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Quickborner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 01:33 Uhr

Würfel stapeln sich wie von Geisterhand

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Hobby Patrick Kern praktiziert die seltene Kunst des Dice-Stackings

von
erstellt am 01.Apr.2017 | 16:00 Uhr

Rhythmisch schwenkt er mit der linken Hand einen Plastikbecher in der Luft hin und her; die offene Seite zeigt nach unten. Über einem Turm aus vier roten Casinowürfeln, der auf seinem rechten Handteller steht, stoppt Patrick Kern die Bewegung abrupt. Langsam hebt er den Becher hoch. Wie von Geisterhand zeigen sich vier gelbe Würfel und kommen kerzengerade auf dem roten Turm zum Stehen. Dice-Stacking heißt der Sport, zu Deutsch: Würfelstapeln. Der Rekord des 25-jährigen Quickborners besteht darin, 36 Quader allein mit Hilfe eines Bechers auf der flachen Hand aufzustellen.

„Das ist keine Zauberei. Das ist reine Physik“, sagte Kern bei einem Besuch in der Redaktion unserer Zeitung. Das Geheimnis liegt in der Fliehkraft. Kern führte den Trick Schritt für Schritt vor: Er legte vier Würfel nebeneinander auf den Tisch, nahm den Becher so in die Hand, dass die offene Seite nach unten zeigte, winkelte ihn um etwa 45 Grad an und schwang ihn zweimal hin und her. Beim dritten Schwenk nahm er mit dem Behälter von der Tischplatte einen Würfel auf, der in dem Gefäß durch die Fliehkraft nach oben an den Boden rutschte. Auf dieselbe Weise folgten ihm die anderen Würfel und reihten sich im Becher untereinander auf. Sobald Kern ihn mit einer gekonnten Bewegung ruckartig auf seinem Handteller absetzte, blieben die Würfel dort als Turm stehen. Nach demselben Muster setzte er nacheinander weitere Viererreihen darauf.

Kern kennt in Deutschland nur eine Handvoll aktiver Dice-Stacker. Vor zehn Jahren dagegen gab es einen regelrechten Boom. Ein Youtube-Video eines Würfelstaplers hatte 2007 einen Trend begründet. „Das ist damals komplett explodiert“, berichtete Kern. Als er 2008 einen Fernsehbericht über die erste deutsche Meisterschaft des Dice-Stackings sah, wollte er nicht länger Zuschauer bleiben. Der damals 17-Jährige begann, täglich mehrere Stunden lang zu trainieren. Zu den Meisterschaften 2009 und 2010 trat er bereits an; bei letzterer landete er in einer Disziplin auf Platz 3. Als der große Trend anschließend abflachte, feierte Kern Erfolge in Funk und Fernsehen. Bei der ZDF-Show „Superhirn“ im Jahr 2012 stapelte er Würfel für einen Kollegen, der sich die Augenzahl merkte und siegte. 2013 lieferte er sich in der ARD-Show „Die deutschen Meister“ ein Duell im Stapeln auf der freien Hand mit dem deutschen Meister Maximiliano Pugliese – und unterlag. 2015 gewann Kern die German-Open im Dice-Stacking auf Fehmarn.

Das Würfelstapeln begeistert ihn nach wie vor. „Es ist ein Sport, der schön anzuschauen ist. Man kann in Sekundenbruchteilen Leute zum Staunen bringen“, schwärmte der Quickborner. Der Student für Mathematik und Deutsch auf Lehramt würde die Kunst gern anderen jungen Leuten beibringen. Wer ihn und sein Hobby kennenlernen möchte, trifft ihn freitags von 17 bis 19 Uhr in Quickborn im Haus der Jugend, Ziegenweg 3, beim Training der Sport-Stacker, die allerdings nicht Würfel, sondern Becher stapeln.

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www.youtube.com/paddy1712

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