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Landgericht Kiel Prozess gegen Rendsburger Finanzamt-Schützen: Lauenroth bittet um Verzeihung

Von shz.de, Dirk Jennert | 10.03.2015, 16:34 Uhr

Seit heute steht Olaf Lauenroth vor Gericht. Die Anklage lautet Mord. shz.de über den Prozess und was bisher geschah.

Der angeklagte Fockbecker Steuerberater Olaf Lauenroth gesteht vor dem Kieler Landgericht: „Ich habe den Mann offensichtlich erschossen“. Das Ganze sei weder geplant gewesen, noch in Arglist geschehen. Überraschend gab er zudem eine persönliche Erklärung ab: Mit zitternden Knien erhob sich der stark gehbehinderte Angeklagte aus seinem Rollstuhl und bat mit brüchiger Stimme seine Frau und die Frau des getöteten Finanzbeamten um Verzeihung.

Die Staatsanwaltschaft wirft Lauenroth heimtückischen Mord vor. Der Steuerberater stritt sich laut Anklage seit längerem mit den Mitarbeitern des Finanzamtes. Er soll geplant haben, sein Opfer am 1. September 2014 in dessen Büro zu erschießen. Der 57 Jahre alte Sachgebietsleiter brach - von drei Kugeln getroffen - zusammen und starb wenig später im Krankenhaus.

An Einzelheiten der Tat will sich Lauenroth nicht erinnern können. Vor der Schwurgerichtskammer des Kieler Landgerichts berief er sich darauf, dass er noch wisse, wie er mit dem Rollstuhl in das Büro seines späteren Opfers hineingefahren sei. Ab diesem Zeitpunkt setze sein Gedächtnis aus, er könne sich nicht erinnern, wie es zu den tödlichen Schüssen auf den Beamten gekommen sei. Seine Erinnerung setze erst wieder ein, als es an der Tür geklopft habe. Er habe den auf dem Boden liegenden Finanzbeamten gesehen und gleichzeitig bemerkt, eine Waffe in der Hand zu halten.

Lauenroth gab außerdem an, dass er die Waffe nicht bewusst mit ins Finanzamt genommen habe. Vielmehr habe er in der Nacht zuvor seine Beretta gereinigt, neu geladen und gesichert, daraufhin in die Hosentasche gesteckt und schließlich vergessen, die Waffe mit sich zu führen. Die Nacht verbrachte er im Rollstuhl. Als er am nächsten Morgen zum Finanzamt fuhr, konnte er sich noch immer nicht an die Waffe in seiner Hosentasche erinnern. Auch dann nicht, als er vor dem Büro seines Opfers in die Hemdtasche griff, um seine Schmerzpillen zu nehmen. In derselben Hemdtasche befanden sich mehrere Patronen.

Auf Nachfrage des Staatsanwaltes fand Lauenroth es zwar selbst merkwürdig, die Patronen dabeizuhaben, dennoch sei es ihm nicht in den Sinn gekommen, die Beretta in der Hosentasche zu haben. Lauenroth berief sich in seiner ersten Vernehmung wiederholt darauf, dass er wegen starker Schmerzen (Morbus bechterew) am Morgen der Tat 20 verschiedene Medikamente eingenommen habe. Auf Nachfrage sagte Lauenroth, dass sein späteres Opfer ihn zwar freundlich begrüßt habe. Dennoch sei er wohl von dem Beamten ausgelacht oder beleidigt worden. Daran könne er sich aber nicht genau erinnern. Wörtlich sagte er: „Es kommt mir so vor, als ob er mich ausgelacht oder beleidigt hat. (...) Jeder Mensch ist nur begrenzt belastbar.“

Lauenroth war ins Finanzamt gefahren, weil der später getötete Finanzbeamte ein „Klimagespräch“ mit ihm führen wollte. B. habe das damit begründet, dass sich Lauenroth gegenüber den Finanzbeamten „laufend beleidigend und unflätig“ verhalten haben soll. „Seit 20 Jahren versuche ich, als schwerbehinderter Steuerberater durchzukommen.“ Die Behörde habe ihn jedoch gegenüber seinen Mandaten schlecht gemacht und diese vergrault. Es habe Repressalien der Behörde gegeben. Er habe die Beleidigungen aus dem Weg räumen wollen, „aber nicht ihn“.

