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Wer erinnert an 218 Opfer? : Vor 100 Jahren explodierten Sprengstofffabriken in Quickborn

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Diskussion: Vor 100 Jahren explodierten Sprengstofffabriken in Quickborn. Der Hauptausschuss ist unschlüssig über die Form des Gedenkens.

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erstellt am 21.Dez.2016 | 15:00 Uhr

Quickborn | Ein dramatisches Ereignis in Quickborn-Heide jährt sich 2017 zum 100. Mal. Bei der Explosion von zwei Sprengstofffabriken an der heutigen Theodor-Storm-Straße starben mindestens 218 Menschen, vor allem Arbeiterinnen aus Hamburg-Altona.  Am Montag diskutierte der Hauptausschuss, ob und wie die Stadt angemessen an dieses Ereignisses erinnern soll. Zwar lädt die Martin-Luther-Kirchengemeinde für Freitag, 10. Februar, zu einem Gedenkgottesdienst ein; das Gotteshaus steht in der Nähe des Explosionsgeländes. Die Geschichtswerkstatt der Volkshochschule Quickborn wird sowohl in der Kirche als auch im Rathaus eine Ausstellung zu dem Thema zeigen. Nicht zuletzt legten Vertreter der Kommune am Volkstrauertag einen Kranz am Denkmal für die Opfer auf dem Nordfriedhof nieder. Aber sollte die Stadt darüber hinaus einen Beitrag leisten?

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Hermann Hensel regte das Aufstellen einer Tafel zum Gedenken an die Toten an. „Das war ein fundamentales Ereignis in Quickborn“, sagte er. Die Explosion sei für die Industriegeschichte der Stadt bedeutsam. Zugleich stellte er fest: „Da sind kaum noch Erinnerungen in Quickborn da. Dann sollten wir dafür sorgen.“

Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) befürchtete dagegen ein mangelndes Interesse der Bevölkerung. „Dann lohnt sich der Aufwand nicht“, sagte er. Zudem lasse sich eine Aufarbeitung der Historie nicht auf die Schnelle organisieren. Die Verwaltung sei nicht in der Lage, den historischen Kontext des Ereignisses, den Ersten Weltkrieg, die Ausbeutung der Arbeiterinnen, die damals vertuscht werden sollte, angemessen zu beleuchten. Nicht zuletzt müsse für solch ein Projekt Geld in den Haushalt eingestellt werden. Er regte an, stattdessen die Schulen einzuspannen und die Situation Quickborns im Ersten Weltkrieg aufzuarbeiten. Da der Explosion vor allem Frauen aus Altona zum Opfer fielen, sollte eventuell die Stadt Hamburg einbezogen werden.

Ulf Hermanns - von der Heide (fraktionslos) fragte, ob eine Erinnerung an die Explosion einem Gedenken der Kriegsmaschinerie gleichkäme. „Ich weiß nicht, ob es wert ist, dessen zu gedenken“, sagte er. Hensel betonte jedoch: „Es wäre ein Gedenken an die Menschen.“ Astrid Huemke (SPD) brachte zum Ausdruck, dass das Ereignis bedeutsam sei und sie in der Fraktion darüber beraten wolle.

Dieses Denkmal auf dem Nordfriedhof erinnert an das Unglück. Auf der Tafel ist die Widmung zu lesen: „Den für das Vaterland in treuer Pflichterfüllung an ihrer Arbeitsstätte am 10. Febr. 1917 dahingerafften Arbeiterinnen und Arbeitern gewidmet. Hamburger Explosivstoff-Werke“.
Dieses Denkmal auf dem Nordfriedhof erinnert an das Unglück. Auf der Tafel ist die Widmung zu lesen: „Den für das Vaterland in treuer Pflichterfüllung an ihrer Arbeitsstätte am 10. Febr. 1917 dahingerafften Arbeiterinnen und Arbeitern gewidmet. Hamburger Explosivstoff-Werke“. Foto: Frank
 

Hensel kündigte an, das Thema auf die Tagesordnung des Bildungsausschusses zu setzen. „Mir kommt es darauf an, dass da nächstes Jahr was passiert“, sagte er. Irene Lühdorff, Leiterin der Geschichtswerkstatt, betonte gestern, dass das Gedenken am Volkstrauertag nicht ausreiche. Eine Tafel zur Erinnerung müsse die Stadt allerdings nicht aufstellen. Die Geschichtswerkstatt habe auf dem Nordfriedhof bereits ein Schild errichten lassen und die Explosion in zwei Schriften behandelt. Nicht zuletzt habe Lühdorff die Verwaltung bereits vor einem Jahr auf das Jubiläum hingewiesen.

Die Gedenkfeier in der Martin-Luther-Kirche, Lornsenstraße 21-23, beginnt um 18 Uhr. Die Geschichtswerkstatt zeigt ihre Ausstellung in der Woche des Jahrestags in der Kirche und von Montag, 6.  Februar, bis Dienstag, 28. Februar, im Rathaus.

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