Weg ist frei für NS-Gedenkstätte

Ein Ort mit trauriger Geschichte: Jens-Olaf Nuckel, Vorsitzender des Vereins Henri-Goldstein-Haus, steht auf diesem Archivbild vor dem Gebäude an der Himmelmoorstraße in Quickborn.
Ein Ort mit trauriger Geschichte: Jens-Olaf Nuckel, Vorsitzender des Vereins Henri-Goldstein-Haus, steht auf diesem Archivbild vor dem Gebäude an der Himmelmoorstraße in Quickborn.

Stadt übernimmt das Henri-Goldstein-Haus nach Verhandlungen in Kiel in Erbpacht und damit schneller als ursprünglich geplant

shz.de von
19. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Nach einem Gespräch mit Vertretern der Landesforsten Schleswig-Holstein und des Umweltministeriums in Kiel liegt der Stadt Quickborn jetzt das Angebot des Landes vor, das Henri-Goldstein-Haus im Himmelmoor und die zum Ensemble gehörenden Wohngebäude in Erbpacht zu übernehmen. Das hat Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) gestern bestätigt.

Vorangegangen war auch ein Gespräch mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), in dem der Verwaltungschef für die Pläne der Stadt, aus dem einstigen jüdischen Gefangenenlager die erste NS-Gedenkstätte im Kreis Pinneberg zu machen, geworben hatte. Damit ist die Option, die Gebäude an die Stadt zu verkaufen, vom Tisch. Das galt bislang als größte Hürde in den Verhandlungen über die Zukunft des Hauses, weil bis zuletzt keine Einigung über den Preis erzielt werden konnte. Nun bleiben die Wohngebäude und das Henri-Goldstein-Haus im Besitz der Landesforsten.

Der Quickborner Verwaltungschef möchte jetzt möglichst schnell die nächsten Schritte machen. Noch stehen allerdings die Verhandlungen über die Höhe der Erbpacht aus. „Das Haus ist im Originalzustand und vollständig erhalten, und es ist ganz wichtig, dass es jetzt schnell mit Leben gefüllt wird“, sagte er. Sicher ist, das Gebäude wird in ein Gesamtkonzept integriert, das der Trägerverein Henri-Goldstein-Haus gemeinsam mit der AG Torfbahn und dem Himmelmoorverein auflegt. Es bezieht unter anderem die weitere Nutzung der stillgelegten Torfwerks ein, das anders als das Henri-Goldstein-Haus der Stadt gehört.

Auf die gute Nachricht aus dem Rathaus haben die Befürworter einer Gedenkstätte lange gewartet. Bereits seit rund fünf Jahren laufen im Verein Überlegungen zu einer in sich stimmigen weiteren Nutzung, ohne dass es bislang die Möglichkeit gab, die Räume des einstigen Lagers zu betreten. Die gesammelten Ideen werden nun die Basis für ein Nutzungskonzept bilden. „Wichtig ist uns dabei, dass der Raum erlebbar wird und die Besucher eine Betroffenheit spüren können“, sagte Jens-Olaf Nuckel, Vorsitzender des Trägervereins. Deshalb wird das Haus kaum verändert, schon gar nicht modernisiert, und die Aufarbeitung der Geschichte soll möglichst unaufdringlich und dezent durch eine Ausstellung erfolgen. Im Gespräch mit unserer Zeitung machte Nuckel, der auch im Vorstand des Trägervereins für die KZ-Gedenkstätte Springhirsch in Kaltenkirchen sitzt, keinen Hehl aus seiner Begeisterung über die neue Entwicklung. „Ich bin Herrn Köppl wirklich unendlich dankbar, dass er sich so für unsere Sache eingesetzt hat. Ohne ihn wären wir noch nicht so weit.“

Während des Zweiten Weltkriegs wurden in dem Lager mehr 50 jüdische Gefangene untergebracht und zum Torfstechen zwangsverpflichtet. Das schmucklose Gebäude aus rotem Backstein mit den vergitterten Fenstern wurde 1935 gebaut und ist damit das jüngste des Ensembles. Einige der in dem Haus später gefundenen Gegenstände werden seit Jahren in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme verwahrt und sollen nach Quickborn zurückkehren. Das gilt auch für einen Spiegel mit den Namen der Gefangenen, der im Jüdischen Museum in Rendsburg aufbewahrt wird. Benannt wurde das unter Denkmalschutz Henri-Goldstein-Haus nach einem belgischen Juden, der seine Erinnerungen an die Zeit im Lager in einem Buch festgehalten hat.

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