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Quickborner Tageblatt

19. August 2017 | 04:01 Uhr

Was ist Co-Abhängigkeit?

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

ATS-Suchtberatung Präventionsstelle klärt über Verhaltensmuster von Angehörigen und Freunden auf

Eine Sucht ist für den Abhängigen schon schlimm genug. Doch wie geht es dabei eigentlich der Familie und den Freunden? Zu diesem Thema lud die Quickborner ATS Suchtberatungsstelle ein: „Co-Abhängigkeit – wie kann ich einem nahestehenden Menschen helfen? Was ist Hilfe zur Selbsthilfe?“

Melanie Berg (Foto) von der Suchtberatungsstelle zeigte auf, wie Angehörige einem Abhängigen helfen können und welches Verhalten genau das Gegenteil bewirkt. Direkt zu Beginn betonte Berg, dass „Co-Abhängigkeit keine Krankheit“ ist. Es sei dagegen ein unterschiedlich motiviertes und unterschiedlich selbstbestimmtes Verhalten.

„Es gibt für Co-Abhängigkeit einige Merkmale, die sich bei vielen Angehörigen finden lassen“, erläuterte Berg. Dazu zählten unter anderem die Unterstützung bis zur Selbstaufgabe, so dass die eigenen Bedürfnisse hinten angestellt werden und die Person sich selbst schadet. „Dabei sagt man zu sich selbst ,Nein‘ und zu dem anderen ,Ja‘“, erklärte Berg. Die Suchtabhängigkeit entwickle sich für alle Familienmitglieder und manchmal auch den Freundeskreis zum Lebensmittelpunkt.

Vermeiden, Beschützen, Verantwortung übernehmen, Rationalisieren, Akzeptieren, Bagatellisieren, übertriebene Fürsorge und Leichtgläubigkeit gehören laut Berg zu den Faktoren für eine Co-Abhängigkeit. „Man nimmt nicht wahr, dass das eigene Verhalten nicht zur Verbesserung des Zustandes des Abhängigen führt“, betonte die Expertin.

Dies könne sogar so weit gehen, dass auch Co-Abhängige Krankheiten entwickeln. „Das kann von Schlafstörungen, Rückenschmerzen und psychosomatischen Störungen bis hin zu Depressionen gehen“, sagte sie.

Laut Berg gibt es insgesamt drei Phasen für Co-Abhängigkeit: Die erste ist die Beschützerphase. Danach geht es in die Kontrollphase, in der dem Abhängigen Aufgaben und Probleme abgenommen werden und versucht wird, die Sucht zu vertuschen.

Die letzte ist die Anklagephase in der die Sorge in Aggression und Verachtung umschwenkt. „Diese Phasen laufen jedoch nicht nacheinander ab. Mal befindet man sich in der einen, schon kann es direkt in die nächste wechseln“, erklärte Berg.

Ein Grund, weswegen man in die Co-Abhängigkeit rutschen könne, sei falsch verstandene Liebe. „Wir handeln meist aus Liebe zu dem Partner oder Freund“, so Berg. Doch manchmal sei es besser, ihn gehen zu lassen. „Die Liebe trägt es, aber wenn sie nicht mehr da ist, geht es nicht weiter“, betonte die Expertin.

Die Frage der Besucher, was denn Angehörige tun können, um den Suchtkranken zu unterstützen, ließ Berg weitestgehend offen. „Es klingt immer so einfach, wenn ich sage, dass Angehörige die Abhängigen ihre Konsequenzen selber tragen lassen sollen, oder auf Jammern und Klagen zu verzichten“, sagte Berg.

Es sei individuell verschieden, wie reagiert werden müsse. Jedoch soll die Abhängigkeit des Partners oder Freundes nicht als Feind angesehen werden. „Man darf sich selbst aber auch nicht als Retter sehen“, erklärte Berg. Ein Erfolgsrezept gebe es nicht, jedoch gab sie den Besuchern einen Rat mit auf den Weg: „Wenn ich gut zu mir bin, kann der andere auch gut zu sich selbst sein.“







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