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WG-Besuch in Schenefeld : Betreutes Wohnen: Nur so viel Hilfe wie nötig

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Die Ambulanten Dienste der Lebenshilfe betreuen zurzeit 43 Menschen mit Behinderung in Schenefeld und Hamburg.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2014 | 00:00 Uhr

Schenefeld | Ein Doppelhaus an der Hauptstraße. In Nummer C wohnen Florian Seller (28) und Björn Koch (22), oben im ersten Stock. Björn ist gerade von der Arbeit nach Hause gekommen. Er sitzt mit Florian in der Küche. Eine ganz normale WG. Ja und Nein. Die beiden jungen Männer sind geistig behindert, werden von der Lebenshilfe Schenefeld ambulant betreut – stundenweise. „Manchmal brauche ich Hilfe“, sagt der 28-Jährige. „Ich bin vergesslich. Manchmal vergesse ich das Staubsaugen.“ Er lacht.

43 Menschen mit Behinderung werden zurzeit von 17 pädagogischen Lebenshilfe-Mitarbeitern in Schenefeld und Hamburg betreut. „Sie stehen alle im Berufsleben“, sagt Anett Hoffmann-Grudzinski. Sie leitet die ambulanten Dienste. Hilfe, aber nur so viel wie nötig. Die behinderten Menschen sollen im Rahmen der Eingliederungshilfe selbstständig leben „Es gibt individuelle Hilfepläne. Zwei bis dreimal pro Woche sind die Betreuer für mehrere Stunden vor Ort“, sagt die 51-Jährige.

Den Alltag strukturieren. Freizeit gestalten. Mobilität ermöglichen. Finanzen regeln. Mit Behörden reden. Konfliktsituationen lösen. Unterstützung gibt es in ganz unterschiedlichen Bereichen. Björn und Florian versorgen sich in ihrer Wohngemeinschaft selbst. Freitags geht es rüber zum Aldi-Markt – einkaufen. Das schafft Florian inzwischen allein. Anfangs hat ihn sein Betreuer noch begleitet, Hilfestellung geleistet. Das braucht er nicht mehr. Auch das Kochen übernehmen die Hausbewohner in Eigenregie. Björn mag Spaghetti. Mit Florian hat Hoffmann-Grudzinski sogar gemeinsam ein Kochbuch geschrieben – mit einfachen, leckeren und günstigen Rezepten.

Die beiden jungen Männer arbeiten beide auf dem Schäferhof in Appen. Björn im Bereich Gala-Bau, Florian bei den Pferden. Während Florian mit dem Bus nach Appen kommt, nimmt Björn täglich das Fahrrad – bei Wind und Wetter. „Ich brauche nur 30 Minuten“, berichtet er nicht ohne Stolz. Der 22-Jährige schafft auch das inzwischen ganz allein.

Koch und Seller – fast schon Paradebeispiele für das ambulante Betreuungskonzept. Sellers Hilfeplan konnte von einst 27 Stunden auf heute 20 Stunden reduziert werden. „Früher wurden beide rund um die Uhr betreut“, sagt Hoffmann-Grudzinski. Wichtig: Alle Betreuten haben eine feste Bezugsperson – bei deren Auswahl sie ein gewichtiges Wort mitreden. „Zwei Pädagogen stellen sich vor. Der Betreute entscheidet, wer ihn betreuen soll.“ Ihr Kollege Henryk Bielinski verweist auf die Wohnformen, die die Lebenshilfe anbietet. „Das ist auch ein Stück Inklusion, wenn das Haus, in dem behinderte Menschen leben mitten in der Siedlung steht und es viele Nachbarschaftskontakte gibt.“ Eigenständig aber nicht allein: Hoffmann-Grudzinski möchte den Eltern von behinderten Menschen die Angst nehmen, dass ihre Kinder den Sprung in ein weitgehend selbstbestimmtes Leben nicht schaffen könnten. „Wir sind da. Wir helfen. Die Eltern müssen loslassen.“ Loslassen können. Ganz genau wie Eltern von Kindern ohne Behinderung.

Die Lebenshilfe Schenefeld bietet in Schenefeld und im Hamburger Westen verschiedene Wohnformen für Menschen mit Behinderung an. Sie können in Appartements, Wohngemeinschaften und  in Einzelwohnungen leben und werden je nach Hilfeplan von pädagogischen Mitarbeitern betreut. Wer Fragen zu den ambulanten Diensten der Lebenshilfe hat, wendet sich unter der Nummer 040/8304044 an Anett Hoffmann-Grudzinski.
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