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Lesung in Nortorf Von Ostpreußen nach Wacken

Von sab | 22.03.2014, 12:00 Uhr

Der bekannte Autor Arno Surminski las auf Einladung von „Literatur Live“ im Nortorfer Markushaus.

Das Haar ist inzwischen schneeweiß, doch die Stimme noch immer fest und die Beobachtung nach wie vor genau. Auch im Alter von fast 80 Jahren tourt Arno Surminski durch das Land. Er hat noch viel zu sagen – ob es nun um Vergangenes geht wie die Flucht aus Ostpreußen oder um Zeitgeist-Erscheinungen wie das Wacken-Festival. Am Donnerstag las der Schriftsteller auf Einladung von „Literatur Live“ in Nortorf vor 60 Gästen im Markus-Haus.

Ein bisschen verwundert war er, dass man ihn gebeten hatte, aus „Tod eines Richters“ zu lesen. Dieser Roman aus dem Jahre 2012 unterscheidet sich von seinem übrigen Werk. Aber nur auf den ersten Blick, den der Autor den Gästen gewährte: Wie ein Krimi mutet der Einstieg in das Werk an. Obwohl Surminski ausführlich die Örtlichkeiten schildert, langweilen diese Details niemals.

Es sind diese genauen Schilderungen, die Surminskis Bücher auszeichnen. Auch seinen Erstling. Vor genau vierzig Jahren erschien „Jokehnen – oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“. Es ist – trotz einer beachtlichen Liste von Romanen und Erzählungen – noch immer sein Hauptwerk. Und autobiografisch geprägt, wie er bekennt: Es sind seine Jugend im ostpreußischen Jäglack und seine Flucht nach Schleswig-Holstein.

Wie er einen Verleger fand, beschreibt der Schriftsteller, der seit vielen Jahren in Hamburg lebt, in seinem aktuellen Buch „Jokehnen – oder Die Stimmen der Anderen“. Er inserierte in der Literaturbeilage der „Welt“: „Ungewöhnliches Manuskript über Ostpreußen sucht einen Verleger“. Hoffmann und Campe zeigte Interesse, lehnte dann aber ab, weil „einer der wichtigsten Autoren unseres Hauses“ ebenfalls das Thema Ostpreußen behandelte. Es war Siegfried Lenz, der an „Heimatmuseum“ arbeitete.

Arno Surminski fand einen anderen Verlag und erhielt zahlreiche Leserbriefe. Diese „Anderen“ lässt er jetzt zu Wort kommen. Es sind bewegende Berichte – Begegnungen mit Menschen aus der alten Heimat und neue Bekanntschaften. So kam Kontakt zu einem in Amerika lebenden Russen zustande: Dieser hatte „Jokehnen“ in der Bibliothek des Goethe-Instituts entdeckt. Er hatte Deutsch studiert, las das Buch und war so angetan, dass er es auf eigene Kosten ins Russische übersetzte.

„Noch eine heitere Geschichte, damit Sie beschwingt nach Hause kommen“, las Arno Surminski. „Rosamunde oder Die Schwarzen kommen“ – das ist „Schwer-Metall“ aus der Sicht älterer Wacken-Einwohner, amüsierte das Publikum und bewies die Bandbreite des Schriftstellers, der am 20. August seinen 80. Geburtstag feiert.