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Groß Vollstedt Kieler Ministerium kennt keine Gnade für die "Biogas-Linden"

Von sro | 03.01.2009, 03:59 Uhr

Das Schicksal der sechs Linden, die für eine Linksabbiegespur zur geplanten Biogasanlage in Groß Vollstedt gefällt werden sollen, scheint besiegelt. Wirtschaftsminister Werner Marnette lehnte eine Ausnahmegenehmigung ab.

Jetzt gibt es anscheinend keine Chance mehr, die sechs Linden an der Landesstraße 48 zwischen Groß Vollstedt und Warder zu retten. Die stattlichen Bäume müssen voraussichtlich der Linksabbiegespur weichen, die an der Ortsausfahrt Groß Vollstedt für das geplante Biogasanlage erforderlich ist. Als "letzte Instanz" hat Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) eine Ausnahme abgelehnt.

Die Kommunale Wählergemeinschaft (KWG) Groß Vollstedt hatte an Ministerpräsident Peter Harry Carstensen geschrieben, um das Fällen der sechs mehr als 70 Jahre alten Linden doch noch zu verhindern. Die Gemeindevertretung hatte allerdings der Biokraftanlage bereits zugestimmt, auch wenn letztlich dafür die Bäume gefällt werden müssen. Marnette antwortete jetzt, auch im Namen seiner Parteikollegen Carstensen und Umweltminister Christian von Boetticher, und erläuterte den KWG-Politikern die Sachlage.

Die Straßenbauverwaltung habe ihren Ermessensspielraum "so weit wie möglich ausgeschöpft, indem sie sich damit einverstanden zeigte, die erforderliche Linksabbiegespur in der baulich kleinsten zulässigen Lösung" auszuführen. Aus "Sicherheits- und Leistungsfähigkeitsaspekten" könne auf die Einrichtung allerdings nicht verzichtet werden. Hierbei sei auch berücksichtigt worden, dass die L 48 als Umleitungsstrecke für die A 7 dient. Allerdings betont Marnette, dass sein Ministerium keineswegs die Fällung der sechs Linden verlangt habe. Diese sei nur notwendig, da die Gemeinde eine Verbreiterung zur Straßenseite vorsieht. Eine Erweiterung auf der anderen Seite ist allerdings nicht möglich, da die Gemeinde sich nicht mit dem Eigentümer des dortigen Grundstückes über den Erwerb einigen konnte. Letztlich schlägt Marnette vor, dass die Gemeinde bei weiteren Bedenken beraten solle, ob die "Biogasanlage an dieser Stelle richtig platziert ist".

Den Hinweis auf die Seite der Fahrbahnaufweitung sieht die KWG als "kühne Behauptung". "Sondierungsgespräche mit dem Eigentümer sind vor einiger Zeit geführt worden und haben ergeben, dass er nicht zum Verkauf bereit ist", erklärt KWG-Chef Wolfgang Bartram. Die angegebenen Gründe ließen erkennen, dass erneute Verhandlungen, auch mit Unterstützung durch das Straßenbauamt, zwecklos seien.

Die Anregung, über den Standplatz der Anlage nachzudenken, "geht zu weit". Es liege allein in der Macht der Gemeinde, über die Genehmigung zu entscheiden. "Die Standortwahl trifft allein das privatwirtschaftliche Unternehmen", sagt Bartram, der Zweifel an der Behördenauffassung hinsichtlich der Gefährdung einräumt. Im vergangenen Herbst sei bereits eine Erntekampagne gefahren worden, die weder untersagt wurde, noch seien Auflagen gefordert worden. "Auf dieses Thema ist der Minister trotz unserer ausdrücklichen Argumentation leider nicht eingegangen", bedauert der KWG-Chef.