Bönningstedt : Zeichen gegen Rassismus gesetzt

Im Kulturzentrum waren Bilder und Collagen zu sehen, die in den Kindergärten und Schulen angefertigt worden waren.
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Im Kulturzentrum waren Bilder und Collagen zu sehen, die in den Kindergärten und Schulen angefertigt worden waren.

An den Bönningstedter Aktionstagen "Für Menschlichkeit - gegen Rassismus" mit Ausstellung, Filmvorführung und Gottesdienst waren auch Schulen und Kindergärten beteiligt

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24. März 2014, 14:00 Uhr

Mit einem Gottesdienst in der Bönningstedter Simon-Petrus-Kirche endeten die dreitägigen Aktionen, die unter dem Motto „Für mehr Menschlichkeit – gegen Rassismus“ standen. In seiner Begrüßung erinnerte Eckhard Johannes an die Unruhen in Südafrika, die dazu führten, dass jedes Jahr im März bundesweit die „Wir stehen auf!“-Aktionstage stattfinden.

„Ich freue mich darüber, dass Bönningstedt erstmals als Gemeinde daran beteiligt ist“, so Johannes. Als Vertreter der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“-Gemeinde begrüßte er Daniel Ahmad, der anhand mehrerer Suren aus dem Koran darstellte, dass dort für Toleranz in religiösen Angelegenheiten geworben wird.

„Alle Menschen sind gleich, jeder ist ein Geschöpf Gottes“, zitierte Ahmad. Das friedliche Miteinander sei eine Forderung, die an mehreren Stellen des heiligen Buches beschrieben werde. „Das Motto lässt sich einfach zusammenfassen: Liebe für Alle – Hass für Keinen“, schloss Ahmad seine Ausführungen und erntete Applaus von den etwa 60 Anwesenden.

Pastorin Birgit Vocka, die als Vertreterin für Christopher Fock die Andacht leitete, beschrieb in ihrer Predigt das Ereignis, das sich kürzlich in einer spanischen Enklave in Marokko zutrug: 200 Afrikaner hatten dabei versucht, den zwölf Meter langen Stacheldrahtzaun zu überwinden, um so nach Europa zu gelangen. „Oft sind es jedoch die Mauern und Zäune in unseren Köpfen und Herzen, die das friedliche Miteinander verhindern“, so die Pastorin.

In einem Anspiel wurde die Geschichte erzählt, bei der Jesus weit entfernt der Heimat von einer fremdem Frau angesprochen und um Hilfe gebeten wird – und sie barsch abweist. Doch die Beharrlichkeit und Klugheit der Frau belehrt am Ende den Gottessohn eines Besseren. „Auch hier fällt eine Grenze, denn die heilige Selbstverständlichkeit wird in Frage gestellt“, erklärte Vocka die Auswahl der Bibelstelle. „Ich wünsche mir und Ihnen, dass wir diese Aktionstage nicht abhaken, sondern jeden Tag versuchen, unsere Grenzen zu erweitern“, schloss die Pastorin.

In seinen spontanen Grußworten betonte Bürgermeister Peter Liske (BWG), dass er sich über die Aktionstage und die verschiedenen Veranstaltungen freue. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Liske, der sich bei den Organisatoren für ihr Engagement bedankte.

Am Tag zuvor waren im Kulturzentrum an der Kieler Straße die Ergebnisse der Themenwoche aus den Kindergärten und Schulen zu sehen. Collagen aus der „Zwergenhütte“ dokumentierten dabei, wie das Thema „Fremd sein“ in der Kita aufbereitet wurde. Dabei wurde das Leben in einem afrikanischen Dorf beleuchtet: Wie ist der Tagesablauf? Wovon leben die Menschen? Und vieles mehr. Afrikanische Lieder wurden erlernt, Hirsebrei probiert und die Trommeln geschlagen.

Die Kinder des evangelischen Simon-Petrus-Kindergartens hatten dagegen gruppenweise die Aufgabe bekommen, ein Bild mit nur einer einzigen Farbe zu gestalten. Die Erkenntnis, dass das „langweilig“ ist, ließ nicht lang auf sich warten – und führte dann dazu, dass die einfarbigen Bildern zu einer großen Collage zusammengesetzt wurden: ein große, bunte Welt.

Am Abend fanden sich etwa 30 Besucher im „Grammy-Haus“ ein, um den preisgekrönten Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“ zu sehen. Er erzählt die Geschichte einer türkischen Familie, die zur Zeit des Wirtschaftswunders nach Deutschland kommt und in der neuen Heimat Wurzeln schlägt.

Info: Internationale Wochen gegen Rassismus

Am 21. März 1960 demonstrierten 20000 Menschen in Sharpeville, Südafrika, friedlich gegen die Apartheid. Doch die Situation eskaliert: 69 Menschen werden getötet, darunter acht Frauen und zehn Kinder. Hunderte werden verletzt. Als Gedenktag gegen das Massaker riefen die Vereinten Nationen den 21. März zum “Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung” aus.

Website: www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de

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