Als belastend dürfte sich ein Schreiben erweisen, das die Polizei nach der Bluttat in Lauenroths Haus gefunden hat. Der Vorsitzende Richter trug das an Lauenroths Frau gerichtete Schreiben vor. Darin heißt es: „Ich habe Dich geliebt, aber ich kann Dir leider nicht mehr weiterhelfen, weil mir meine Mandanten vom Finanzamt abspenstig gemacht werden.“ Er selbst werde wohl das Gefängnis vor seinem Tod nicht verlassen. Der betreffende Beamte sei ein „böser Mensch“. Weiter heißt es: „Ich werde diesem Drama ein Ende setzen“. Allerdings hatte Lauenroth dies in Bezug auf einen Sachbearbeiter des Finanzamtes geschrieben, nicht in Bezug auf sein späteres Opfer. Lauenroth sagte dazu, dass der Brief ein „Muster“ sei, das er in einem geistig angespannten Lage geschrieben habe: „Das ist Blödsinn, was da geschrieben steht.“

shz.de fasst die Ereignisse von damals zusammen:

1. September 2014

Olaf Lauenroth kommt gegen 10 Uhr ins Rendsburger Finanzamt. Der Steuerberater aus Fockbek geht in ein Büro im Erdgeschoss, beginnt ein Gespräch mit dem für ihn zuständigen Sachgebietsleiter. Die beiden Männer sind allein im Raum. Zeugen hören einen lautstarken Streit. Der Angeklagte zieht laut Anklage unvermittelt eine Pistole drückt ab. Mehrere Schüsse fallen. Mitarbeiter des Finanzamts alarmieren die Polizei. Olaf Lauenroth wird noch im Büro des Beamten festgenommen. Nach Angaben seines Verteidigers hatte er noch die Waffe in der Hand.

Das Opfer kommt verletzt mit einem Rettungswagen in die Rendsburger Imland-Klinik. Dort erliegt der 57-jährige Finanzbeamte seinen Verletzungen.

Die Kollegen des Getöteten reagieren geschockt. Sie verlassen kurz nach der Tat das Amtsgebäude. Der Kundenverkehr wird für zwei Tage abgesagt.

Eine Diskussion beginnt, wie Mitarbeiter in Behörden besser geschützt werden können. Einerseits wollen die Behörden den Menschen in unserer demokratischen Gesellschaft offen begegnen. Andererseits gelte es, Risiken zu vermindern, erklärt Finanzministerin Monika Heinold (Grüne), die am Tag der Tat sofort nach Rendsburg eilte.

Rendsburg

Tod im Finanzamt: Steuerberater schoss zwei Mal

Meinung – sh:z, dpa
Bei einer Schießerei im Rendsburger Finanzamt ist am Vormittag ein 58-jähriger Sachgebietsleiter getötet worden. Ein Großaufgebot der Polizei war vor Ort. Der Mann kam verletzt mit einem Rettungswagen in die Rendsburger Imland-Klinik. Dort erlag der Finanzbeamte seinen Verletzungen.

Der mutmaßliche Schütze ist selbstständiger Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – nach Informationen des sh:z handelt es sich um Olaf Lauenroth (55), einen in der Region Rendsburg bekannten Lokalpolitiker, der zuletzt als Bürgermeisterkandidat in Fockbek öffentlich aufgetreten war. Für die FDP sitzt Lauenroth in der Gemeindevertretung des Nachbarortes von Rendsburg.

Die genauen Umstände der Tat, die sich gegen 10 Uhr in einem Dienstzimmer im Erdgeschoss der Behörde abspielte, blieben bis zum Abend unklar. Die Polizei bestätigte lediglich, dass zwei Schüsse fielen. Lauenroth, der gehbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen ist, wurde mit einer Platzwunde am Kopf noch im Finanzamt festgenommen. Er befindet sich in Polizeigewahrsam. Laut Polizei ging den Schüssen ein Streit voraus. Der aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde stammende Sachgebietsleiter habe sich mit dem mutmaßlichen Täter allein im Raum befunden. „Wir gehen nach derzeitigem Stand von einem Mord aus“, sagte Staatsanwalt Axel Bieler. Man wolle das Obduktionsergebnis abwarten und heute Haftbefehl beantragen. Über die Tatwaffe und das Motiv machte er zunächst keine Angaben. Nach Informationen des sh:z ist Lauenroth Jäger und soll im Besitz mehrerer Waffen gewesen sein.

