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Besuch in Weißrussland : Brücken der Freundschaft schlagen

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Ein Lehrstück in Diplomatie: Eine Schenefelder Abordnung war zu Gast in der weißrussischen Partnerstadt Luninez.

Marga Gätjens wurde auf dem Sportplatz gleich von einer ganzen Traube Jungen und Mädchen umringt. Die Vorsitzende von Blau-Weiß 96 verteilte gemeinsam mit Fußballchef Andreas Wilken Trikots. Dankbarkeit, strahlende Kinderaugen. Einer der schönsten Momente für die Schenefelder Delegation bei ihrer sechstägigen Reise in die Partnerstadt Luninez.

Zuletzt war eine Schenefelder Abordnung 2010 in Weißrussland zu Gast. Nicht nur Bürgermeisterin Christiane Küchenhof staunte über den wirtschaftlichen Fortschritt, der den Gästen aus dem 1300 Kilometer entfernten Deutschland sofort ins Auge stach. „Die Eishalle und das Schwimmbad waren fertig, das Krankenhaus und das Hotel saniert, die Straßen in Schuss“, beschrieb Küchenhof nach der Rückkehr aus Luninez ihre Eindrücke. 2010 sahen die Schenefelder vor allem viele Baustellen.

Die Zeit, in der Schenefelder Pakete packten und nach Luninez transportierten ist längst vorbei. Von der Hauptstadt Minsk waren die Schenefelder begeistert. „Da gibt es kaum noch einen Unterschied zu Hamburg, wenn man am Straßenrand steht“, sagte Melf Kayser, der zum ersten Mal in Weißrussland war.

Der Blick der Gastgeber, er geht nach Westen. Auch diese Erkenntnis nahm die Delegation mit zurück nach Hause. Die Partnerschaft mit der Kleinstadt in Deutschland ist für die Weißrussen etwas ganz Besonderes.

„Fremdheit vergeht nur, wenn gegenseitiges Verständnis für das Leben, die Werte und die Kultur des jeweils anderen entstehen kann“, sagte Küchenhof beim offiziellen Empfang im Rathaus. Bürgervorsteherin Gudrun Bichowski überreichte als Geschenk ein Bild auf dem das Schenefelder Rathaus und die Luninez-Brücke zu sehen sind. „Wir sollten daran denken, dass Brücken nicht nur verbinden, sondern Freundschaften wie alte Brücken sind, die uns mit aller Kraft über Höhen und Tiefen tragen“, betonte Bichowski.

In den vergangenen Jahren waren es vor allem Blau-Weiß 96 und der Musikzug Schenefeld, die die seit 2001 offiziell bestehende Städtepartnerschaft mit Leben gefüllt haben. „Sie sind die wichtigen Säulen des Austausches. Sport und Musik brauchen auch kein Wörterbuch“, sagte Küchenhof. Die Verwaltungschefin hofft, dass noch mehr Kontakte entstehen, sich noch mehr junge Menschen aus beiden Ländern kennenlernen.

„Da ist die Politik gefordert“, sagt Arno Holzhauer vom Musikzug, für den die 24 000-Einwohner-Stadt Luninez schon fast zu einem zweiten Zuhause geworden ist. Er spielt auf die politisch beschlossenen, drastischen Kürzungen bei den Fahrtkostenzuschüssen an. Auch für Gätjens ein rotes Tuch. Der Verein musste zuletzt wieder ein Defizit aus Vereinsmitteln ausgleichen, weil ein Luninez-Fußballteam in Schenefeld zu Gast war. Küchenhof kündigte an, in puncto Fahrtkosten eine Initiative zu starten. „Wir wollen die Vereine so gut es geht unterstützen.“

Trotz aller positiven Entwicklungen: Die Schenefelder verschließen nicht die Augen davor, dass Weißrussland autoritär regiert wird, häufig als letzte Diktatur in Europa bezeichnet wird. Küchenhofs Bürgermeister-Kollege in Luninez ist nicht demokratisch legitimiert, er wurde eingesetzt. Und so war auch dieser Besuch bei aller Herzlichkeit und Freundlichkeit ein Lehrstück in Diplomatie. Küchenhof: „Es geht um die Städtepartnerschaft, um die Menschen. Das steht im Mittelpunkt.“

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erstellt am 05.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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