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Mangel an Schulplätzen und Wohnraum Flüchtlinge wollen nach Rendsburg – und nicht wieder raus

Von hof | 16.02.2018, 08:44 Uhr

Flüchtlinge wollen nicht ins Umland ziehen, das stellt die Stadt Rendsburg vor Probleme.

Rendsburg kann Immigranten kaum noch dauerhaft aufnehmen. An den Schulen sind alle Plätze für Flüchtlingskinder belegt, und vor allem für große Familien ab fünf Personen steht nicht mehr ausreichend Wohnraum zur Verfügung. Das geht aus dem Jahresabschlussbericht 2017 zur Flüchtlingssituation hervor, der shz.de vorliegt.

Er wurde vom Fachdienst Flüchtlingshilfe und Integration erarbeitet. Laut dem Report verschärft sich die Lage dadurch, dass viele Asylsuchende unbedingt in Rendsburg bleiben wollen und ein Ausweichen auf die Kommunen in der Umgebung ablehnen. „Die Bereitschaft, die Wohnungssuche auf die Umlandgemeinden auszuweiten, geht gegen Null“, heißt es in der Bilanz, die am 26. Februar dem Sozialausschuss vorgelegt werden soll. Etwa 2100 Flüchtlinge waren mit Stand 31. Dezember 2017 in Rendsburg gemeldet. 1700 von ihnen (81 Prozent) haben keine Arbeit und sind auf staatliche Hilfen angewiesen.

Überwiegend handelt es sich um Männer (57 Prozent) und um Schutzsuchende, die jünger als 25 Jahre sind. Mehr als 300 Kinder sind im schulpflichtigen Alter, 156 Jungen und Mädchen im Kita-Alter von vier bis sechs Jahren. Im Stadtgebiet gibt es fünf Schulen mit DaZ-Klassen, in denen „Deutsch als Zweitsprache“ unterrichtet wird. 281 Kinder drücken dort die Schulbank, bis auf 40 wohnen alle in Rendsburg. Zitat in der von Bürgermeister Pierre Gilgenast unterzeichneten Mitteilungsvorlage: „Die Schulen berichten hierzu, dass alle Kapazitäten absolut erschöpft sind.“ Auch die Kindertagesstätten seien extrem gefordert. Der Migrantenanteil in den kommunalen Kitas liegt inzwischen bei 44 bis 49 Prozent.

Die Aussichten für dieses Jahr verheißen laut dem Bericht keine Entspannung. 348 Personen mit subsidiärem Schutzstatus leben in Rendsburg. Er tritt ein, wenn weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewährt werden können und im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht. Im Gegensatz zu einer normalen Anerkennung (drei Jahre) gilt das Bleiberecht nur für ein Jahr. Per Gesetz wurde die Möglichkeit des Familiennachzugs für diesen Personenkreis bis zum 31. März 2018 ausgesetzt. Der Jahresbericht blickt voraus: Sollte der Familiennachzug ab April möglich werden, „so wird die Wohnraumsituation in Rendsburg noch angespannter werden, zumal es nach den Erfahrungen der letzten Monate in erster Linie Familien mit fünf und mehr Personen betrifft“.

Ein weiteres Problem: Der knapp gewordene Wohnraum lässt die Kosten steigen. Versuche, die Flüchtlinge direkt in ein Mietverhältnis mit den Wohnungseigentümern zu vermitteln, scheitern dadurch. Denn viele Mieten übersteigen die Richtwerte für angemessenen Wohnraum des Kreises und lassen sich über das Jobcenter nicht mehr voll refinanzieren. „Mietschulden und drohende Obdachlosigkeit wären die Folgen.“

43 Wohnungen für Flüchtlinge hat die Stadt angemietet, 40 von ihnen waren zum Jahreswechsel belegt. Im Zuständigkeitsbereich des Rathauses leben 68 Männer und Frauen, die zur Ausreise verpflichtet sind und vorübergehend dennoch bleiben dürfen (Duldung). Im gesamten Kreis sind es etwa 500 Menschen.