Ein Plädoyer für digitale Begleitung : Wirtschaftsinformatiker referiert in Quickborn über die Gefahren des Internets für Kinder

Referent Bastian Scholz (l.) und Präventionskoordinatorin Dorothea Brunke sensibilisieren Eltern für die Probleme ihrer Kinder im Internet.
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Referent Bastian Scholz (l.) und Präventionskoordinatorin Dorothea Brunke sensibilisieren Eltern für die Probleme ihrer Kinder im Internet.

Vortrag am Elsensee-Gymnasium. Eltern sollen ihre Kinder unterstützen.

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08. Juli 2015, 12:15 Uhr

Quickbon | „Das Internet ist Fluch und Segen gleichzeitig“, stellte Wirtschaftsinformatiker Bastian Scholz fest. In seinem Vortrag zum Thema „Internet und Familie“ am Elsensee-Gymnasium zeigte er am Montagabend die häufigsten Gefahren im Netz auf. Außerdem gab er den anwesenden Eltern praktische Tipps zum richtigen Umgang mit den Möglichkeiten und den Fallstricken im Umgang mit Sozialen Netzwerken und Suchmaschinen, die besonders einschneidend auf die persönliche Privatsphäre wirken können.

„Facebook und Privatsphäre – das passt gar nicht zusammen“, sagte Scholz. Er sehe die Gefahr eines mentalen Panopticons, eines Gefängnisses im Bewusstsein der Menschen, das durch die Angst vor ständig auslesbaren privaten Daten zustandekommt.

Dies sei ein Problem, das auch viele Kinder betreffe. Zwar seien sie, so Scholz, oftmals sehr fit im Umgang mit den technischen Möglichkeiten – dennoch bräuchten sie besondere Begleitung durch ihre Eltern bei der angemessenen Verwendung von digitalen Inhalten und Sozialen Netzwerken. Diese Begleitung sei noch viel zu wenig ausgeprägt, monierte der Student der Wirtschaftsinformatik an der Universität Hamburg.

„Das Bündnis gegen Cybermobbing hat eine Umfrage gestartet“, berichtete Scholz, „bei der herauskam, dass 90 Prozent der Eltern die Anonymität des Internets als Hauptgrund für Cybermobbing verantwortlich machten“. Trotzdem würden nur rund sechs Prozent der Eltern ihren Kindern im täglichen Umgang mit Sozialen Netzwerken und Nachrichtendiensten zur Seite stehen. Denn obwohl sie es nicht zeigten – oft wünschten sich die Kinder elterliche Führung. Bezug nahm Scholz dabei auf eine Studie der amerikanischen Wissenschaftlerin Devorah Heitner, Gründerin der Internetplattform „Raising Digital Natives“, die Eltern hilft, die digitalen Probleme ihrer Kinder besser zu verstehen. Heitner hatte Kinder befragt, welche Apps sie sich wünschen würden, um mit ihren alltäglichen Unsicherheiten in der digitalen Welt umzugehen. „An erster Stelle stand ein Programm, das Kindern nach fünf unbeantworteten Messengernachrichten eine Textsperre verhängt“, sagte Scholz. Denn der Druck der ständigen Erreichbarkeit sei gerade für Kinder nur schwer aushaltbar.

„Früher rief man bei seinen Freunden zu Hause an“, erinnerte Scholz an Gepflogenheiten aus der Zeit vor dem Internet, „und die Mutter erklärte kurz, dass ihr Kind gerade Hausaufgaben macht oder Mittag isst“. Diese erklärende Instanz fehle heute – die Folge: Viele Kinder fühlten sich durch ausbleibende Antworten zurückgewiesen. Deshalb sei die empathische und persönliche Begleitung durch ihre Eltern für Kinder im digitalen Zeitalter besonders wichtig – wichtiger, als bloße Kontrolle und Begrenzung.

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