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Hanerau-Hademarschen Werke einer ungewöhnlichen Frau

Von Redaktion shz.de | 09.10.2015, 02:00 Uhr

Eine Ausstellung auf Gut Hanerau zeigt Bilder von Irmgard Nieper-Wachs. Die Künstlerin lebte einige Zeit in dem Dorf sowie auf dem Batz in Thaden und betätigte sich nicht nur als Malerin, sondern auch als Erfinderin.

Die Malerin Irmgard Nieper-Wachs war eine ungewöhnliche Frau und prägnante Erscheinung. „Ihre Bilder zeigten ein Können, das keine Ausbildung gebraucht hat“, lautet eine Beschreibung – und doch kennt kaum einer ihre Werke. Mit einer Ausstellung in der Alten Scheune auf Gut Hanerau in Hanerau-Hademarschen möchte die Enkelin von Irmgard Nieper-Wachs, Marie-Elisabeth von Ketelhodt, an die Künstlerin erinnern und deren Bilder öffentlich machen. Gleichzeitig möchte sie das Erbe ihrer Großmutter bewahren, denn die legte zu ihren Lebzeiten keinen großen Wert auf öffentliche Präsenz oder den Verkauf ihrer Bilder, die unter anderem in ihrem Atelier auf dem Batz in Thaden entstanden. Dort lebte sie von 1934 bis 1963. Bereits zuvor verbrachte sie einige Jahre an der Seite ihres Mannes und Landrates Otto Wachs auf Gut Hanerau von 1918 bis 1925.

„Ihre Bilder waren wie ihre Kinder, sie trennte sich nur ungern von ihnen“, erzählte von Ketelhodt bei der Ausstellungseröffnung. In der Familie seien noch Werke zu finden gewesen, ebenso an einigen Orten, wo die Malerin lebte, unter anderem in Kiel. Auch in Hanerau-Hademarschen vermutet sie noch einige Bilder. Viele der Dorfbewohner kannten Nieper-Wachs noch aus ihrer Zeit in Thaden. „Sie war ein Original. Wenn sie mit Rad und ihrem wallenden grauen Haar unter ihrem Hut durch das Dorf fuhr, fiel sie sofort auf“, erinnerte sich Gutsherrin Christiane Niemöller. „Mutter Wachs“ sorgte mit ihren Eigenarten und Verrücktheiten immer wieder für heitere Geschichten im Dorf, die bis heute noch erzählt werden.

„Meine Großmutter versuchte vor gut hundert Jahren ein zu Leben führen, wie es heute für Frauen selbstverständlich ist: emanzipiert und selbstbestimmt. Das machte sie so besonders“, erzählte von Ketelhodt. Denn seinerzeit sei es Frauen nicht möglich gewesen, das Malen zu erlernen, sich künstlerisch auszudrücken oder sich selbst zu verwirklichen.

Schon als Kind habe Irmgard Nieper-Wachs gern gemalt und gezeichnet. Ihre Familie sei sehr offen für Kunst, Literatur und Musik gewesen und ermöglichte es ihr, 1902 eine Ausbildung unter anderem an einer Londoner Kunstschule zu absolvieren.

Anfänglich waren ihre Bilder noch sehr gegenständlich und impressionistisch. Doch schon früh zeigten sie erste expressionistische Züge, die im Laufe der Jahrzehnte zunehmend abstrakter wurden. Ihre bevorzugten Motive waren Porträts von Menschen, die immer das dahinterstehende Wesen zeigten, Landschaften sowie die Natur, „die bei ihr nie nur der Hintergrund, sondern aus sich heraus belebend waren“, erläuterte Enkelin von Ketelhodt. Auch das war Irmgard Nieper-Wachs: Sie meldete 1934 ein Patent für eine elektrische Positionslaterne für Faltboote oder ähnliche kleine Wasserfahrzeuge an. Sie fuhr alleine in einem Paddelboot von Saarbrücken nach Kiel und lebte von dem, was sie in der Natur fand. Während ihrer Zeit auf dem Batz fuhr sie im Winter auf Skiern nach Kiel und zurück. Gingen die Skier kaputt, ging sie zu Fuß weiter. Den Unfalltod ihres Sohnes Roland, der sie als Marinesoldat im Deutschen Reich in Kiel besuchte und auf der Heimfahrt mit dem Motorrad verunglückte, verarbeitete sie, indem sie sich für drei Monate mit einem Zelt in den Wald zurückzog. Auch diese Erlebnisse hielt sie in ihren Bildern fest.

> Ausstellung auf Gut Hanerau noch bis zum 17. Oktober in der Alten Scheune. Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.

VITA