefeld derzeit optimal. Wer schnell sein Abitur haben möchte, geht aufs Gymnasium, wer mehr Zeit braucht auf die Gemeinschaftsschule. Eltern und Kinder haben also die freie Wahl. Ich verstehe nicht, warum man nicht an dem festhält, was funktioniert. Ein großer Erfolg für mich persönlich war sicherlich auch, dass die Stadt aufgrund meines Verhandlungsgeschicks eine geringere Spielbankenabgabe an den Kreis Pinneberg zahlen muss. Da geht es um mehrere Tausend Euro pro Jahr.

Was war Ihre größte Niederlage in Ihrer Zeit als Politiker?
Dass es nicht gelungen ist, die exorbitant hohen Zuschüsse für das Jugend- und Kommunikationszentrum herunterzufahren, obwohl der Betreiber jedes Jahr Überschüsse erwirtschaftet. Grundsätzlich ist es für uns als CDU immer schwierig, Mehrheiten zu organisieren. Schenefeld ist nun mal eine rote Stadt.

Mit welchen Themen haben Sie sich am liebsten beschäftigt?
Mein Steckenpferd war immer die Schulpolitik. Auch diese Vorliebe habe ich mit meinem Vater geteilt. Finanz- und Bauausschuss waren nicht mein Ding. Auf Kreisebene habe ich mich als Hauptausschuss-Vorsitzender mit vielen wirtschaftlichen Themen beschäftigt. Das fand ich ebenfalls sehr spannend, weil ich in dieser Position viel bewegen und ein Gesamtvolumen von 280 Millionen Euro steuern durfte.

Vor welchen Herausforderungen steht die Stadt Schenefeld in den kommenden Jahren?
Ein Thema ist sicherlich die finanzielle Situation. Wir haben bewusst viel von den städtischen Reserven aufgebraucht und sinnvoll investiert. Wenn die Rücklagen zu groß sind, steigt nämlich die Kreisumlage und die Zuschüsse vom Land werden geringer. Die Reserven müssen nun aber langsam wieder aufgebaut werden. Dazu wird sich der Rat aus meiner Sicht mit dem Radverkehr beschäftigen müssen. Ich halte es für einen Fehler, die Radler auf die Straße zu zwingen. Außerdem würde ich mir wünschen, dass die Stadtkernplanung nach Jahrzehnten endlich zu einem Ergebnis führt. In den Schulen müssen wir die Klassenräume nachrüsten. Sanierungen sind dabei nach meiner Auffassung wirtschaftlicher als Neubauten.

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