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Nortorfer Land Freiwillig mehr Geld für Erzieher

Von Lars Friedrich | 31.08.2017, 18:33 Uhr

Die Gemeinde Langwedel übernimmt den aktuellen Tarifvertrag. Andere könnten nachziehen – doch das kostet.

Für Erzieher in der Gemeinde Langwedel gibt es eine Lohnerhöhung. Spätestens ab dem 1. Januar 2018 werden sie nach dem TVöD SuE (Tarifvertrag öffentlicher Dienst, Sozial- und Erziehungsdienst) bezahlt. „Wir haben die Anhebung an den neuen Tarif als erste Gemeinde im Amt Nortorfer Land beschlossen“, sagte Langwedels Bürgermeister Markus Heerdegen. Der Beschluss fiel einstimmig. „Wir wollen damit langfristig nicht nur unser Personal halten, sondern auch interessant für zukünftige Bewerber bleiben“, erklärte der Bürgermeister. Bei derzeit neun Betreuern für drei Kindergartengruppen bedeute das für die Gemeinde Mehrausgaben von rund 30.000 Euro pro Jahr.

Bisher zahlen viele Gemeinden im Nortorfer Land noch „in Anlehnung an den Tarif“. In der Praxis bedeutet diese Formulierung oft schlicht: weniger Lohn. „Wir haben dagegen schon immer nach Tarif bezahlt“, sagte Heerdegen. Nun haben die Gemeindevertreter freiwillig auch den jüngsten Tarifabschluss übernommen. Andere Gemeinden werden folgen. Das prognostizierte zumindest Bürgermeister Heerdegen: „Meine Kollegen haben das Thema alle auf der Tagesordnung. Die anderen Gemeinden werden nachziehen müssen, weil sie sonst keine Erzieher mehr bekommen.“ In Langwedel sei es nach Abgängen beispielsweise schwierig gewesen, Nachfolger zu finden. Fluktuation und Ausfälle hätten Eltern geärgert, sagte Heerdegen. Konkurrenz kommt nicht nur aus anderen Bundesländern: „Zehn Kilometer weiter, in Bordesholm, wird schon nach Tarif gezahlt. Und in Kiel werden gerade 50 Erzieher gesucht.“

Für den aktuellen Tarifabschluss war vor zwei Jahren unter anderem von Erziehern in Rendsburg gestreikt worden. In Kindergärten, die von der Stadt als Träger betrieben werden, gelten generell die Tarifvereinbarungen für den öffentlichen Dienst. Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast sagte gestern auf Nachfrage: „Die Entscheidung, tarifgebunden zu zahlen, ist sicher eine gute.“ Im sozialpädagogischen Bereich sei der Fachkräftemangel ganz deutlich zu spüren. In Rendsburg würden derzeit etwa 90 Personen gemäß dem aktuellen Tarifvertrag entlohnt. Die Mehrkosten bezifferte Gilgenast auf rund 12.000 Euro monatlich.

In Langwedel gehören die Mehrausgaben zum Konzept. „Wir wollen in Zukunft wieder mehr Familien mit Kindern im Ort haben“, sagte Heerdegen. Das solle Mehreinnahmen durch Steuern bringen. Derzeit baue man die Kinderkrippe um, um mehr Plätze zu schaffen. „15 Plätze dort, das wären quasi automatisch auch 15 neue Kindergartenkinder“, rechnet Heerdegen vor. Um die Grunschule im Dorf zu halten, seien 80 Kinder nötig. Auch der Betrieb von Vereinen, Sportplätzen und Jugendfeuerwehr hinge langfristig von ausreichend Nachwuchs im Ort ab.

In Groß Vollstedt wird die Bezahlung der Erzieher wohl am kommenden Montag auf der Gemeinderatssitzung thematisiert. Bürgermeister Heinz Volkmann muss noch Überzeugungsarbeit leisten: „Wir haben das Thema im Finanzausschuss schon mal besprochen, aber es gibt noch keine einheitliche Meinung.“ Höhere Löhne würden möglicherweise auch mit höheren Kita-Gebühren einhergehen. Anders als in Langwedel habe es im Ort auch noch keine Abgänge wegen zu geringer Bezahlung gegeben. „Außerdem sind viele Erzieher schon Jahrzehnte bei uns, die wollen auch nicht unbedingt das Feld wechseln, nur weil sie weiter weg etwas mehr verdienen könnten.“ Und auf eine ausgeschriebene Vollzeitstelle hätten sich mindestens fünf Erzieher beworben. Trotzdem wird sich Volkmann für eine Anpassung der Löhne an den aktuellen Tarifvertrag aussprechen. „Zumal die pädagogischen Anforderungen an das Personal in den vergangenen Jahren gewachsen sind. Wenn man mehr Leistung verlangt, soll man auch gerecht bezahlen.“

Seit 2011 haben sich die Ausgaben für Kinderbetreuung im Kreis Rendsburg-Eckernförde mehr als verdoppelt. 2018 werden sie wohl erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke überspringen. Um die steigenden Kosten zu stemmen, fordern viele Bürgermeister mehr finanzielle Unterstützung vom Land und vom Bund. Sprudelnde Einnahmen können diesen Anstieg offenbar nicht kompensieren. „Unsere Steuereinnahmen sind wirklich gut, aber im Sozial- und Erziehungsbereich haben wir enorme Ausgaben“, sagte Rendsburgs Bürgermeister Gilgenast. Insbesondere Maßnahmen zum Ausbau von Kita-Plätzen müssten „dringend“ gefördert werden.