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Schenefelder Tageblatt

16. Dezember 2017 | 00:51 Uhr

Friedhof : Bürger entscheiden

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Insgesamt 15.678 Wahlberechtigte gibt es. Dritter Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt. Finanzen kontra Emotionen.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2014 | 15:00 Uhr

Schenefeld | Nils Wieruch (SPD) und Manfred Pfitzner (BfB) sind gegen einen Friedhof. Dietrich Osten (OfS) ist für einen Friedhof. Wieruch und Pfitzner sprechen von „unkalkulierbaren Kosten, die auf die Stadt zukommen könnten“. Osten von einem „wichtigen Zukunftsprojekt, das die Stadt jetzt angehen müsse“. Bei allen Differenzen: In einem Punkt sind sich die drei Schenefelder Politiker aber einig: Sie rufen die Bürger auf, sich heute an dem Bürgerentscheid zu beteiligen.

Die Stadt ohne Friedhof: für Schenefeld ein eher ungeliebtes Alleinstellungsmerkmal. 40 Jahre lang wurde über eine letzte Ruhestätte in der Politik diskutiert, wurden Standorte geprüft und verworfen. Politikergenerationen haben sich mit dem Thema beschäftigt – und sind gescheitert.

Jetzt sind die Bürger dran. Die OfS hatte den Bürgerentscheid im Rat politisch auf den Weg gebracht, die anderen Fraktionen folgten. Die Volksvertreter geben diese Entscheidung zurück ans Volk. Jetzt haben 15.678 Schenefelder das Wort – und die Wahl. Sie können mit Ja oder mit Nein stimmen. Die elf Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Die politischen Parteien haben sich längst positioniert. CDU und OfS werben für eine letzte Ruhestätte in der Stadt. SPD, Grüne und BfB sprechen sich dagegen aus. Ein geeignetes Grundstück wurde am Sandstückenweg bereits gefunden. Es befindet sich zum Teil im Besitz der Stadt. Es ghet um einen vollwertigen Friedhof, auf dem auch Erdbestattungen möglich sind.

Der Friedhof: Es ist der dritte Bürgerentscheid in der jungen Geschichte der Stadt Schenefeld. Um einen Friedhof per Bürgervotum auf den Weg zu bringen, müssen die Befürworter zwei Hürden meistern. Es muss – natürlich – mehr Ja- als Nein-Stimmen geben. Zudem müssen aber auch mindestens 18 Prozent der wahlberechtigten Schenefelder mit Ja stimmen. Für einen Friedhof braucht es also mindestens 2822 Ja-Stimmen. Ein erfolgreicher Bürgerentscheid wäre für zwei Jahre rechtlich bindend.

Die Stadt geht von 150 bis 180 Todesfällen im Jahr aus. Die Bestatter rechnen damit, dass es bis zu 60 Beerdigungen auf einem Schenefelder Friedhof geben könnte. Denn viele Schenefelder haben seit Jahren Familiengräber in Hamburg, Halstenbek oder Rellingen. Zudem hat sich die Bestattungskultur geändert. Es gibt immer mehr Seebestattungen, Urnenbegräbnisse und anonyme Bestattungen

Die Finanzen: Das Hauptargument der Gegner. Ein Friedhof wird sich in Schenefeld nicht wirtschaftlich betreiben lassen. Diskutiert wird nur über die Höhe des jährlichen Defizits. Es könnte bei 100.000 Euro liegen.

Die Emotionen: Eine Hauptargument der Befürworter. Der Friedhof stiftet Identifikation. Schenefelder können in ihrer Stadt auch ihre letzte Ruhestätte finden. Der Friedhof als Ort der Begegnung, als Ort der Trauer. „Viele Bürger haben den Wunsch, in Schenefeld beerdigt zu werden“, beschrieb Bürgermeisterin Christiane Küchenhof ihre Eindrücke und Erfahrungen.

Ja oder Nein: Heute entscheiden die Bürger, nicht die Politiker.

Und darüber stimmt Schenefeld heute ab: „Soll die Stadt Schenefeld einen vollwertigen Friedhof herstellen und betreiben, der auch langfristig mit zirka 50.000 bis 100.000 Euro pro Jahr bezuschusst werden müsste?“.
Die Stadt wird die Ergebnisse der Europawahl und des Bürgerentscheids ab 18 Uhr im Ratssaal präsentieren. Zuerst wird die Europawahl ausgezählt. Ob sich die Schenefelder für einen Friedhofs entschieden haben, soll gegen 21 Uhr feststehen.
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