Die Kollegen des Getöteten reagierten geschockt. Sie verließen kurz nach der Tat das Amtsgebäude. Der Kundenverkehr wurde Montag und Dienstag abgesagt. Am Dienstag konnten die Mitarbeiter frei entscheiden, ob sie Zuhause bleiben wollten. Es werde einige Zeit brauchen, bis das Ereignis verarbeitet sei, sagte die Finanzministerin des Landes, Monika Heinold (Grüne). Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) reagierte bestürzt. „Ich bin erschüttert, dass Gewalt in das Leben eines friedlichen Menschen eingebrochen ist. Meine Gedanken sind bei seiner Familie“, erklärte er. Heinold fuhr nach Rendsburg, um sich am Ort des Geschehens zu informieren. Sie wolle sich auch um die Mitarbeiter der Behörde kümmern, sagte ein Sprecher. „Die Betroffenheit ist sehr groß in der Landesregierung.“

Unterdessen wird diskutiert, wie die Mitarbeiter in Behörden besser geschützt werden können. Heinold sagte, dass nach diesem tragischen Vorfall auch über die Sicherheit in Behörden diskutiert werden müsse. Einerseits wollten die Behörden den Menschen in unserer demokratischen Gesellschaft offen begegnen. Andererseits gelte es, Risiken zu vermindern.
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2. September 2014

Das Finanzamt bleibt am Tag nach der Tat geschlossen. Olaf Lauenroth wird in Kiel dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erlässt gegen den 55-Jährigen Haftbefehl wegen Mordes. Dem Steuerberater legt er zur Last, am Montagmorgen den Beamten des Rendsburger Finanzamtes, Wolfgang B., in dessen Büro erschossen zu haben. Lauenroth kommt in Untersuchungshaft in die Justizvollzugsanstalt Lübeck. Dass Lauenroth in der Hansestadt und nicht in Neumünster einsitzt, ist auf seinen Gesundheitszustand zurückzuführen. Lauenroth ist nach einem Unfall zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen. In der JVA Lübeck können auch körperbehinderte Verdächtige und Verurteilte untergebracht werden.

Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass viele Aspekte des Falles auf eine vorsätzliche Tat hindeuten. Eines der Indizien dafür ist ein Brief, den die Polizei bei der Durchsuchung von Lauenroths Wohnhaus in Fockbek entdeckt hat. Das Schreiben ist an seine von ihm getrennt lebende Ehefrau gerichtet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa macht er darin das Finanzamt für seine finanzielle Misere verantwortlich. Er soll drastische Worte gewählt haben.

Außerdem wird bekannt, dass der Angeklagte einen Jagdschein besitzt. Das bestätigt die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde, die 2010 und 2013 routinemäßig seine Eignung zum Besitz von Waffen überprüfte – ohne Beanstandungen. Lauenroth hatte in seinem Waffenschrank eine Pistole der Marke Beretta und sechs Gewehre. Das Opfer im Finanzamt wurde mit Schüssen aus einer Beretta getötet.

Schüsse im Finanzamt

Rendsburger Todesschütze: Ein Querulant mit Waffe

Meinung – Dirk Jennert
In einem blauen Kleinbus der Kripo wird der mutmaßliche Attentäter von Rendsburg, Olaf Lauenroth, am Dienstag ins Kieler Amtsgericht gefahren. Als er den Fotografen bemerkt, hält er sich einen Zettel vors Gesicht. Es folgt ein über eineinhalbstündiger Termin beim zuständigen Haftrichter. Dieser erlässt gegen den 55-Jährigen Haftbefehl wegen Mordes. Dem Steuerberater legt er zur Last, am Montagmorgen den Beamten des Rendsburger Finanzamtes, Wolfgang B., in dessen Büro erschossen zu haben. Wie unsere Zeitung erfährt, wird nicht von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen.

Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass viele Aspekte des Falles auf eine vorsätzliche Tat hindeuten. Eines der Indizien dafür ist ein Brief, den die Polizei bei der Durchsuchung von Lauenroths Wohnhaus in Fockbek entdeckt hat. Das Schreiben ist an seine von ihm getrennt lebende Ehefrau gerichtet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa macht er darin das Finanzamt für seine finanzielle Misere verantwortlich. Er soll drastische Worte gewählt haben. Die Staatsanwaltschaft will sich zum Inhalt des Schreibens nicht äußern.

