"Wie in Hamburg auf der Mö"

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25. Dezember 2012, 01:14 Uhr

Quickborn | Riesige, beleuchtete Weihnachtsbäume in den Fußgängerpassagen, Sitzbänke aus roten, überdimensional großen Christbaumkugeln und amerikanische Weihnachtsmusik, die in Kaufhäusern aus den Lautsprechern dudelt: Als der Quickborner Johannes Schneider vor vier Jahren Ende November in der chinesischen Hauptstadt Peking war, traute er seinen Augen nicht. "Es war, als sei ich während der Adventszeit auf der Mönckebergstraße in Hamburg", erzählt der gläubige Katholik und schmunzelt.

Johannes Schneider kennt China wie seine Westentasche. Seit 2003 ist er im Auftrag des Senioren-Experten-Service in der Volksrepublik China unterwegs, um dort Manager zu schulen. Schließlich war er selbst mal ein erfolgreicher. Von seinen Reisen - kreuz und quer durchs Land - und Erlebnissen berichtet er regelmäßig in unserer Zeitung, denn er ist von Land und Leuten fasziniert.

"Weihnachten wird bei den Chinesen immer beliebter", sagt Schneider. Auch Weihnachtsmänner mit Rauschebart gehören mittlerweile zum Erscheinungsbild. Und viele Deko-Produkte wie Kugeln, die China fürs Ausland produziert, werden zunehmend auch innerhalb der eigenen Bevölkerung vertrieben und sind heiß begehrt.

Ungewöhnlich ist das schon, denn Weihnachten wird im Land der Mitte regulär nicht gefeiert. Wie denn auch: Die große Mehrheit der Chinesen ist buddhistisch, und die Zahl der Katholiken darf als gering eingeschätzt werden. "Das traditionelle Fest bei den Chinesen ist das Neujahrsfest zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar", erzählt Schneider.

Doch die großen Einkaufszentren in China haben längst die kommerzielle Seite von Weihnachten für sich entdeckt. Zugute kommt den Geschäftsleuten ein Wesenszug der Bevölkerung: "Der Chinese kauft gern ein. Sich gegenseitig zu beschenken, ist für ihn eine große Freude", weiß der Quickborner von seinen Reisen. Auch Schneider konnte damals nicht widerstehen - und kaufte für seine Frau eine Digitalkamera. "Die war genauso teuer wie auf einem deutschen Flughafen", sagt er. Weihnachten in China - nur bunt und schrill statt besinnlich? Vor vier Jahren hätte Schneider dem noch zugestimmt, doch vor zwei Jahren hat er während eines Aufenthalts in dem Land eine Veränderung bemerkt: "Junge Chinesen interessieren sich plötzlich für die Hintergründe von Weihnachten und haben mich nach den christlichen Bräuchen gefragt", sagt Schneider. China - das ist immer noch ein Land im Wandel der Zeit.

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