Klavierkonzert : Von Wagner bis Liszt: Pianist Severin von Eckardstein begeistert in Quickborn

Severin Eckardstein sorgte für ein bewegtes Konzerterlebnis.
Severin Eckardstein sorgte für ein bewegtes Konzerterlebnis.

Der bekannte Musiker konzertierte auf dem Dachboden des Quickborner Helenenhofs.

shz.de von
11. Mai 2018, 13:00 Uhr

Quickborn | Dieser Abend war auch für Margreth Cotterell etwas ganz Besonderes – kein Geringerer als der großartige Pianist Severin von Eckardstein inspirierte sie 2010 zu ihren wunderbaren Dachboden-Konzerten auf dem Helenenhof. „Ich freue mich, dass er endlich Zeit gefunden hat“ begrüßte die charmante Gastgeberin den feinsinnig, zurückhaltend wirkenden Pianisten. Severin von Eckardstein zählt zu den bedeutendsten Pianisten seiner Generation, spielte mit dem Concertgebouw Orchestra unter Paavo Järvi, gab weltweit viel beachtete und hoch gelobte Konzerte. Und nun der Helenenhof.

Das Konzert war ein Highlight. Von Eckardstein servierte passend zum sonnigwarmen Frühlingstag mit Werken von Robert Casadesus, Arnold Schönberg, über Kaija Saariaho bis Richard Wagner („Charfreitagszauber“, „Parsifal“, „Festspiel und Brautlied aus Lohengrin“) und Franz Liszt („Au bord d’une source“, aus den Schweizer „Années de Pélerinage“) ein Programm der Extraklasse.

Musik wie ein Gemälde

Von Eckardstein begrüßte die etwa 60 Klassikliebhaber mit angenehmer Zurückhaltung. Sieben, aus den insgesamt 24 Preludes op. 5 von Robert Casadesus, spielte der gebürtige Düsseldorfer mit Bravour. Zuvor hatte er erläutert, dass Casadesus seine Preludes an Chopins Etüden angelehnt hätte und diese vom französischen Impressionismus mit romantischem Einschlag durchdrungen seien. Und so war es – Musik wie ein Gemälde. Sein Spiel war klar und feinsinnig, gepaart mit tiefgründiger Brillanz. Der 39-Jährige scheint seine Kraft beim Spiel gewissermaßen zu bündeln, jeder Ton den Teil einer Geschichte zu erzählen, was seiner Interpretation eine gewisse Transzendenz verleiht.

Arnold Schönbergs „6 kleine Klavierstücke op. 19“, meisterte von Eckardstein mit nahezu andachtsvoller Hingabe. Töne, die gleichermaßen schwebten und verzauberten, klangen in den Raum. Der Pianist vermittelte das Gefühl, als würde er die Noten, die Empfindungen in diesen Stücken konzentrieren und diese Energie direkt in seine feingliedrigen Hände fließen lassen. Und dann spielte er die Sonate As-Dur Nr. 31 von Beethoven, wie man sie vielleicht selten zuvor gehört hat. Wuchtig, kraftvoll, zart, als sei diese Sonate ein Durchmessen von Raum und Zeit, eine Ode an Gott mittels der Musik.

Nach der Pause spielte von Eckardstein ein Prelude von Kaija Saariaho, es sei „atmosphärisch wegen der inneren Kraft mit Wagner verbunden“ hatte er zuvor gesagt. Es war schön, den perlenden Läufen, dem Fluss dieses Stückes, zuzuhören. Von Eckardstein scheint ein von der Musik Beseelter, fängt den Charakter eines Werkes ein und verwebt es mit Hingabe und Können zu einem Klanggemälde, das seine Handschrift trägt. Die Konzertbesucher waren hin und weg vom Spiel dieses genialen Musikers, forderten lautstark eine Zugabe. Der Künstler ließ nicht lange bitten, spielte Schuberts „Warum“ – ein Fantasiestück, verträumt und schön.

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