Dass Lauenroth ausfallend werden kann, weiß man in Fockbek und Rendsburg. Dennoch hätte ihm dort niemand eine Gewalttat zugetraut. Sein polizeiliches Führungszeugnis war bis Dienstag makellos. Dies war eine Voraussetzung für die Erteilung eines Jagdscheines, der zum Führen von Kurz- und Langwaffen berechtigt. Seit 2007 war Lauenroth im Besitz dieses Dokuments. Das bestätigt die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde, die 2010 und 2013 routinemäßig seine Eignung zum Besitz von Waffen überprüfte – ohne Beanstandungen. Lauenroth hatte in seinem Waffenschrank eine Pistole der Marke Beretta und sechs Gewehre. Das Opfer im Finanzamt wurde mit Schüssen aus einer Beretta getötet.

Lauenroth kam zwar bisher nicht mit dem Gesetz in Konflikt, gilt aber als streitlustiger Mensch – und als Einzelgänger. „Schon während der Zeit auf der Herderschule war er ein Außenseiter“, erinnert sich ein damaliger Mitschüler. Fockbeks Bürgermeister Holger Diehr bringt ihn mit Begriffen wie „impulsiv“ und „diskussionsfreudig“ in Verbindung. Andere gehen weniger diplomatisch mit ihm um. Sie bezeichnen Lauenroth als Querulanten, der sich auf lange Sicht mit vielen Menschen angelegt habe.

So war es auch in der Politik. Lauenroth trat als junger Mann der CDU bei. Unionsvertreter aus dem Kreisgebiet bescheinigen ihm, ein „hochintelligenter Mann mit einer sehr raschen Auffassungsgabe“ zu sein. Dennoch überwarf er sich mit seinen Parteifreunden. Nach 30 Jahren trat Lauenroth aus der Partei aus, um seiner „Exmatrikulation“ vorzubeugen, wie er damals unserer Zeitung sagte. Kurz darauf, im Frühjahr 2013, gründete er den FDP-Ortsverband Fockbek und wurde bei der Kommunalwahl im Mai 2013 über die Liste der Liberalen in die Gemeindevertretung gewählt. Bei der nächsten Wahl am 10. November 2013  allerdings scheiterte er: Lauenroth wollte hauptamtlicher Bürgermeister von Fockbek werden. Nur etwas mehr als zwei Prozent der Bürger gaben ihm ihre Stimme.

Die Fotos von Lauenroth aus jüngster Zeit zeigen einen meist angestrengt lächelnden Mann. Eingeweihte berichten, dass er sich bei einem Unfall einen Wirbelbruch zugezogen habe. Zeitweise ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Ganz anders hingegen wirkt er auf den Fotos, die in der Zeit vor seinem Unfall während seiner Auftritte auf der Niederdeutschen Bühne Rendsburg entstanden sind. Darauf wirkt er locker und entspannt und – wenn es die Rolle verlangte – mitreißend fröhlich. Als Laienschauspieler bekam Lauenroth die Anerkennung, die ihm auf der politischen Ebene versagt blieb. „Der hat da eine richtig gute Figur gemacht“, berichtet eine frühere Rezensentin. Seit Dienstag befindet sich Olaf Lauenroth in Untersuchungshaft.
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12. September 2014

Familie und Kollegen nehmen am Freitag in der St.-Martin-Kirche in Nortorf von dem erschossenen Finanzbeamten Abschied. Auch Ministerpräsident Torsten Albig und Finanzministerin Monika Heinold sind unter den 300 Gästen.

Nach Schüssen im Finanzamt

Nortorf: Bewegender Abschied von Wolfgang B.

Meinung – Tilmann Post/dpa
Mit einer bewegenden Trauerfeier hat die Familie des im Dienst erschossenen Finanzbeamten heute Morgen Abschied genommen. Unter den rund 300 Gästen in der Nortorfer St.-Martin-Kirche waren neben vielen Freunden und Kollegen auch Ministerpräsident Torsten Albig und Finanzministerin Monika Heinold.

Vor dem Eingang der neugotischen Backsteinkirche aus dem 19. Jahrhundert waren ein Kranz und ein Blumengesteck aufgestellt. „Danke für Deine Freundschaft“, stand auf einer Schleife. Im Eingangsbereich lagen Kondolenzbücher aus, in die sich die Trauergäste eintrugen.

