Naturschutz auf dem Stundenplan : Wildtiere vor dem Mäher retten: Tangstedter Schüler helfen zu schützen

Die Schüler nahmen Aufstellung in einer Reihe, um die Wiese nach Jungtieren abzusuchen.
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Die Schüler nahmen Aufstellung in einer Reihe, um die Wiese nach Jungtieren abzusuchen.

Tangstedter Grundschüler unterstützen die Jäger der Gemeinde beim Naturschutz und bei der Suche nach den Rehkitzen

shz.de von
29. Mai 2018, 17:00 Uhr

Tangstedt | Eine Schulstunde im Freien erlebten vergangene Woche die Kinder der dritten und vierten Klassen an der Tangstedter Grundschule. Auf dem Pausenhof versammelten sie sich, um den Ausführungen der beiden Jäger Udo Sauerbrey und Andreas Zorn zu lauschen.

„Wir wollen heute die Wiese nach Rehkitzen absuchen“, kündigte Zorn an. Er erklärte den Schülern, dass die Rehmütter ihre Jungen im hohen Gras verstecken und nur gelegentlich vorbeikommen, um den Nachwuchs zu säugen. „Erst, wenn die Kleinen etwa 14 Tage alt sind, folgen sie der Mutter. Wenn sich jemand nähert, bleiben sie einfach liegen, weil sie noch keinen Fluchtreflex haben“, erläuterte der Jäger. 

Bitte nicht anfassen!

Wichtig sei auch, ein aufgefundenes Rehkitz nicht anzufassen. „Wir nehmen dann ganz viel Gras, wickeln das Tier darin ein und tragen es dorthin, wo es in Sicherheit ist“, erklärte Zorn den aufmerksam lauschenden Schülern. Generell würden Rehe nie Menschen angreifen, weil sie Angst vor ihnen hätten, betonte Zorn.

„Auch Fasane, Kibitze und Enten haben oft Nester auf den Wiesen – das wird dann zum Problem, wenn die Bauern ihre Wiesen mähen wollen“, sagte Zorn. Während früher die Kinder vor den Treckern hergelaufen seien, um die Tiere im Gras zu retten, wäre das heute gar nicht mehr möglich, so Zorn weiter.

„Früher war so ein Trecker mit Mähaufsatz etwa eineinhalb Meter breit – heute sind es acht Meter und zudem fahren sie viel schneller“, gab Zorn zu bedenken. Außerdem habe es früher viele kleine Wiesen gegeben, heute dagegen seien die Flächen deutlich größer und damit unübersichtlicher. Um die Tiere auf der Wiese dennoch zu schützen, würden heute oft Jäger die Wiesen mit Hunden ablaufen und Stöcke mit Flattertüten aufstellen.

500.000 getötete Wildtiere jährlich

„Der erste Schnitt ist der Gefährlichste“, erklärte Zorn. Jährlich würden in Deutschland etwa 500.000 Wildtiere beim Mähen getötet, darunter 90.000 Rehkitze. „Und deshalb wollen wir heute mit euch üben, Tiere im Gras zu finden“, kündigte Sauerbrey an. Flugs setzten sich die Schüler in Bewegung und marschierten zu einer nah gelegenen Wiese. „Nebeneinander aufstellen, immer mit etwas Abstand dazwischen“, so die Anweisung der Jäger.

Langsam setzten sich die Schüler in Bewegung, immer den Blick auf den Boden gerichtet. „Wir planen, die Schüler regelmäßig als Helfer einzusetzen, bevor die Wiesen gemäht werden. So lernen sie, was aktiver Naturschutz heißt“, erklärte Zorn. Zwar wurden die Jungen und Mädchen an diesem Morgen nicht fündig, aber „Spaß gemacht hat es auf jeden Fall“, so die einhellige Meinung der Schüler.

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