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Rendsburg Weg mit den Winterschäden

Von Detlef Laabs;Iris Jaeger | 20.04.2013, 07:54 Uhr

Fachausschuss des Kreistags empfiehlt 500 000 Euro zusätzlich für die Sanierung von Kreisstraßen und Radwegen

Rund 500 000 Euro will der Kreis für die Beseitigung von Schlaglöchern auf Kreisstraßen und Radwegen kurzfristig und zusätzlich zur Verfügung stellen. Das empfiehlt der Umwelt-, Verkehrs- und Bauausschuss dem Kreistag, der dann am Montag, dem 29. April, das Geld endgültig freigeben soll.

Aufgrund des lang anhaltenden Winters - insbesondere durch wiederholte Frost-Tau-Wechsel - seien auf den Kreisstraßen erhebliche, über das übliche Maß hinausgehende Straßenschäden aufgetreten, heißt es in der Begründung der Verwaltung.

Die Entscheidung des Fachausschusses fiel einmütig, bei einer Enthaltung. Damit wurde ein Schlussstrich unter einen turbulenten politischen Vorgang gezogen, der mit einem überraschenden CDU-Antrag begann, im Konsultationsverfahren die Prüfung durch den Gemeindetag bestehen musste (wir berichteten), um jetzt als einstimmige Empfehlung im Kreistag entschieden zu werden.

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, Niederlassung Rendsburg, hatte in den letzten Wochen Art und Umfang der Schäden ermittelt. Der Landesbetrieb wiederum ließ die für das Kreisgebiet zuständigen fünf Straßenmeistereien die Strecken in Augenschein nehmen. So entstand eine genaue Liste von Straßen und Streckenabschnitten, die für die Sanierung in Frage kommen. Allerdings: Die Kosten summierten sich schnell auf über eine Million Euro. Bei nochmaliger Auslese wurde dann die Summe auf die Hälfte reduziert.

Sollte der Kreistag in seiner Sitzung am 29. April das Geld bereitstellen, werde der Landesbetrieb die Arbeiten ausschreiben, so dass man mit der Auftragsvergabe Ende Juni rechnen könne, erklärte der neue Kreisbauamtsleiter Martin Kruse gestern gegenüber der Landeszeitung. Baubeginn könne bis Mitte Juli sein. "Für diesen Fall rechnen wir mit dem Abschluss der Arbeiten bis Ende September", sagte Kruse.

Martin Kurowski von der Kreisverwaltung erläutert, was es bedeutet, das Kreisstraßennetz zu pflegen: "In Rendsburg-Eckernförde gibt es 501 Kilometer Kreisstraßen, für deren Unterhaltung und Instandsetzung der Landesbetrieb zuständig ist. Dafür stehen jährlich rund zwei Millionen Euro bereit - genau 4140 Euro pro Kilometer. Das Land zahlt 1,7 Millionen Euro, bleiben für den Kreishaushalt 370 000 Euro." Von 2009 bis heute seien die Kosten für die Sanierung der Straßen dramatisch gestiegen. "Waren es im Jahr 2009 knapp 70 000 Euro (Risse und Schlaglöcher), sind es heute knapp 200 000 Euro", berichtet Kurowski.

"Tiefe" Mittelstriche


Verspäteter Aprilscherz? Schildbürgerstreich? Diese Gedanken kamen Bünsdorfs Bürgermeister Jens Kühne als er am vergangenen Montag die Kreisstraße 2 von Bünsdorf aus in Richtung Rendsburg befuhr. Die marode Strecke hat eine Fahrbahnmarkierung erhalten, ohne dass die zum Teil kraterähnlichen Schlaglöcher ausgebessert worden waren. Die frischen Mittelstrich-Markierungen verlaufen sogar zum Teil durch die Löcher und Risse hindurch.

"Anstatt die Schadstellen zu übermalen, hätten sie die Straße erst einmal ausbessern sollen", findet Jens Kühne und kann nur mit dem Kopf schütteln. Schon vor zehn Jahren hätten diese Dinge stattfinden müssen. Jetzt könne man die Fahrbahn nur noch komplett sanieren und das sei teuer. Geld, das der Kreis angesichts der angespannten Haushaltslage wohl lieber sparen möchte, nimmt Kühne an, anders kann er sich die "Mal"-Aktion nicht erklären.

Ihm sei bewusst, dass die Unterhaltung der Kreisstraßen eine Menge Aufwand bedeute, "dennoch denke ich, dass der Kreis hier an der falschen Stelle spart, wenn er seine Straßen so vernachlässigt. Das wirkt sich negativ auf die gesamte Infrastruktur im ländlichen Raum aus. Durch Investitionen in den Erhalt der Straßen würde letztendlich auch der Kreis profitieren".

In einer E-Mail an den Landesbetrieb für Straßenbau Schleswig-Holstein fordert Kühne nun dazu auf, ihm den Sinn der Markierungs-Maßnahme zu erläutern. "Die Sicherheit der Fahrbahn sollte meines Erachtens vorrangig durch die Reparatur der Schadstellen erfolgen - der Mittelstrich ist bei dem Straßenzustand doch völlig nebensächlich", sagt Kühne.

Auch Borgstedts Bürgermeister und Vorsteher des Amts Hüttener Berge, Gero Neidlinger, kann keinen Sinn in dieser Maßnahme erkennen und ist ebenfalls der Meinung, dass hier an der falschen Stelle gespart wird: "Was nützt es uns, wenn der Kreis in einigen Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, wir aber unsere Straßen nicht mehr nutzen können und keiner mehr in die Dörfer ziehen will, weil die Wege dort hin kaputt sind?", fragt der Borgstedter Bürgermeister.