Kreisverwaltung droht mit Bußgeld : Alte Pferde sollen von Schenefelder Weide wegziehen

Der 34-jährige Fellini fühlt sich bei Silke Reimer wohl und kann in Ruhe seinen Lebensabend verbringen.
Der 34-jährige Fellini fühlt sich bei Silke Reimer wohl und kann in Ruhe seinen Lebensabend verbringen.

Silke Reimer kümmert sich um alte und erkrankte Pferde. Bis zum 2. August soll sie mit den Tieren die Weide verlassen.

shz.de von
30. Juli 2018, 12:00 Uhr

Schenefeld | Zärtlich krault Silke Reimer Fellinis Mähne. Der 34-jährige Hengst entspannt sich sichtlich auf der von ihr gepachteten Weide und genießt die Zuwendung. Seit über 30 Jahren sind die beiden miteinander vertraut. Reimer möchte dem Pferd einen schönen Lebensabend bereiten. Doch jetzt steht dem Pferd im hohen Seniorenalter ein Umzug bevor. Denn: Die Kreisverwaltung hat einen Bescheid geschickt, in dem Reimer aufgefordert wird, die Pferde von der Landfläche in Schenefeld zu entfernen. Ansonsten drohe ein Bußgeld im vierstelligen Bereich. Der Grund: Die gepachtete Fläche befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet. Dort dürfen nur landwirtschaftliche Betriebe angesiedelt sein. Pferdehaltung zählt nicht zur Landwirtschaft.

Verzweifelt und ratlos

„Dreieinhalb Jahre haben wir hier eine wunderschöne Zeit verbracht“, sagt die Hamburgerin. Verzweifelt und ratlos ist sie – und wütend. „Ich muss die Pferde doch irgendwo unterstellen.“ Fellini steht zurzeit allein auf der großen wiese, die Reimer mit Unterstand, Spielzeug und mehreren Trinkmöglichkeiten ausgestattet hat – ganz auf die Bedürfnisse des betagten Vierbeiners abgestimmt. Die Stute Prima Donna ist schon umgezogen. „Sie steht übergangsweise in Wismar“, erklärt Reimer. Die Tiere in dieser Notsituation wegzugeben würde der engagierten Frau nicht im Traum einfallen.

Die Stute Donna muss aufgrund ihrer Erkrankung ein Huf-Bad in Eimern mit Eiswasser nehmen. Helferin Gesa kümmert sich liebevoll um das erkrankte Pferd.
Silke Reimer

Die Stute Donna muss aufgrund ihrer Erkrankung ein Huf-Bad in Eimern mit Eiswasser nehmen. Helferin Gesa kümmert sich liebevoll um das erkrankte Pferd.

 

Seit 45 Jahren arbeitet die Hamburgerin mit Pferden. „Ich bin im Sport geritten, habe gezüchtet“, erklärt sie. Vor 25 Jahren dann kam der Wunsch, alten und erkrankten Pferden eine Unterkunft zu geben. Ihre erste Zuchtstute wurde alt. „Der Keim einer Idee entwickelte sich“, erklärt Reimer mit einem Lächeln. Der Traum einer Seniorenresidenz für Pferde nahm Gestalt an. Den ersten Stall zu diesen Zwecken eröffnete sie in Rissen. Dort standen insgesamt acht Pferde. Fünf eigene und drei dort unter gestellte. „Die gewöhnlichen Reitställe sind nun mal nicht auf alte Pferde ausgelegt. Sie können den Bedürfnissen gar nicht gerecht werden, das ist eine riesige Aufgabe“, erklärt sie. Von Rissen zog sie dann mit den Pferden nach Pinneberg Waldenau. Reimer dazu: „Dort haben wir uns eingerichtet. Einen Brunnen haben wir bohren lassen, eine Teilfläche wurde befestigt, damit die Pferde im Winter nicht im Matsch stehen müssen.“ Das Land wurde verkauft, Reimer musste wieder umziehen. Irgendwann landete sie in Schenefeld. „Auch hier haben wir einen Brunnen bohren lassen und im hinteren Teil das Gelände aufgeschüttet.“

Zumutung für Tier und Mensch

Dass sie jetzt wieder nach einer geeigneten Fläche oder einem Stall suchen muss, bereitet Reimer Kopfschmerzen. „Mit dem Umzug wird Tieren und Menschen viel zugemutet“, sagt sie. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Der „alte Baum“ ist Fellini. Auf einem Anhänger zu fahren fällt ihm nicht mehr leicht. Für einen Umzug ist das aber unerlässlich.

Auf Nachfrage von shz.de konnte Kreispressesprecher Oliver Carstens keine näheren Auskünfte geben. „Ich kann nur bestätigen, dass die Fläche landwirtschaftlich genutzt werden muss“, sagt er. Das hatte Reimer sogar vor: „Eine Streuobstwiese und einen Klostergarten wollten wir anlegen, dann hätten wir bleiben können.“ Doch das wollte der Besitzer der Landfläche nicht. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu gehen“, sagt die Pferdeliebhaberin.

Wer helfen kann, hat die Möglichkeit, Silke Reimer zu kontaktieren. Sie ist erreichbar unter Telefon (01 63) 6 36 26 65.

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