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DRK und „Wir für Rendsburg“ Nach dem Aus von „Mehrwert“: Pläne für neues Sozialkaufhaus in Rendsburg

Von Aljoscha Leptin | 14.10.2022, 06:34 Uhr

Anfang Juni wurde das Sozialkaufhaus „Mehrwert“ in Rendsburg geschlossen. Eine Petition zur Rettung des Kaufhauses ist gescheitert. Angesichts der Inflation wollen das DRK und „Wir für Rendsburg“ jetzt aber schnellstmöglich eine neue Einkaufsmöglichkeit für Bedürftige schaffen.

Energiekrise und Inflation. Das Leben wird immer teurer. Und ausgerechnet jetzt gibt es kein Sozialkaufhaus mehr in Rendsburg. Anfang Juni wurde das Sozialkaufhaus „Mehrwert“ an der Kieler Straße geschlossen – weil die Arbeitsagentur aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine Ein-Euro-Jobber mehr finanzierte. Eine Rendsburgerin wollte das nicht hinnehmen: Karin Guirautane reichte bereits im April eine Petition beim Kieler Landtag ein, um das Kaufhaus für bedürftige Menschen zu retten. Jetzt bekam sie eine Antwort: Ihre Petition ist gescheitert.

Guirautane hatte die Politik aufgefordert, Rahmenbedingungen herzustellen, unter denen die Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie (NGD) das Kaufhaus weiter betreiben kann. Die NGD hatte zuvor erklärt, dass das Angebot ohne die vom Jobcenter finanzierten Arbeitskräfte nicht mehr aufrecht zu erhalten sei. Der Petitionsausschuss erklärt in seiner Erklärung sein Bedauern über die Schließung des Sozialkaufhauses – betont jedoch, „dass eine weitere Förderung durch die Jobcenter aufgrund der geltenden rechtlichen Bestimmungen nicht möglich war.“

Hintergrund: Private Unternehmen, die mit gebrauchten Waren handeln, hätten einen Nachteil, wenn das Sozialkaufhaus auf Arbeitskräfte vom Jobcenter zurückgreifen könnte. Dadurch entstehe Wettbewerbsverzerrung.

Guirautane ist enttäuscht von der Antwort des Petitionsausschusses. Doch das letzte Wort scheint damit noch nicht gesprochen. Gleich zwei Organisationen wollen ein Nachfolgemodell für das Sozialkaufhaus auf die Beine stellen.

Das plant der DRK-Kreisverband

Zum einen der DRK-Kreisverband Rendsburg-Eckernförde. Dieser will eine 150 Quadratmeter große Fläche mieten, um eine Einkaufsmöglichkeit für Bedürftige zu schaffen. Der DRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Stritzl erklärt, dass aktuell Gespräche hierzu laufen und dass das Angebot im Vergleich zum ursprünglichen Sozialkaufhaus kleiner ausfallen solle. Große Möbel sollen beispielsweise nicht zum Sortiment gehören, der Schwerpunkt solle eher auf Geschirr und Textilien liegen. Die Frage der Finanzierung müsse noch geklärt werden. Es müsse sichergestellt werden, dass man für das Projekt „nicht Geld mitbringen“ müsse, so Stritzl. Eine Eröffnung könnte im Februar oder März 2023 erfolgen.

Verein „Wir für Rendsburg“ will das Container-Kaufhaus

Ein zweites Konzept hat der Verein „Wir für Rendsburg“ ins Spiel gebracht. Der Vorsitzende Steffen Uebelhör erklärt, dass die Planungen des gemeinnützigen Vereins völlig unabhängig von dem DRK-Projekt seien. „Wir für Rendsburg“ gibt bereits jetzt Kleidung auf dem „Oktogon“-Gelände (ehemalige Feldwebel-Schmid-Kaserne) gegen Schutzgebühr an Bedürftige ab. Dort steht bislang nur ein 45 Quadratmeter großer Container bereit. Der Verein plant, dieses Angebot massiv auszubauen: Durch die Anschaffung weiterer Container könne man die Verkaufsfläche auf 200 bis 250 Quadratmeter ausbauen und dann das Sortiment massiv erweitern, so Uebelhör. Man versuche, diese Lösung schnell umzusetzen, weil der Bedarf angesichts der aktuellen Teuerung derzeit besonders hoch sei. Spätestens im ersten Quartal 2023 wolle man das Angebot bereitstellen.

Sozialausschuss berät am 24. Oktober

Mit dem Thema wird sich am Montag, 24. Oktober, auch der Rendsburger Sozialausschuss befassen. In der Mitteilungsvorlage aus dem Rathaus heißt es dazu: „Verwaltungsseitig wird der Bedarf als so hoch angesehen, dass grundsätzlich beide Konzepte umgesetzt werden könnten. Eine Finanzierung kann dabei jedoch nicht ausschließlich durch die Stadt Rendsburg erfolgen.“

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