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Quickborner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 12:52 Uhr

Wer hat Platz für Geflüchtete?

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Bürger beraten heute Abend über Quartiere

von
erstellt am 08.Mär.2016 | 16:00 Uhr

Soll Ellerau bei der Anmietung von Wohnungen für geflüchtete Menschen mehr als die ortsübliche Miete zahlen? Die Gemeindevertreter diskutierten während ihrer jüngsten Sitzung auch über diese Frage.

Die Zeit drängt. Noch nimmt Norderstedt dem Dorf die Quartiersuche für geflüchtete Menschen ab. Doch die Vereinbarung darüber endet zum 31. Oktober.

2014 brachte die Stadtverwaltung nach Angaben von Sirko Neuenfeldt, Leiter des Fachbereichs Soziales, stellvertretend für Ellerau etwa 30, im Jahr 2015 rund 85 und bis Ende Februar 2016 weitere 17 Geflüchtete unter. Im Gebiet des Dorfes selbst mietete sie dazu nur zwei Wohnungen an.

„Zukünftig muss sich die Gemeinde darauf einstellen, für wesentlich mehr Personen eine Unterbringung bereitzustellen“, heißt es in einer Beschlussvorlage der Verwaltung. Für das laufende Jahr sowie für 2017 werde mit jeweils 50 bis 60 Menschen gerechnet. Der Familiennachzug werde die Zahlen noch erhöhen.

Auf der Internet-Seite der Gemeinde rief Bürgermeister Eckart Urban die Bevölkerung bereits auf, Wohnraum bereitzustellen. Als Mieterin will die Kommune selbst auftreten. „Das schützt jeden Vermieter vor Mietnomaden“, sagte Hermann Fohrmann (SPD) während der jüngsten Gemeindevertretersitzung. Bürgermeister Eckart Urban (SPD) berichtete, dass zwei bis drei Bürger bereits Wohnraum angeboten hätten. Auf weitere Vorschläge aus der Bevölkerung hofft er bei einer Bürgerversammlung am heutigen Abend.

Joachim Friede (BürgerForum) schlug einen Anreiz für Vermieter vor. Die Gemeinde solle einen Mietpreis von zehn Euro pro Quadratmeter anbieten. „Ein Eigentümer trägt das Risiko, weil er nicht weiß, wen er aufnimmt“, sagte er. Daher sollte die Miete über dem ortsüblichen Satz liegen. Der beträgt nach Aussage von Peter Groth (BürgerForum) für Wohnungen von 40 bis 80 Quadratmetern durchschnittlich 9,16 Euro. Fohrmann: „Zehn Euro liegen nicht so wahnsinnig über dem Mietspiegel.“

Zu Bedenken gab Heiko Evermann (Aktives Ellerau) aber, dass das Sozialamt für die Unterbringung von Asylbewerbern nur sechs Euro pro Quadratmeter zahle. „Wir würden jeden Monat vier Euro zuschießen. Das macht in 15 Jahren eine Million Euro“, rechnete er vor. Demgegenüber erachte er einen Kauf von Wohnungen für denselben Betrag als wesentlich sinnvoller.

Fohrmann wies diesen Vorschlag zurück und entwarf ein anderes Zahlenspiel: „Jeder Bürger zahlt 15 Jahre lang pro Monat einen Euro, damit Flüchtlinge nicht in Parks oder Turnhallen leben müssen“, sagte er.

Den Beschluss des Koordinierungs- und Finanzausschusses zur Anmietung von 24 Wohnungen in einem Investorenprojekt im Finkenweg 5 stellte die Gemeindevertretung zunächst zurück. Erst nach der Bürgerversammlung will sie darüber während einer Sitzung am Donnerstag, 10. März, beraten.

Geplant war, in dem Mehrfamilienhaus 16 Wohnungen für geflüchtete Menschen zu mieten und acht Appartements auf dem freien Markt anzubieten. Heiner Hahn (Bürgerverein Ellerau) mahnte jedoch: „Jedes Angebot eines Investors muss eine Grenze bekommen.“ Andernfalls werde mit öffentlichen Mitteln die Rendite in die Höhe getrieben.

Die Bürgerversammlung beginnt heute um 19.30 Uhr. Ort ist die Erich-Stein-Halle am Bürgerhaus, Højerweg 2.

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