Der Weg zum „TV-Star“ : Alles begann in einem Wohnzimmer in Schenefeld

Die Schenefelderin Hanna-Maria Engel (l.) und die Hamburgerin Ingrid Hüffel arbeiten seit 25 Jahren zusammen.
Die Schenefelderin Hanna-Maria Engel (l.) und die Hamburgerin Ingrid Hüffel arbeiten seit 25 Jahren zusammen.

Im Wohnzimmer von Hanna-Maria Engel ist Ingrid Hüffel zum „TV-Star“ geworden. Sie hat sogar im „Polizeiruf 110“ mitgespielt.

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06. Mai 2015, 12:15 Uhr

Schenefeld | Schauspielerin: Ingrid Hüffel hat sich ihren Lebenstraum erfüllt. Die Hamburgerin stand auf der Bühne im Thalia-Theater und vor der Fernsehkamera. „Meine Sehnsucht nach dem Schauspiel war groß“, sagt die 79-Jährige. Ihr Traum nahm in Schenefeld Gestalt an, im Wohnzimmer von Hanna-Maria Engel. Jeden Mittwoch um 16 Uhr beginnt der Unterricht – seit 25 Jahren. „Das Poetische ist in der Seele der Menschen angeboren“, zitiert Engel Fontane, einen ihrer absoluten Lieblingsautoren.

Engel, die Schauspielerin und Vorleserin, hat früh erkannt, dass ihre Schülerin etwas Besonderes auszeichnet, das über die reine Vermittlung des Handwerks hinausgeht. Die Lebendigkeit beim Vortagen, die unterschiedlichen Schattierungen in den Rollen, die Leidenschaft für das Schauspiel.

1989 lernten sich die beiden Damen in Schenefeld kennen, natürlich im „Atelier Engel“, damals ein Kulturtreffpunkt, der aus Hamburg und dem ganzen Kreis Pinneberg die Kulturfans nach Schenefeld lockte. Im Zentrum: Hanna-Maria Engel. Bei dieser Frau wollte Hüffel lernen – unbedingt. Sie lernt bis zum heutigen Tage, ist Stammgast im „Atelier“, saugt die Kultur in sich auf. „Das ist meine Nahrung“, sagt Hüffel.

Im engelschen Wohnzimmer wurde Hüffel auf ihre „großen Rollen“ vorbereitet. Sie hat 1998 im „Polizeiruf 110“ mitgespielt, produziert vom NDR. Regie führte Hans-Erich Viet. Ein Höhepunkt im Schauspielleben der Hamburgerin. Zwischen 1992 und 2002 stand sie bei zehn TV-Produktionen vor der Kamera – unter anderem als Krankenschwester, Kassiererin an der Kinokasse und als Rezeptionistin. „Pro Drehtag gab es 450 Euro“, erinnert sich Hüffel. Im Jahr 2000 spielte sie wieder im „Polizeiruf 110“ mit dem Titel „Die Macht und ihr Preis.“ „Ich hatte einen Dialog mit dem Kommissar.“ Hüffel denkt mit ein bisschen Wehmut und ganz viel Glückseligkeit an diese Zeit zurück. Morgen feiert die vierfache Mutter ihren 80.  Geburtstag.

Hüffel hat gespielt, auch unter den strengen Augen von Engel, die sich das Ergebnis vor dem heimischen Fernseher ansah. Der Mittwoch im Wohnzimmer: Das ist harte Arbeit. Manchmal haben sich die beiden Damen gezofft, dass es krachte und sich am Ende doch immer wieder zusammengerauft. „Ich kann mir meine Geduld nicht erklären“, sagt Engel. Heute kann die 77-Jährige darüber lachen. Von „Neidgefühlen frei“ hat sie die Karriere ihrer Schülerin begleitet. Eine besondere, fast symbiotische Beziehung, keine Frage. Auch heute noch siezen sich die beiden Damen – und sind doch freundschaftlich miteinander verbunden, auch im christlichen Glauben. Hüffel hatte das Talent. Engel hat es in die richtigen Bahnen gelenkt. „Ein Schauspieler muss seine Seele zeigen, muss das Innerste nach Außen bringen“, betont Engel. Die Hamburgerin ist eine gelehrige Schülerin. Die Schenefelderin eine fordernde Lehrerin. Auch heute wird die „Seele wieder trainiert“ und Hüffel wird anschließend „wie ein junges Mädchen aus der Tür spazieren“. Hüffel und Engel: Diese beiden Schauspielerinnen brauchen sich gegenseitig. Sie bleiben auch nach so vielen gemeinsamen Jahren ihren Rollen treu. Auf dem Stuhl im Wohnzimmer sitzt Engel, die Lehrerin. Ihr gegenüber auf dem Sofa Hüffel, die Schülerin. Vorhang auf.

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