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Vereinsgründung Rettungsschirm für die Waldorf-Kita

Von jhf | 07.12.2017, 10:13 Uhr

Eltern und Pädagogen wollen Kindergarten vom insolventen Träger trennen / Sie gründen heute einen Verein, um den Verkauf abzuwenden

Der Kindergarten der Freien Waldorfschule Rendsburg will sich vom insolventen Trägerverein abnabeln. Eltern und Pädagogen haben die Absicht, heute Abend den Verein „Waldorf Kindergarten Rendsburg“ zu gründen, um die Einrichtung in eigener Regie weiterzuführen. Nach ähnlichem Muster bildete sich zum 1. September 2016 der Förderverein der Privatschule Mittelholstein, der die Einrichtung mit Standorten in Rendsburg, Gnutz und Neudorf-Bornstein aus der Insolvenz befreite (wir berichteten).

Der Verein „Waldorfpädagogik in Rendsburg“ stellte am 13. Oktober einen Insolvenzantrag. Er ist Träger der Waldorfschule an der Nobiskrüger Allee im Stadtteil Schleife und des Kindergartens an der Friedrich-Mendelssohn-Straße in Hoheluft. Als Ursache der drohenden Zahlungsunfähigkeit nannte Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber einen demografisch bedingten Rückgang der Schülerzahlen und einen hohen Sanierungsbedarf am Schulgebäude. Der Kindergarten dagegen steht gut da. „Er läuft pädagogisch und betriebswirschaftlich gut“, sagte die Kindergarten-Beiratsvorsitzende Michaela Beersiek der Landeszeitung. Erzieherin Iris Lage betonte: „Unsere Gruppen sind voll. Der Kindergarten ist beliebt.“

Jedoch habe Schmid-Sperber in einem Gespräch einen Verkauf der Einrichtung an einen anderen Träger als eine Möglichkeit zur Lösung der Insolvenz genannt. Diesen Weg wollen Mütter, Väter und Pädagogen unter allen Umständen verhindern. „Wir wollen als Eltern den Kindergarten so weiterführen, wie er jetzt ist – mit den Erziehern, den Kindern und dem Konzept. Wir wollen einen Waldorf-Kindergarten in Rendsburg haben“, sagte Beersiek. Andere Kitas leisteten ebenfalls gute Arbeit, aber Eltern und Pädagogen möchten auf keinen Fall auf das Waldorf-Konzept verzichten. Zu dessen Kernpunkten zählt: „Der Kindergarten ist wie eine große Familie“, erläuterte Erzieherin Simone Scheffer. Die Eltern beteiligen sich in großem Maße am Alltagsleben, zum Beispiel mit Gartenarbeiten und Hilfe bei Festen. Die Kinder bringen ihr Frühstück nicht mit, sondern bereiten es mit den Pädagogen zu. Der Tagesablauf ist rhythmisch gestaltet und folgt Ritualen: einen Morgenkreis bilden, singen, frühstücken, nach Draußen gehen, gemeinsam ins Haus zurückkehren, mit einer Geschichte im Abschlusskreis Abschied nehmen.

„Es ist wichtig, dass es dieses Angebot in Rendsburg gibt. So kann jede Familie den Kindergarten finden, der am besten zu ihr passt“, sagte Mutter Dorothee Stöterau, die die Vereinsgründung maßgeblich vorantrieb. Zwei Elternteile und zwei Pädagogen sollen den Vorstand bilden. Stöterau gewann einen Investor dafür, das Kindergartengebäude zu kaufen. Der Elternverein wird die Räume anmieten, das Inventar erwerben und das Personal einstellen: Fünf Erzieherinnen und fünf sozialpädagogische Assistentinnen. In zwei sogenannten Wiegestuben, die den Krippengruppen anderer Kitas entsprechen, werden insgesamt 20 Kinder unter drei Jahren betreut. Dort sind auch zwei Männer im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) im Einsatz. 66 Elementarkinder besuchen weitere drei Gruppen. Die buchhalterische Verwaltung soll wie bisher ausgelagert bleiben.

Die Mädchen und Jungen feiern heute von 12.30 bis 14 Uhr ein Gründungsfest. Väter, Mütter und Pädagogen wollen den Verein ab 20 Uhr im Kindergarten, Felix-Mendelssohn-Straße 8-12, ins Leben rufen. Interessierte sind willkommen.