In seiner Trauerrede sagte Albig über das Opfer: „Er war einer von uns. Er stand an unserer Seite, dass dieses Land gut und gerecht funktioniert.“ Die Tat greife auch die Werte der Gesellschaft an. „Hier geht es auch um uns als Gemeinschaft“, sagte Albig. Vor der Witwe und Angehörigen bekannte der Ministerpräsident, „so gern würde ich Trost spenden, aber mein Blick ist noch zu düster“. Albig warnte davor, Hass und Bitterkeit ins eigene Herz zu lassen. Als Christ wünschte er den Hinterbliebenen Zuversicht auf eine höhere Gerechtigkeit und Hoffnung auf ewiges Leben. Mit gebrochener Stimme beendete er seine Rede mit den Worten: „Sein Land verneigt sich in großer Dankbarkeit und Traurigkeit vor ihm.“

Der 57-jährige Steueroberamtsrat Wolfgang B. aus Groß Vollstedt war am 1. September im Dienst im Finanzamt Rendsburg erschossen worden. Dringend tatverdächtig ist Olaf Lauenroth (55) aus Fockbek. Der als notorischer Querulant bekannte Steuerberater sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Sein Motiv: Er macht das Finanzamt für seine finanzielle Misere verantwortlich.

Furcht und Entsetzen, so Pastorin Babette Lorenzen, habe die sinnlose Tat ausgelöst. „Wohin mit unseren Ängsten, wohin mit unserer Wut?“ Sie appellierte, auf Gott und den Glauben zu vertrauen. Das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ sei keine leere Formel. „Du darfst keinen umbringen, nur weil Dich einer geärgert hat oder jemand im Weg steht.“ Das Leben des Opfers zeichnete die Pastorin nach, eines Mannes, der gründlich und besonnen, akribisch und genau gewesen sei - in der Arbeit und in der Freizeit: „Am Ende musste immer alles 150prozentig sein.“ In seiner geliebten Großfamilie habe er die Rolle als Oberhaupt gefunden. Seine Frau hatte er im Finanzamt kennengelernt, seit 24 Jahren waren sie fest zusammen. Pläne für den Ruhestand hatten sie bereits geschmiedet.

Außerdem richtete der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, das Wort an die Trauergemeinde. Wolfgang B. habe das verkörpert, was die Gewerkschaft zusammenhält: „Steuergerechtigkeit war für ihn nicht nur ein Lippenbekenntnis. Unser Beruf löst in der Gesellschaft immer wieder Wut und Aggression aus, aber Freiwild wollen wir nicht sein“, sagte Eigenthaler. „Es hätte jeden von uns treffen können.“

Die Fahnen der Dienstgebäude der obersten Landesbehörden und des Landtags wehten am Freitag auf halbmast. Wegen der Trauerfeier blieb das Finanzamt in Rendsburg an diesem Tag für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Kollekte des Trauergottesdienstes geht an den Weißen Ring, der Verbrechensopfer unterstützt. Am Nachmittag sollte Leichnam im engsten Familienkreis beigesetzt werden.
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25. November 2014

Olaf Lauenroth streitet sich mit seiner Heimatgemeinde Fockbek. Bürgermeister Holger Diehr bestätigte gegenüber der Landeszeitung in Rendsburg, dass der 55-Jährige offiziell eine „Ehrengabe“ fordere. Lauenroth erwartet diese Ehrengabe als Anerkennung für sein kommunalpolitisches Engagement. Er war nach der Kommunalwahl 2013 über die FDP-Liste in die Gemeindevertretung gewählt worden. Da er seit der Bluttat in Untersuchungshaft in Lübeck sitzt, kann er das Mandat nicht mehr ausüben.

Seine FDP-Mitgliedschaft soll Lauenroth nach Angaben der Kreisvorsitzenden inzwischen aufgegeben haben. Sein politisches Mandat in der Gemeindevertretung besitzt er aber noch immer. Wenn er es nicht selbst niederlegt, könnte es ihm die Kommunalaufsicht nach dem Gemeinde- und Kreiswahlgesetz erst bei einer rechtskräftigen Verurteilung aberkennen.

