Viel Lärm um gar nichts? : Anwohner in Schenefeld kämpfen gegen Lärmbelästigung

Weniger Lärm: Das Ziel kann auch durch eine Geschwindigkeitsreduzierung im Straßenverkehr errreicht werden.
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Weniger Lärm: Das Ziel kann auch durch eine Geschwindigkeitsreduzierung im Straßenverkehr errreicht werden.

Polizeidirektion lehnt Geschwindigkeitsreduzierung für weniger Krach als unverhältnismäßig ab: Die Überwachung einer Tempo 30-Zone sei nicht leistbar.

shz.de von
14. Juli 2015, 10:02 Uhr

Schenefeld | Tempo runter. Lärmbelästigung runter: Schenefelds einfache Formel, um den geplagten Bürgern in der Stadt zu helfen, stößt nicht überall auf Unterstützung. Gegen Tempo 30 auf Teilabschnitten beispielsweise der Blankeneser Chaussee und der Hauptstraße spricht sich jetzt in einer Stellungnahme die Polizeidirektion Bad Segeberg aus. Die Geschwindigkeitsreduzierung sei wegen „mangelnder Verhältnismäßigkeit und Zweckmäßigkeit nach Ansicht der Polizeidirektion nicht vertretbar“. Ein Argument der Polizei: Geschwindigkeitsbeschränkungen erfordern wegen mangelnder Akzeptanz einen hohen Überwachungsaufwand, der zurzeit nicht leistbar wäre.

Für Schenefelds Politik schlichtweg nicht nachvollziehbar: „Das ist doch die Bankrotterklärung der Polizei“, wetterte CDU-Ratsherr Holm Becker im Stadtentwicklungsausschuss. Und auch Grünen-Fraktionschef Mathias Schmitz schüttelte ungläubig seinen Kopf. „Es gibt technische Überwachungsmöglichkeiten. Man muss es nur wollen.“

Seit Jahren schlägt sich Schenefeld mit der von der EU verordneten Lärmaktionsplanung herum. Im Lärmaktionsplan wurden die Blankeneser Chaussee (Nord und Süd), die Halstenbeker Chaussee, die Hauptstraße, der Osterbrooksweg, die Altonaer Chaussee, der Kiebitzweg und die Lornsenstraße als Lärmbrennpunkte identifiziert. Entlang dieser Straßen befinden sich laut Lärmkontor Hamburg 2332 Wohnungen. 2020 Schenefelder sind demnach tagsüber von Lärmpegeln von mehr als 55 Dezibel betroffen. Die Stadt möchte handeln, doch bis jetzt waren die Widerstände zu groß.

Von Tempo 30 auf Hauptstraßen möchten auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein nichts wissen. Die Verantwortlichen fürchten Zeitverluste im Liniennetz, die sich bis nach Hamburg auswirken können. Zur Kompensation wäre unter Umständen ein zusätzlicher Bus samt Personal einzusetzen.

Schenefelds Politik hat so ganz langsam die Faxen dicke. Der ausgearbeitete Plan – inklusive Tempo-30-Vorstoß – soll an die EU gemeldet werden. Ob es am Ende was bringt, bleibt fraglich. Die Politiker fürchten vor allem einen Satz: Viel Lärm um gar nichts.

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