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Bäume umgeknickt, Dächer gefährdet Stormarn im Sturm – Tief „Nadia“ sorgt für 266 Einsätze und viele Schäden

Von Peter Wüst | 29.01.2022, 20:33 Uhr

Umgestürzte Bäume, gelöste Dachpfannen, zerstörte Bauzäune und Terrassen-Sichtschutzwände: Sturmtief Nadia hatte Stormarn am Wochenende fest im Griff und die Einsatzkräfte in Atem gehalten. Es gab knapp 270 Einsätze.

Das Tief Nadia hat am Wochenende im Kreis Stormarn ganze Arbeit geleistet und viele Schäden angerichtet. Die Einsatzkräfte waren ständig gefordert. Bis Sonntagmittag, 30. Januar, summierten sich die wetterbedingten Einsätze auf 266, teilte die Rettungsleitstelle IRLS mit. 263 Einsätze waren es im Kreis Herzogtum Lauenburg und sogar 367 in Ostholstein.

Tanne hängt schräg über der Straße

Zurück auf Stormarner Gebiet: Allein in Großhansdorf rückten Feuerwehrleute zu zwölf Sturmeinsätzen aus – etwa am Sonntag zum Wasserwerk am Rümeland. Dort hatte eine Sturmböe eine hohe Tanne geknickt und auf einen Metallzaun gedrückt. Da der Baum schräg über der Straße hing, legten Feuerwehrleute den Stamm mit einem Seilzug um und räumten die Straße wieder frei.

Gottlob warteten gerade keine Fahrgäste auf den Bus an der Haltestelle am Wöhrendamm in Großhansdorf. Dort hatte Sonntagmorgen eine kräftige Windböe einen Baum auf den Gehweg gelegt. Anwohner hatten dies bemerkt und die Stelle bis zum Eintreffen der Feuerwehr gesichert.

Mit einer Motorsäge zerlegten die eingesetzten Feuerwehrleute den kleineren Baum und räumten den Gehweg wieder frei. Danach kam ein weiterer Einsatz.

Naturgewalt in Aktion: Ein mächtiger alter Baum ist während des Sturms am Sonntag mit großer Wucht auf das reetgedeckt Eingangstor der alten Akademie an der Hoisdorfer Landstraße gekracht und hat dieses zerstört. Menschen wurden nicht verletzt. Zum Unglückszeitpunkt waren dort keine Spaziergänger unterwegs.

Zunächst entfernten Feuerwehrleute der Wehr Großhansdorf Teile des Stammes mit der Säge. Dann legten sie um den Baum eine Bandschlinge und zogen den kompletten Stamm mit einer Seilwinde vom Tor in den Wald. Es war nicht der letzte Einsatz an diesem Tag. Die Wehr wurde zu weiteren Folgeeinsätzen alarmiert.

An der Sieker Landstraße waren insgesamt vier dicke Bäume derart vom Sturm beschädigt oder geknickt, dass sie gefällt werden mussten. Dazu wurde die Straße für längere Zeit voll gesperrt.

Mit Bandschlingen wurden zunächst die dicken Stämme mehrerer alter Bäume gesichert und dann mit dem Seilzug umgelegt. Ein Baum davon hatte am Stammende einen Durchmesser von über 80 Zentimetern. Die Fällarbeiten liefen problemlos ab.

Sieker Wehr rückte am Sonntag sieben Mal aus

Zu mehreren sturmbedingten Einsätzen ist Sonntag auch die Freiwillige Feuerwehr Siek ausgerückt. Es knickten mehrere Bäume um und lose Gegenstände mussten im Gewerbegebiet gesichert werden. Insgesamt wurde die Sieker Wehr von der Leitstelle zu sieben Einsätzen alarmiert. Am Nachmittag wurden die Sieker zur Beseitigung von zwei Gefahrenstellen durch die Drehleiter der Wehr Großhansdorf unterstützt.

In Ahrensburg stürzte Samstagabend, 29. Januar, eine 15-Meter-Tanne auf einem unbewohnten Grundstück durch eine starke Sturmböe um. Der Baum fiel quer über die Straße Vierbergen im Ortsteil Ahrensfelde. Die Krone stürzte in das benachbarte Grundstück auf der anderen Straßenseite. Verletzt wurde niemand.

Im Ahrensburger Stadtgebiet stürzten auch weitere Bäume um. Kurz vor der Landesgrenze zu Hamburg knickte die Krone eines Baumes ab und fiel auf die Hamburger Straße.