„Ehrengabe“ für Kommunalpolitik

Mordverdächtiger Lauenroth streitet sich mit Fockbek

Meinung – Dirk Jennert
Der des Mordes an einem Finanzbeamten beschuldigte Fockbeker Steuerberater Olaf Lauenroth streitet sich mit seiner Heimatgemeinde. Bürgermeister Holger Diehr bestätigte gegenüber der Landeszeitung, dass der 55-Jährige offiziell eine „Ehrengabe“ fordere. Lauenroth, der am 1. September im Rendsburger Finanzamt einen leitenden Mitarbeiter erschossen haben soll, erwartet diese Ehrengabe als Anerkennung für sein kommunalpolitisches Engagement. Er war nach der Kommunalwahl 2013 über die FDP-Liste in die Gemeindevertretung gewählt worden. Da er seit der Bluttat in Untersuchungshaft in Lübeck sitzt, kann er das Mandat nicht mehr ausüben.

Ebenfalls bestätigte Holger Diehr, dass Lauenroth mit Schreiben vom 12. November den Verzicht auf sein Mandat erklärt habe. Doch ein Rücktritt von politischen Ämtern begründet nicht automatisch die Überreichung einer Ehrengabe. Eine offizielle Würdigung durch die Gemeinde steht Politikern nach den Worten von Diehr nur dann zu, wenn sie mindestens zwei Wahlperioden für Fockbek tätig gewesen sind. Ausnahmen seien zwar möglich, „aber ich werde der Gemeindevertretung nicht vorschlagen, Herrn Lauenroth zu ehren“, so Diehr. Die offizielle Fockbeker Ehrengabe gibt es in zwei Varianten: einen großen Ehrenteller, auf den ein Politiker nach drei Wahlperioden einen Anspruch hat, und einen kleinen Ehrenteller, der nach zwei vollen Wahlperioden überreicht wird. Für verdiente Bürger gibt es außerdem einen Wappenschild oder einen Wappenkrug. Darüber entscheiden der Bürgermeister und der Bürgervorsteher.

Diehr hat Lauenroth schriftlich mitgeteilt, dass er eine Ehrengabe nicht erwarten könne. Darauf reagierte Lauenroth prompt. In einem handschriftlichen Brief an die Landeszeitung macht er seinen Unmut über Diehr deutlich und zeigt kein Verständnis dafür, dass man ihm keine Ehrengabe in die Justizvollzugsanstalt Lübeck schicken wolle. Lauenroth wörtlich: „Meine Tat hat nichts mit meiner regen Aktivität in der Gemeindearbeit zu tun.“

Nach Informationen der Landeszeitung hat Lauenroth zudem versucht, auf das sogenannte Nachrückverfahren Einfluss zu nehmen. So wollte er offenbar erreichen, dass nur ein ihm genehmer Politiker seinen Platz in der Gemeindevertretung einnehmen könne. Das hat Diehr mit Hinweis auf das kommunale Wahlgesetz zurückgewiesen. Demnach habe Lauenroth keinerlei Einfluss darauf, wer das Mandat nach seinem Rücktritt übernehmen wird. Auf Nachfrage sagte Diehr, dass für das Nachrückverfahren die von Lauenroths FDP-Ortsverband eingereichte Wahlliste maßgebend sei. Den ersten Platz auf dieser Liste hatte Lauenroth inne, den zweiten Platz der Fockbeker Ralph-Holger Schmied. Nach den Vorschriften des Wahlgesetzes müsse nun zunächst Schmied gefragt werden, ob er das Mandat übernehmen will.

Der Mord im Finanzamt hatte Anfang September die Region erschüttert. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hat Olaf Lauenroth auf den zuständigen Finanzbeamten gewartet. Er soll sich bereits seit mehreren Jahren wiederholt mit dem Finanzamt gestritten haben. Im Büro des leitenden Beamten kam es dann offenbar zu einer verbalen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Lauenroth eine Pistole gezogen und mehrfach auf den 57-jährigen Steuerexperten geschossen haben soll. Das Opfer verstarb kurz darauf im Krankenhaus.

Olaf Lauenroth wurde noch am Tatort von Polizeibeamten überwältigt. Im Gefängnis wartet er jetzt auf seinen Mordprozess.
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20. Januar 2015

Die Staatsanwaltschaft Kiel erhebt gegen den mutmaßlichen Rendsburger Todesschützen Anklage. Dem 55 Jahre alten Steuerberater Olaf Lauenroth wird Mord aus Heimtücke vorgeworfen, sagt Oberstaatsanwältin Birgit Heß.

