Ein Artikel der Redaktion

Hamdorf Politik ist das Lieblingsthema

Von wm | 22.04.2013, 03:59 Uhr

Heute bleibt das Radio aus: Oskar Oldach feiert seinen 100. Geburtstag

Zwei Töchter, ein Sohn, sechs Enkel, zwölf Urenkel: Die Familie von Oskar Oldach ist groß. Heute, am Montag, dem 22. April, feiert das betagte Familienoberhaupt im Kreise der Familie bei bester Gesundheit und seiner ihm eigenen, humorvollen Schlagfertigkeit seinen 100. Geburtstag im Breiholzer "Eiderkrug". Seit dem 1. August des vorigen Jahres wird Oldach im Breiholzer Pflege- und Genesungsheim "Vor Anker" liebevoll umsorgt.

Oskar Oldachs Leben begann am 22. April 1913 im Ort Wachau, damals Russland. Dorthin waren die Vorfahren aus Mecklenburg im Jahr 1803 ausgewandert. Sieben weitere Geschwister lebten dort mit Vater und Mutter auf einem Bauernhof. Für vier Jahre musste die russlanddeutsche Familie wegen des Ersten Weltkrieges in das 3000 Kilometer entfernte Saratov flüchten. Danach ging es zurück nach Wachau. Dort ging Oskar Oldach zur Schule. "Schule gab es nur im Sommer, im Winter war es in meiner Heimat zu kalt", erinnert sich der Senior. Nach der Schulentlassung half er in der elterlichen Landwirtschaft, danach fand er Arbeit in der örtlichen Poststelle. Am 3. Juni im Jahr 1938 wurde Hochzeit gefeiert; die junge Frau hieß Alma Streu und sollte über 60 Jahre bis zu ihrem Tod am 5. Februar 1998 mit ihrem Mann verbunden bleiben. Drei Kinder wurden dem Paar geboren: Martha im Jahre 1940, Otto 1941 und Grete im Jahre 1943. Mit diesen drei kleinen Kindern ging die Familie am 18. Januar 1945 bei bitterer Kälte mit einem Treck auf die Flucht; mit Pferdegepann und über das Eis der Oder in Richtung Schleswig-Holstein.

Dort wurde der Familie nach einem Verteilerstopp in Nortorf die Gemeinde Hamdorf als Bleibe zugewiesen. "Wir wurden auf dem Hof von Hermann Wulf (heute Jürgen Wulf) einquartiert, und wir sind gut aufgenommen worden. Und auch meine Familie hat Hamdorf als neue Heimat angenommen", erzählt Oskar Oldach mit großer Zufriedenheit. Arbeit habe er im Tiefbau, zum Beispiel bei einer Firma in Jagel, gefunden. 1962 wurde im Hamdorfer Friedhofsweg ein Haus gebaut. Lange Jahre lebte Oldach dort seit dem Tode seiner Ehefrau allein, täglich besucht von Sohn Otto, der einige hundert Meter entfernt wohnt. Für dreieinhalb Jahre zog Oskar Oldach danach zu Tochter Martha in Hohn-Julianenebene; seit dem vorigen Jahr wird er in Breiholz von Schwester Helga und ihren Kolleginnen im "Vor Anker" umsorgt. Tochter Grete wohnt übrigens auch in der Nähe: in Kropp. Jeden Abend um 18.30 Uhr ruft Oskar Oldach seinen Sohn Otto in Hamdorf an. Und: Auf einer Tabelle sind die Telefonnummern der Familienmitglieder in großen Zahlen angeführt. Alle erhalten zum Geburtstag einen Anruf. "Opa ruft gelegentlich an und erkundigt sich, was es Neues in der Familie gibt", weiß auch Enkelin Rika aus Breiholz zu berichten. Politik ist das Lieblingsthema des Jubilars; das Radio läuft bei allen Nachrichtensendungen. Heute ist das Radio jedoch vorerst ausgeschaltet. Für die Geburtstagsfeier mit den Gästen.