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Rendsburg "Auf die Zielgerade eingebogen"

Von Jan F. Schönstedt | 14.01.2010, 09:57 Uhr

Ein wahrhaft außergewöhnliches Jubiläum wird bei der Kraft-Gruppe gefeiert.

Seit fünf Jahrzehnten ist Heiner Heesch in dem Rendsburger Unternehmen aktiv. "Dafür gibt es nicht einmal eine Prämienregelung. Die Tabellen reichen nur bis 40 Jahre", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Helmut Kraft. Für diesen besonderen Fall habe er aber eine individuelle Lösung gefunden, versichert er. Schließlich sei Heesch für seinen Betrieb unersetzlich. "Sein Know-How ist einzigartig. Ich weiß gar nicht, was wir machen, wenn er nicht mehr da ist", sagt Kraft über seinen treusten Mitarbeiter.

Heesch musste zwar längst in Rente gehen - aufgehört zu arbeiten hat er aber nie. Noch heute hat der 74-Jährige eine Fünf-Tage-Woche. Der Vertrag wird jedes Jahr per Handschlag verlängert. "Herr Heesch entscheidet selbst, wann er aufhört. Ich bin dankbar für jedes Jahr, das er bleibt", sagt Kraft. Akute Sorgen muss er sich nicht machen. Ans Aufhören denkt Heesch nämlich noch nicht. "Ich bin erst auf die Zielgerade eingebogen. Der Startschuss war 1960. Jetzt bin ich auf den letzten 30 Metern des 5000-Meter-Laufs - und die will ich in Zeitlupe genießen", umschreibt der ehemalige Mittelstreckenläufer seine Gedanken an den Ruhestand. Die Arbeit mache ihm immer noch Spaß und halte ihn jung. "Irgendwann erkennt man, was einem die Arbeit alles geben kann. Sie ist ein gutes Stück Leben", sagt das Kraft-Urgestein.

Bis zur Rente war Heesch Leiter des Einkaufs der Unternehmensgruppe, die auf Autoteile, Feuerschutz und Industriebedarf spezialisiert ist. Heute arbeitet er als Telefon-Verkäufer. Dabei profitieren vor allem Kunden mit älteren Fahrzeugen vom umfassenden Wissen des Büdelsdorfers. "Bei neuen Fahrzeugen gibt man einfach nur die Fahrgestellnummer ins System ein und los gehts. Aber bei alten Modellen muss man sich wirklich auskennen", erzählt Heesch, der in den 60-er Jahren zunächst die Autoteile-Abteilung bei Kraft aufgebaut hat und danach in den 70-ern auch die Lkw-Abteilung.

In den 50 Jahren Betriebszugehörigkeit hat Heesch den Aufstieg der ehemals kleinen Firma zur Unternehmensgruppe eng begleitet. Er erlebte mit, wie sich Kraft inzwischen zu einem der größten deutschen Autoteilehändler mit mehr als 300 Mitarbeitern an 25 Standorten in sieben Bundesländern entwickelt hat. Da verwundert es nicht, dass Heesch 2004 in mühevoller Kleinarbeit auch die Jubiläumszeitschrift zum 100. Geburtstag des Betriebs gestaltet hat. Bleibt er gesund, wird er seinem Chef auch in nächsten Jahren noch die Hand reichen. . .