Staatsanwaltschaft Kiel

Anklage wegen Mordes gegen Rendsburger Todesschützen

Meinung – dpa
Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Mordanklage gegen den mutmaßlichen Rendsburger Todesschützen erhoben. Dem 55 Jahre alten Steuerberater Olaf Lauenroth wird Mord aus Heimtücke vorgeworfen, wie Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Dienstag sagte.

Der Mann aus Fockbek soll am 1. September mehrmals mit einer Beretta-Pistole auf einen 57 Jahre alten Beamten des Finanzamts Rendsburg in dessen Dienstzimmer geschossen haben. Das Opfer erlag später in einem Krankenhaus seinen Verletzungen.

Polizisten nahmen den mutmaßlichen Täter noch im Finanzamt widerstandslos fest. In einem Schreiben an seine Frau, die von ihm getrennt lebt, machte der 55-Jährige die Behörde für seine finanzielle Misere verantwortlich. Darin soll er das Finanzamt mit drastischen Worten attackiert haben. Das Papier fanden Ermittler in seinem Haus.

Dass Lauenroth ausfallend werden kann, weiß man in Fockbek und Rendsburg. Dennoch hätte ihm dort niemand eine Gewalttat zugetraut. Sein polizeiliches Führungszeugnis war bis Dienstag makellos. Dies war eine Voraussetzung für die Erteilung eines Jagdscheines, der zum Führen von Kurz- und Langwaffen berechtigt. Seit 2007 war Lauenroth im Besitz dieses Dokuments. Das bestätigt die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde, die 2010 und 2013 routinemäßig seine Eignung zum Besitz von Waffen überprüfte – ohne Beanstandungen. Lauenroth hatte in seinem Waffenschrank eine Pistole der Marke Beretta und sechs Gewehre.

Menschen, die den Steuerberater seit vielen Jahren kennen, beschrieben den Mann nach der Tat als notorischen Querulanten, der immer wieder Leserbriefe geschrieben haben und im Finanzamt mit Beschwerden vorstellig geworden sein soll. Seit einem Unfall vor vielen Jahren ist er auf einen Rollstuhl angewiesen.
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4. Februar 2015

Gerichtssprecherin Rebekka Kleine gibt bekannt, dass der Prozess gegen Lauenroth am 11. März beginnen soll. Das Schwurgericht unter Leitung des Vorsitzenden Richters Jörg Brommann hat für den Prozess fünf Verhandlungstage angesetzt. 16 Zeugen sind geladen. Zudem soll ein psychiatrischer Gutachter zur Persönlichkeit des Angeklagten und zur Frage der Schuldfähigkeit Stellung nehmen. Zur Todesursache wird sich ein Rechtsmediziner äußern. Die Witwe des getöteten Beamten tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht dem Angeklagten lebenslange Haft.

Die entscheidende Frage in dem Prozess wird nach Einschätzung von Beobachtern sein, ob der Verdächtige mit dem festen Vorsatz in das Finanzamt gegangen ist, den Beamten zu töten.

Rendsburg

Prozess gegen Finanzamt-Schützen beginnt am 11. März

Meinung – Dirk Jennert
Der Steuerberater und frühere Fockbeker Bürgermeister-Kandidat Olaf Lauenroth (55) muss sich ab dem 11. März vor dem Kieler Schwurgericht verantworten. Das bestätigte am Mittwoch Gerichtssprecherin Rebekka Kleine gegenüber der Landeszeitung. Lauenroth wird beschuldigt, am 1. September vergangenen Jahres einen 57-jährigen Abteilungsleiter des Rendsburger Finanzamtes in dessen Büro erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft klagt den mutmaßlichen Täter des Mordes an. Ihm droht eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Das Schwurgericht unter Leitung des Vorsitzenden Richters Jörg Brommann hat insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. 16 Zeugen sollen geladen werden. Zudem zieht das Gericht zwei Sachverständige hinzu: Ein psychiatrischer Gutachter wird die Persönlichkeit des Angeklagten beleuchten, ein Rechtsmediziner schildert die Ergebnisse der Obduktion des Opfers. Gerichtssprecherin Kleine sagte, dass es eine Nebenklägerin gibt. Nach Informationen der Landeszeitung soll es sich um die Witwe des getöteten Beamten handeln.

