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Schenefeld hat keine Angst : 480 Bürger bei Flüchtlings-Infoveranstaltung

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Es kamen so viel Besucher, dass ein Umzug ins Forum nötig war. Die Bürgermeisterin benennt die Standorte für Notunterkünfte.

Schenefeld | Rüber ins Forum: Die Umzugsentscheidung fällt um 18.45 Uhr. Da ist der Bürger- und Kultursaal bereits rappelvoll – und noch immer strömen die Schenefelder in Richtung Schulzentrum. Das Thema Flüchtlinge bewegt die Bürger. Das Informationsbedürfnis ist riesig. Als die Veranstaltung, zu der die Stadt eingeladen hat, am Mittwochabend mit 20 Minuten Verspätung beginnt, drängen sich 480 Bürger im Forum.

Bürgermeisterin Christiane Küchenhof eilt unermüdlich mit dem Mikrofon durch den Saal. Die Fragen wollen gar kein Ende nehmen. Antworten liefern, Transparenz zeigen, die Bürger mitnehmen, Sorgen und Ängste ernst nehmen – und wenn möglich ausräumen: Das ist der Rathauschefin und ihrem Team an diesem Abend wichtig.

Es gelingt. „Hat denn außer mir wirklich niemand Angst vor der Flut der Menschen?“, fragt ein Bürgerin. Ein hundertfaches Nein hallt durch das Forum. Beifall brandet auf, als ein Bürger darauf hinweist, dass nicht die Schenefelder, sondern die Flüchtlinge geschützt werden müssen. Applaus gibt es auch, als sich spontan mehrere Schenefelder melden, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren möchten. Die Stimmung ist gut, sie ist ganz überwiegend pro Flüchtlinge.

Die Sitzplätze reichten sogar im Forum nicht aus. (Foto: Brameshuber)
Die Sitzplätze reichten sogar im Forum nicht aus. (Foto: Brameshuber)
 

Aber es gibt auch einige kritische Stimmen. „Die Flüchtlinge schützen. Ich lache mich tot“, sagt eine Schenefelderin. Auch für diese Äußerung gibt es vereinzelt Beifall. 250 Flüchtlinge leben zurzeit in Schenefeld – und es werden noch mehr kommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten des Abends:

  • Die Standorte
    161 Flüchtlinge konnten bisher dezentral in angemieteten Wohnungen untergebracht werden. Mit dem alten Postgebäude ist die erste zentrale Notunterkunft fast fertig. Ab Anfang Dezember werden im ersten Obergeschoss 75 Flüchtlinge untergebracht. „Diese Menschen werden im Stadtbild auch sichtbar sein“, sagt Küchenhof.
    Am Osterbrooksweg wird die Stadt eine Sammelunterkunft für 230 Menschen bauen. Am Hasselbinnen ist eine Unterkunft geplant – ebenfalls für 230 Menschen. Als weitere Optionen für Quartiere hat die Stadt ein städtisches Grundstück am Wiesengrund und eines an der Blankeneser Chaussee
    ins Auge gefasst – für jeweils 70 Flüchtlinge. Küchenhof betont, dass die Stadt keine Sporthallen nutzen und keine Zeltlager errichten werde.
  • Die Sicherheit
    Küchenhof erklärte, dass für die drei großen Sammelunterkünfte Wachdienste eingerichtet werden sollen. Schenefelds Polizeichef Jan Wittig betont, dass er aufgrund der Flüchtlingssituation keine personelle Verstärkung benötige. „Jeder Jahrmarkt und jedes Schützenfest bedeutet für die Polizei mehr Arbeit als die Flüchtlinge.“ In einer Sammelunterkunft gebe es die gleichen Konflikte wie in jedem Hochhaus. Polizeipräsenz in Flüchtlingsunterkünften ist ab einer Zahl von 500 Flüchtlingen vorgesehen.
  • Die Kosten
    Zusätzliches Personal, Ausgaben für 19    Mietswohnungen und Millioneninvestitionen in Unterkünfte: Die Stadt leistet einen finanziellen Kraftakt. Doch wie hoch die Kosten pro Flüchtling am Ende sein werden, ist laut Ordnungsamtschef Axel Hedergott noch „nicht bezifferbar.“ Es gibt Zuschüsse von Land und Bund. Ein Flüchtling erhält zum Leben monatlich zirka 350 Euro.
  • Die Auswirkungen auf die Infrastruktur
    Laut Hedergott wird die Stadt viel Geld in die Hand nehmen müssen, um weitere Plätze bei den Kitas und in den Schulen zu schaffen. „Zurzeit gibt es aber keinen Druck.“
  • Wie viele Flüchtlinge kann Schenefeld verkraften?
    „So viele, wie wir zugeteilt bekommen“, sagt Küchenhof. Die Stadt kann sich das nicht aussuchen. Die Flüchtlinge werden nach einem festgelegten Schlüssel im Kreis verteilt. Küchenhof: „Wir wissen, dass noch mehr kommen, aber nicht wie viele. Das ist der Blick in die Glaskugel.“ Vor allem auch beim Punkt Familienzusammenführung. 25 Prozent der Flüchtlinge kommen aus Syrien, 17 aus Afghanistan. Der Anteil der Menschen aus den festgelegten sicheren Herkunftsländern ist seit dem Sommer rückläufig. Er beträgt 27 Prozent.
  • Die Integration
    Jeder Flüchtling erhält ein Info-Paket mit einem kleinen Sprachführer, einem Stadtplan und Flyern der wichtigsten Institutionen. Die Stadt bietet Sprachkurse an. Im Juks wird zweimal die Woche ein Willkommenscafé angeboten. Der „Glücksgriff“ spendet Kleidung und Geld. Die Rotarier Geld. Blau-Weiß 96 bietet Sportkurse an. Die Tafel sorgt für die Verpflegung. Die Kirchen helfen genauso wie Privatpersonen, die sich engagieren. Die Stadt hat eine Migrationsbeauftragte eingestellt, die die Arbeit koordiniert.
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erstellt am 13.Nov.2015 | 13:00 Uhr

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