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Porträt : Birte Giesel haucht dem Sams Leben ein

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Der „Theater-Virus“ sprang bei Birte Giesel über, als sie in der Abschlussklasse der Grundschule Altgemeinde bei einem Stück mitwirkte.

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erstellt am 02.Aug.2017 | 16:20 Uhr

Ein feuerroter Schopf und das Gesicht mit blauen Wunschpunkten übersät. Die Schauspielerin Birte Giesel hat als dickes, freches Wesen bereits bei zwei Sams-Weihnachtsmärchen des Theaters Schenefeld brilliert. Doch auch in vielen weiteren Hauptrollen überzeugte sie – beispielsweise bei „Candlelight und Liebestöter“. „Auf der Bühne zu stehen, macht mich glücklich“, erläutert die Amateurschauspielerin. Sie war sich darüber hinaus auch für Nebenrollen – wie als verliebtes Schaf bei „Frau Holle“ – nicht zu schade. Die 49-Jährige agiert schon seit 1985 als Vollblutschauspielerin beim Theater Schenefeld.

Der „Theater-Virus“ sprang bei Birte Giesel über, als sie in der Abschlussklasse der Grundschule Altgemeinde bei einem Stück mitwirkte. „Ich stand dort allein bei einem Ein-Kind-Stück als Flohzirkus-Direktor auf der Bühne“, erinnert sich die Schenefelderin. Sie habe dort erstmals gemerkt, dass sie das Publikum fesseln konnte. „Ich habe eine gewisse Macht verspürt, Menschen auf eine positive Art in meinen Bann zu ziehen“, erläutert sie.

Giesel bezeichnet sich als „Freund von kleinen Gesten“. Die Schauspielerin nutzt derartige Ausdrucksformen, um ihre Rollen auf kunstvolle Weise zu komplettieren. „Bei unseren Aufführungen erkennen sich die Menschen selbst und sehen sich in lustigen Szenen wieder“, sagt sie.

Giesel agiert jedoch nicht nur als Schauspielerin sondern führte schon häufig Regie, wie beim von Publikum und Presse hochgelobten Stück „Rain Man“ mit Klaus-Peter Fischer und Gerrit Meyer-Haack in den Hauptrollen. „Das Stück war mein Baby“, erläutert die jugendlich wirkende Giesel. Sie wollte den Klassiker „Rain Man“ damals unbedingt aufführen. „Einige waren damals der Meinung, dass das Stück eine Nummer zu groß für uns ist“, erinnert sich die Schenefelderin. Doch sie habe an ihrem Ziel festgehalten und sich durchgesetzt.

Die Mutter von zwei Kindern ist ein Theater-Mimin. Sie lernt ihre Texte häufig während der Proben. „Bei der Theaterarbeit gibt es unterschiedliche Schauspieltypen“, weiß Giesel. Der eine Darsteller beherrsche seinen Text bereits im Vorwege perfekt, habe die Rolle zuhause einstudiert. Bei anderen Darstellern habe man das Gefühl, der Betreffende habe seinen Text „erst bei der Generalprobe im Griff“. Giesel bezeichnet das Theater Schenefeld als „ihre Familie“. Der Spaß und die gemeinsam verbrachte Zeit schweißten die Truppe zusammen. Dazu gehörten Unternehmungen wie die Reise nach Helgoland. Klaus Maria Brandauer und Al Pacino bezeichnet die Schenefelderin als ihre Lieblingsschauspieler. Sie alle hätten eine „starke Präsenz, wenn sie ihre Rollen spielten“. Hinzu käme deren fantastische Aura. Sie sorge dafür, dass „selbst ihre schlechten Filme sehenswert sind“.
Wenn Giesel für ihre Stücke probt, bringt sie sich mit voller Leidenschaft ein. „Ich versuche immer, das Beste rauszuholen“, sagt sie. Die Amateurschauspielerin ist „nie mit dem zufrieden, was sie abliefert“, meine zumeist, es ginge „noch besser“.

Als Sams glänzte Giesel bereits.
Als Sams glänzte Giesel bereits. Foto: Frauke Heiderhoff
 

Sie bedauert manchmal, nicht den Beruf der Schauspielerin gewählt zu haben. Selbstkritik und auch die Unsicherheiten, die der Beruf so mit sich bringt, hätten sie abgehalten, diesen Weg zu beschreiten. Birte Giesel gibt ihre langjährige schauspielerische Erfahrung vor allem in ihrer Funktion als Regisseurin weiter. „Es ist wichtig, dass die Schauspieler ihre Rollen authentisch spielen“, sagt sie.

Giesel freut sich, dass die Stadt voll hinter dem Theater Schenefeld steht. Das ist auch kein Wunder, bescheinigen der Schauspielerin doch viele Fans, „besser als die Profis“ zu spielen. Was die Zukunft betrifft, hat die hauptberufliche Angestellte der Seniorenresidenz Rüpcke zwei Träume: Sie würde gerne die Musicals „Biene Maja“ und „Urmel“ aufführen. Es reizt sie darüber hinaus, das bitterböse französische Stück „Der Vorname“ aufzuführen. Dieses zeichne sich in erster Linie durch einen besonders feinen Humor aus.

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