Will Helmson sorgt für Spannung

Will Helmsons viertes Buch trägt den fast verharmlosenden Titel „Macht und Ohnmacht“.
Will Helmsons viertes Buch trägt den fast verharmlosenden Titel „Macht und Ohnmacht“.

Quickborner Autor veröffentlicht viertes Buch und lässt seinen Ermittler zum zweiten Mal auftreten

shz.de von
24. November 2018, 16:00 Uhr

Will Helmson ist zurück. Seit Oktober ist das vierte Buch des Quickborner Autors auf dem Markt. Titel: Macht und Ohnmacht. Ein Jahr hat er für den Roman gebraucht, in dem er erstmals fast komplett auf die Kraft der Fantasie setzt. Anders als in seinen anderen Büchern, spielen Fakten eine untergeordnete Rolle, auch wenn es um ein Thema geht, das düsterer Teil der deutschen Geschichte ist: Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR. Und noch etwas ist anders. Helmson setzt seinen Ermittler Daniel Limberger erneut ein.

Und der ist durchaus zu beneiden, mit seinem schönen Büro in der prosperierenden Hamburger Hafencity, jenem Szeneviertel, in dem der Blick auf die Elbe vom Balkon der eigenen Wohnung oder eben des eigenen Büros Millionen kostet. Der Privatdetektiv kann es sich leisten, ist aber ansonsten ein ganz normaler Typ, der beruflich schon mal an seine Grenzen kommt. Anders als seine Kollegen in englischen, schwedischen oder amerikanischen Kriminalgeschichten, hat er keinen seelischen Knacks, ist eine unauffällig-gepflegte Erscheinung und ein zuverlässiger Arbeiter.

Helmson lässt seinen Protagonisten nach der Mutter einer todkranken Mandantin suchen, die unbedingt einen passenden Stammzellenspender braucht, um überhaupt noch eine Perspektive zu haben. Was zunächst nach Routine klingt, entpuppt sich als hochdramatischer, gefährlicher und emotionaler Auftrag. Limberger kriegt es mit einer Organisation zu tun, die für das DDR-Regime Zwangsadoptionen abwickelte und seit der Wende vor allem darum bemüht ist, nicht aufzufliegen.

Weil der Hamburger Ermittler ihr in die Quere kommt, holen die letzten verbliebenen Mitglieder zum brutalen Schlag aus. Für alle beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Der Autor erzählt die rasante Geschichte aus der Sicht der Hauptperson, für ihn eine neue und interessante Erfahrung. „Das Schreiben ist ganz anders“, sagt er. Ansonsten unterschied sich der Schaffensprozess kaum von dem vergangener Bücher. „Jedesmal hatte ich einen Grundgedanken, und in allen Fällen hat sich die Geschichte anders entwickelt als ursprünglich geplant.“ Eine Idee hat er allerdings umgesetzt: Er wollte zwar eine abgeschlossene Geschichte erzählen, sie aber als Mehrteiler anlegen. Was daraus wird? Abwarten.

Dass Helmson in letzter Konsequenz aber nicht ganz auf eine sorgfältige Recherche verzichten mochte, kommt dem Buch zu Gute. Nachdem er vor mehr als einem Jahr über einen Fernsehbericht auf die belastende Situation der Zwangsadoptierten aufmerksam wurde, hat er sich zunächst mit der Verfahrensweise beschäftigt. Dabei ist das Ausmaß bis heute unklar. Sicher ist nur, dass durch die Verfügung des DDR-Staatsapparates Tausende Familien zerrissen wurden und die Betroffenen bis heute nichts von dem Nachwuchs wissen dürfen. So sieht es auch bundesdeutsches Recht vor.

Das Problem ist bekannt, wurde aber lange nicht öffentlich thematisiert. Das änderte sich im Frühling, als Mitglieder der Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR vor den Bundestag zogen und eine Petition überreichten. Darin fordern sie unter anderem eine längere Aufbewahrungsfrist für Akten, eine gesetzliche Auskunftspflicht für alle Adoptivstellen und eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene.

So tief steigt Helmson, der mit bürgerlichem Namen Karsten Sohn heißt, in die Materie nicht ein. Aber er macht das Trauma der Betroffenen deutlich, gibt dem Unglück mit Limbergers Mandantin ein literarisches Gesicht und steigert die Betroffenheit des Lesers durch deren Krankheit nahezu bis ins Unerträgliche. Dass der Privatdetektiv gegen die Zeit arbeitet, aber immer wieder quälende Rückschläge erleidet, erhöht die Spannung. Das Buch ist bei Epubli erschienen und kostet 9,99 Euro. Bestellen lässt es sich unter anderem in der Buchhandlung Theophil, Am Freibad 4 a in Quickborn.

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