Tanne kippt auf Einfamilienhaus

Mit einem lauten Krachen hat in der Nacht eine Orkanböe in Bünningstedt eine etwa zwölf Meter hohe Tanne gefällt und auf das Dach eines Einfamilienhauses am Schäferdresch gelegt. Menschen wurden nicht verletzt.

Um den Baum vom Dach zu entfernen, forderte die Einsatzleitung der Feuerwehr Ammersbek die Drehleiter der Wehr Bargteheide zur Amtshilfe an. Die eingesetzten Feuerwehrleute zerlegten die Tanne mit der Motorsäge und zogen den Stamm vom Dach.

Pappelstamm mit Motorsägen zerlegt

Glücklicherweise war in Großhansdorf am Sonnabend zum Unglückszeitpunkt gerade kein Autofahrer auf der Straße An der Eilshorst unterwegs, als eine heftige Sturmböe eine 15 Meter hohe Pappel fällte und quer über die Verbindungsstraße zum Ostring legte.

Um 22.39 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr der Waldgemeinde alarmiert und traf kurze Zeit später am Einsatzort ein. Die Feuerwehrleute sicherten die Einsatzstelle und leuchteten diese aus. Dann wurde der dicke Stamm der Pappel mit mehreren Motorkettensägen zerlegt und abschließend die Straße wieder freigeräumt.

Stunden zuvor, am späten Nachmittag, waren die Feuerwehrleute schon bei zwei Sturmeinsätzen im Wöhrendamm und in der Hansdorfer Landstraße gefordert. In beiden Fällen drohten Äste und Totholz auf den Gehweg und die Straße zu fallen. Aus dem Korb der Drehleiter heraus wurden die Äste und das Totholz von den Feuerwehrleuten entfernt und die Gefahren beseitigt.Zahlreiche Einsätze im gesamten Stormarner Kreisgebiet

Auch in vielen anderen Gemeinden und Städten stürzten am Wochenende Bäume um. So zum Beispiel im Duvenstedter Weg in Tangstedt, in der Waldstraße in Hoisdorf, auf der B404 in Lütjensee, in der Dorfstraße in Nienwohld, in Hammoor, in Lütjensee, in Westerau, in Bad Oldesloe, in Reinbek, in Reinfeld, in Zarpen, am Trittauer Feld in Trittau, in Rümpel, in Meddewade, in Barsbüttel, in Rausdorf, in Badendorf, in Elmenhorst, in Bargteheide, in der Alten Dorfstraße in Rausdorf, an der A21 zwischen Bad Oldesloe und Tremsbüttel, im Bad Oldesloer Ortsteil Seefeld, im Lasbeker Weg in Mollhagen, in der Lottbek in Ammersbek oder in der Oldesloer Straße in Stubben sowie im Oldesloer Ortsteil Poggensee.Einsatz bereits vor Ankunft des Orkantiefs

Kurz vor Eintreffen des Orkantiefs Nadia in Schleswig-Holstein hatte die Feuerwehr Glinde sich bereits um einen umgestürzten Baum kümmern müssen. Dieser war am Freitagabend, 28. Januar, auf die Avenue St. Sebastien gekippt. Verletzt wurde niemand. Die Straße musste gesperrt werden.

Feuerwehr Glinde zersägt Baum

Der Vorfall hatte sich kurz nach 22 Uhr in Höhe der Poststraße abgespielt. Der zwölf Meter hohe Baum neben der Bahnstrecke kippte auf die Straße und blockierte diese. Die Feuerwehr Glinde rückte daraufhin aus, sicherte die Einsatzstelle, leuchtete diese aus und begann damit, den Baum zu zersägen.

Im Anschluss an die Arbeiten wurde die Straße gesäubert. Dann gaben Feuerwehr und Polizei die Avenue St. Sebastian wieder für den Verkehr frei.

Sturmwarnung des DWD

Auch am Sonntag, 30. Januar, musste noch im gesamten Kreis Stormarn mit Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume gerechnet werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte für das Wochenende vor schweren Sturmböen im Kreis Stormarn und weiten Teilen Schleswig-Holsteins. Entsprechende Hinweise waren am Freitagabend veröffentlicht worden.

Im Verlaufe des Tages nahm die brisante Wetterlage immer mehr an Fahrt auf: Ab 14 Uhr wurde im gesamten Kreisgebiet mit schweren Sturmböen samt Geschwindigkeiten zwischen 75 km/h und 95 km/h gerechnet – anfangs aus westlicher, später aus nordwestlicher Richtung. Die amtliche Warnung galt bis Sonntag, 8 Uhr.

Über die Auswirkungen des Orkantiefs Nadia auf Schleswig-Holstein informieren wir Sie in unserem Liveticker.