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Schenefelder Tageblatt

12. Dezember 2017 | 22:57 Uhr

Schenefeld : Blick in Blau-Weiße Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Vereinszeitschrift aus dem Jahr 1948 aufgetaucht. Zeitzeuge Heinz Korczanowski (83) erinnert sich an bewegte Momente.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Schenefeld | Die Vereinszeitschrift aus dem Jahr 1948 ist eine Rarität. Die Familie Modest hat sie erst jüngst wieder ans Tageslicht befördert und in der Geschäftsstelle der Spielvereinigung Blau-Weiß 96 abgegeben. Blau-Weiß-Geschäftsführer Frank Böhrens zögerte daraufhin nicht lange und stellte das historische Dokument für seine Mitglieder auf der Internetseite bereit.

Die Zeitschrift offenbart spannende Details wie etwa die mangelhafte Sportplatzsituation in der Nachkriegszeit. Der damalige Bürgermeister Albert Schröder beschrieb die Situation wie folgt: „Ich glaube, wenn wir im Frühjahr mehr Sportraum benötigen, wird unsere Sportwelt sich dazu aufschwingen und den Sportplatz auf dem genannten Gelände in Gemeinschaftsarbeit durchführen.“

Seit dem Erscheinen des Dokuments liegen inzwischen Jahrzehnte zurück. Es gibt nur noch wenige Mitglieder, die als Zeitzeugen aus dem Vereinsleben erzählen können. Einer von ihnen ist Heinz Korczanowski (83), der bereits im Jahr 1945 als 13-Jähriger bei Blau-Weiß eintrat.

„Der Krieg war gerade vorbei und so allmählich kamen die im Krieg Gewesenen nach Hause“, erinnert sich Korczanowski an die Zustände im Jahr 1948. Es habe „so einige Zeit gedauert, bis sich die erste Herrenmannschaft zusammenfand“. Erst ein Jahr zuvor hatte die britische Besatzungsmacht den Verein zugelassen. Die Mitgliederzahl stieg schon in diesem Jahr spektakulär auf 330 Personen an.

Korczanowski war Schenefelder Siedlungskind. Der damalige drei Kilometer entfernte Sportplatz befand sich hingegen im Dorf. „Wir waren unzufrieden, weil wir immer hin- und herfahren mussten“, berichtet der Rentner. Derartige Zustände führten dazu, dass zusätzlich der Sportverein Schwarz-Weiß 51 gegründet wurde. Jahre später (1957) verschmolz er dann wieder mit Blau-Weiß zur heutigen Spielvereinigung. Die überwiegend aus der Siedlung stammenden Mitglieder legten damals selbst Hand an, um auf der kargen Heidelandschaft einen weiteren Sportplatz zu errichten.

„Immer nach Feierabend beziehungsweise nach der Schule haben wir gearbeitet“, erinnert sich der 83-Jährige. Das sei eine Knochenarbeit gewesen, den Platz an der Gorch-Fock-Straße mit Picken urbar zu machen. „Betuchte Geschäftsleute“ sorgten nach den Worten Korczanowskis dafür, Schubkarren und Loren bereit zu stellen.

Fußballmannschaften konnten zwar bereits im Jahr 1945 relativ schnell gebildet werden. „Die Nachkriegszeit war jedoch schlimm“, betont der 83-Jährige. Die meisten Jungen verfügten nicht über richtige Fußballschuhe. Man konnte einen Bezugsschein anfordern. Doch wenn in der Familie ein solcher Schein bewilligt wurde, galt es, dem Bedürftigsten die Schuhe zu geben. „Kam mal ein Sportler in den Genuss, musste er zwischen Stollen- und Schnürschuhen wählen“, erinnert sich Korczanowski. Der 83-Jährige war damals so fußballbegeistert, dass er defekte Bälle selber wieder zusammennähte.

„Der Sportplatzbau war ein verheißungsvoller Auftakt“, erzählt die Vereinsvorsitzende Marga Gätjens, die selber bereits seit 55 Jahren Mitglied ist. Auch Karl Vogelgesang berichtet in der Vereinszeitschrift von der „langen Reihe der Frauen und Männer, die – wie er selbst – maßgeblich dazu beigetragen haben, dass in Schenefeld das Sportleben immer lebendig blieb“.

Wer sich weiter mit der Materie beschäftigen möchte, kann in der Geschäftsstelle, Achter de Weiden 91, noch eine Chronik erhalten.

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