zur Navigation springen
Schenefelder Tageblatt

14. Dezember 2017 | 09:21 Uhr

Babysitter: Jetzt kommen die Jungs

vom

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Schenefeld | Welches Grünzeug sollte sich ein Kleinkind lieber nicht in den Mund stopfen? Den Babysitter-Lehrlingen fällt eine Menge ein: "Löwenzahn", ruft einer, "Marihuana", ein anderer. Ein dritter versucht, das Problem auf andere Weise zu lösen: "Kann man nicht einfach sagen, das Kind soll überhaupt keine Pflanzen essen?" Nein, so einfach ist das leider nicht, weiß Kinderkrankenschwester Sonja Göring: "Kinder stecken alles in den Mund. Manche essen sogar Sand!" "Idioten", murmelt da jemand im Publikum.

Aber böse gemeint ist das nicht. Denn die elf Jungs zwischen 13 und 15 Jahren sind freiwillig hier im Babysitterkursus im JUKS. Acht Stunden dauert der Lehrgang, auf dem Programm stehen Themen wie "Rechte und Pflichte eines Babysitters" und "Wie verhalte ich mich den Eltern gegenüber?"

Warum verbringen die Jungen einen ganzen Tag damit, Fingerspiele zu üben und Babypuppen zu windeln, statt sich draußen auf dem Fußfallfeld die Knie aufzuschlagen? Teilnehmer Joannis (13) zögert nicht mit der Antwort: "Weil ich kleine Kinder mag."

"Die wollten das unbedingt machen", berichtet Göring zufrieden. Sie gibt regelmäßig Babysitterkurse, normalerweise an der Familienbildungsstätte Pinneberg. Noch nie zuvor stand sie jedoch vor einer reinen Jungengruppe. "Jungs haben eine Hemmschwelle", hat sie beobachtet. Den Jungenkursus hält sie deshalb für eine gute Idee: "Das ist etwas anderes, als wenn ein Junge zwischen zwölf Mädchen steht." Aus Erfahrung weiß sie: "Babysitten ist eine Mädchendomäne." Einerseits würden Mädchen öfter gefragt, auf Kinder aufzupassen, andererseits falle ihnen die Arbeit tatsächlich oft leichter. "Weil sie nicht solche Hemmungen vor Singen, Puppen und Ähnlichem haben", erläutert Göring

JUKS-Sozialarbeiter Jörg Wilcke hat den Lehrgang gemeinsam mit der Schenefelder Gleichstellungsbeauftragten Ute Stöwing organisiert. Als Mann kann er "gut verstehen", dass Jungen bei klassischen Mädchenthemen wie Kinderpflege gewisse Hemmungen haben. "Aber", fügt er hinzu, "ich war ganz gerührt, zu sehen, wie sorgsam und liebevoll die Jungs mit der Puppe umgegangen sind." Kein einziger "Chauvi-Spruch" sei gefallen.

Zum Abschluss des Kurses haben die elf Babysitter-Lehrlinge ein "Babysitter-Zertifikat" erhalten; zudem wurden ihre Personalien in eine "Babysitterkartei" der Familieneinrichtungen in Pinneberg und Wedel eingetragen, so dass sie nun an Interessierte vermittelt werden können. Ihrer neuen Karriere steht damit nichts mehr im Wege.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen