Piet Klocke in Schenefeld : Akrobatik mit Worten

Zerstreut, eloquent, urkomisch: Piet Klocke begeisterte das Schenefelder Publikum.
Zerstreut, eloquent, urkomisch: Piet Klocke.

Beim Kabarettabend im Schenefelder Forum-Theater begeistert der "verwirrte Professor" mit seinen zerstreuten Gedanken.

shz.de von
11. November 2013, 12:00 Uhr

Was macht eine Qualle am Wochenende? Vielleicht „schwimmt sie fünf Meter vor dem Ufer mit anderen Quallen synchron, vielleicht erfrischt sie sich mit einem Gläschen Seegras“, vermutet Professor Schmitt-Hindemith alias Kabarettist Piet Klocke. Wie bereits in vorherigen Vorstellungen kreisen die Gedanken des zerstreuten Professors wieder um das Thema Evolution. Lebhaft gestikulierend ahmt er die Bewegungen der einzelnen Lebewesen nach. Kaum habe die Qualle gerade ein bisschen Spaß, rufe die Evolution „Ab an Land“.

Mit seinem neuen Programm „Kann ich hier mal eine Sache zu Ende“ gastierte Piet Klocke im gut besuchten Forum Schenefeld als verwirrter, keinen Satz zu Ende bringender Professor. Nachdem er als Schmitt-Hindemith ein fremdes Buch zerreißt, stellt er sein selbst verfasstes Buch vor. Das eigene Werk kommentierte er „deshalb nicht so kritisch, weil es von ihm selbst stammte“.

Während seines Programms reiht Klocke in bekannter Manier eine abstruse Geschichte an die nächste. Das Publikum belohnte sein neues Programm mit viel Gelächter. Direkt zu Beginn ermahnte er die Zuschauer dann auch bereits mit dem Satz „Das geht alles von ihrer Zeit ab.“

Vorbilder für die Figur des Hindemith waren der Berliner Kabarettist Werner Finck sowie der Schauspieler und Komiker Jürgen von Manger. Während seiner Aufführung ist Klocke auf der Suche nach Wahrheit und Klarheit und stolpert durch die Weltgeschichte, reiht dabei Gedankenblöcke bruchstückhaft aneinander.

So empfand er in der Rolle des Professors das Lied der Taube als „lebensverneinend“: „Wie oft habe ich der Taube zugerufen, dann spring doch endlich und sie hat nicht reagiert.“ Er wunderte sich über den seit einigen Jahren „sehr aufgeblähten“ Vogel und konstatierte: „Einige Leute wissen nicht, dass die Taube sogar Füße hat.“ Schließlich ging er bei seinen Evolutionsbetrachtungen sogar so weit, sich in die Rolle des Taubenweibchens zu versetzen: „Wenn mir ein Tauberich von hinten mit so einer Melodie käme, würde ich mich nicht mal umdrehen.“

Klocke ist der Meister des gebrochenen Wort-Versprechens, bezeichnet sich während seiner Show selbst als „nicht politischen Kabarettisten“. Zahlreiche Besucher zeigten sich von den haarsträubenden bis gewagten Ausführungen des Schauspielers angetan, belohnten das neue Programm mit viel Applaus.

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