Schenefeld : Bauexperte versus Theatermann

Streitgespräch unter Freunden: Ex-Bauamtschef Hartwig  Hüllen (links) und Theatermann Dietrich Osten haben sich noch einmal die alten Baupläne für das Forum herausgesucht.
Streitgespräch unter Freunden: Ex-Bauamtschef Hartwig Hüllen (links) und Theatermann Dietrich Osten haben sich noch einmal die alten Baupläne für das Forum herausgesucht.

Für Hartwig Hüllen ist das Forum ein bisschen zu viel Theater – für Dietrich Osten ein bisschen zu viel Schule.

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27. November 2013, 12:00 Uhr

Hartwig Hüllen und Dietrich Osten sind Parteifreunde. Gemeinsam engagieren sie sich in der OfS für ihre Stadt. Doch beim Thema Forum hört die Gemeinsamkeit ein Stück weit auf. Da treffen Welten aufeinander. Da trifft der Bauexperte auf den Theatermacher.

Beide sitzen vor den alten Bauplänen des 2006 eingeweihten Forums. „An diesem Gebäude bin ich gescheitert“, sagt Hüllen unumwunden. Er war verantwortlich. Er war von 1997 bis 2007 Schenefelds Bauamtschef. „Wir sollten eine Aula für die Schule bauen. Mit einer Bühne, um den Saal multifunktional nutzen zu können“, erinnert sich der heute 70-Jährige an seinen Auftrag von damals. „Doch dann lief alles aus dem Ruder.“

Osten schaltet sich ein. „Daran waren die Theatermacher nicht unschuldig. Es wurden immer neue Ideen präsentiert.“ Die Richtung war laut Osten klar. Mehr Theater, weniger Aula.

Neben Politik und Verwaltung agierte nun auch der 1996 von Lehrern und Eltern gegründete Förderverein Forum. Eigene Architekten wurden eingeschaltet, eigene Entwürfe präsentiert. Viel Geld gesammelt. Mittendrin: Hüllen, der Bauingenieur und Architekt. „Was bauen wir eigentlich? Dieser Konflikt war nicht zu lösen, das Projekt irgendwann nicht mehr steuerbar“, erinnert sich Hüllen.

2,8 Millionen Euro hat der Bau inklusive Technik am Ende gekostet. „Viel mehr als geplant“, betont Hüllen. Wenn er das Forum heute betritt, dann sieht er ein bisschen zu viel Theater. Osten lacht. Er sieht ein bisschen zu viel Aula. „Für ein richtiges Theater fehlen 25 Prozent, entscheidende Prozente“, sagt der 75-Jährige. Es gibt keine Drehbühne. Es gibt keine Hinterbühne. Der Orchestergraben ist klein, kaum zugänglich. Viele Produktionen könnten in Schenefeld gar nicht auf die Bühne gebracht werden. Theater oder Aula? „Es ist und bleibt ein Zwitter“, sagt Hüllen. Osten nickt. Da sind die beiden sich wieder einig. „Aber ein toller Saal für die Schule und eine Perle für die Stadt“, sagt Osten. Diesmal nickt Hüllen.

Die vom Förderverein Forum vorgestellten Pläne zum weiteren Umbau des Gebäudes – unter anderem mit einem großzügigen Foyer – finden in der Politik keine Unterstützung (wir berichteten). Auch nicht bei Hüllen dem Bauexperten und Osten, dessen Herz fürs Theater schlägt. Es würde neue Konflikte geben: Mit der Schule, die Räume verlieren würde. Mit den Anwohnern, die ganz dicht an einem möglichen Schulanbau wohnen würden. Hüllen und Osten: Das Forum lässt ihnen weiter keine Ruhe.

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