Die Bluttat hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und in der Region eine tiefe Betroffenheit ausgelöst. Dementsprechend dürfte es im Gerichtssaal eng werden: „Wir erwarten ein großes öffentliches Interesse an dem Prozess“, so Gerichtssprecherin Kleine. Lauenroth war unmittelbar nach der Tat von Polizeibeamten im Finanzamt festgenommen worden. Einen Tag später erließ ein Richter Haftbefehl. Seitdem befindet sich der Verdächtige in der Justizvollzugsanstalt Lübeck. Dass Lauenroth in der Hansestadt und nicht in Neumünster einsitzt, ist auf seinen Gesundheitszustand zurückzuführen. Lauenroth ist nach einem Unfall zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen. In der JVA Lübeck können auch körperbehinderte Verdächtige und Verurteilte untergebracht werden.

Die entscheidende Frage in dem Prozess wird nach Einschätzung von Beobachtern sein, ob der Verdächtige mit dem festen Vorsatz in das Finanzamt gegangen ist, den Beamten zu töten. Lauenroth soll in einem Flur im Erdgeschoss der Behörde auf sein Opfer gewartet haben. In dessen Büro kam es dann laut Polizeibericht zu einem lautstarken Streit. Lauenroth soll plötzlich eine Beretta-Pistole gezogen und zwei Schüsse auf den Finanzbeamten abgegeben haben. Dieser wurde schwer verletzt in die Rendsburger Imland-Klinik eingeliefert, wo er kurz darauf verstarb. Als Motiv für die Tat vermuten die Ermittler einen jahrelangen Streit zwischen dem Fockbeker Steuerberater und dem Finanzamt.

Olaf Lauenroth war bis zu seiner Verhaftung kommunalpolitisch aktiv. Über die FDP-Liste ist ihm bei der jüngsten Kommunalwahl der Einzug in die Fockbeker Gemeindevertretung gelungen. Das Mandat besitzt er noch immer. Sollte er jedoch wegen Mordes verurteilt werden, würde er seinen Sitz laut Strafgesetzbuch automatisch verlieren.
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6. März 2015

Lauenroths Verteidiger erklärt gegenüber der Landeszeitung in Rendsburg, dass sein Mandant am ersten Prozesstag ein Geständnis ablegen will. Lauenroth werde die Verantwortung übernehmen, die tödlichen Schüsse auf den Beamten Wolfgang B. (57) abgegeben zu haben, sagte Anwalt Frank-Eckhard Brand aus Lübeck, wo Lauenroth im Gefängnis sitzt. „Er kann sich aber nicht erinnern, was ihn dazu hingerissen hat, so etwas zu tun. Er weiß auch nicht mehr, wie die Schüsse gefallen sind.“

Finanzamt Rendsburg

Todesschütze will Geständnis ablegen

Meinung – höf
Gut sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen Finanzbeamten in Rendsburg muss sich der mutmaßliche Täter vor dem Kieler Landgericht verantworten. Der Prozess beginnt am kommenden Mittwoch. Angeklagt ist Olaf Lauenroth, ein 55-jähriger Steuerberater und Gemeindevertreter aus Fockbek bei Rendsburg.

Nach Angaben seines Verteidigers will der unter anderem durch seine Bewerbung um das Bürgermeisteramt in Fockbek weithin bekannte Lauenroth am ersten Prozesstag ein Geständnis ablegen. Sein Mandant werde die Verantwortung übernehmen, die tödlichen Schüsse auf den Beamten Wolfgang B. (57) abgegeben zu haben, sagte Anwalt Frank-Eckhard Brand aus Lübeck, wo Lauenroth im Gefängnis sitzt. „Er kann sich aber nicht erinnern, was ihn dazu hingerissen hat, so etwas zu tun. Er weiß auch nicht mehr, wie die Schüsse gefallen sind.“

Der Angeklagte war kurz nach der Tat am 1. September 2014 im Büro des Finanzbeamten festgenommen worden. Vor den Schüssen soll es einen lautstarken Streit gegeben haben. Das Opfer erlag seinen schweren Verletzungen kurz darauf im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft wirft Lauenroth heimtückischen Mord vor. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt.
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(mit dpa-Material)