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Quickborner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 05:04 Uhr

Schüleraustausch : Von anderen Kulturen lernen

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Elsensee-Gymnasium: Schwedische Jungen und Mädchen zu Gast in Quickborn.

von
erstellt am 27.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Quickborn | Europa soll Zusammenwachsen – das gilt auch für die Jugendlichen in den einzelnen EU-Ländern. So hätte der Zeitpunkt des Schüleraustausches in Quickborn gar nicht besser sein können: Eine Woche vor der gestrigen Europawahl waren 15 schwedische Schüler von der Gullhögskolan Grundschule in Vårgårda zu Gast in der Eulenstadt. Der Ort ist etwa eine Stunde nordöstlich von Göteborg entfernt. Die Jungen und Mädchen nahmen am Mittelstufen-Unterricht im Elsensee-Gymnasiums teil.

Der gegenseitige Austausch hat Tradition und findet bereits seit 2002 statt. In den vergangenen Jahren organisierten die beiden Lehrerinnen Dagmar Ring und Christa Pahl den Schüleraustausch. Der Verein „Quickborn hilft“ hat Geld gesponsert für das Freizeitprogramm.

Vom Aussehen her sind die schwedischen Schüler nicht von ihren deutschen Mitschülern zu unterscheiden: Sie tragen modische Jeans und T-Shirts. Auch was die internationale Jugendsprache betrifft, gibt es keine Kommunikationsprobleme. „Was heißt Yolo?“, werden die Schüler spaßeshalber gefragt. „You only live once“ (deutsch „Du lebst nur einmal) antworten die schwedischen Schüler wie aus der Pistole geschossen und lachen. Beim Unterricht sieht das schon anders aus, da gibt es sehr wohl Unterschiede. Dort ist man in Schweden offener. Die Lehrer werden geduzt, während der Schulstunden, die 30, 45 oder 60 Minuten lang sind, darf gegessen und getrunken werden. Und auch das Musikhören ist erlaubt.

„Wir dürfen Handys benutzen und SMS verschicken“, sagen die beiden Schwedinnen Sofia Johansson (15) und Emma Erixon (16). Ihr Handy haben sie selbstverständlich auch in Deutschland griffbereit. „Aber es dient auch der Recherche von Unterrichtsstoff“, schränkt die schwedische Deutschlehrerin Gunnel Eklund ein.

„Das Verhältnis zu den Lehrern ist persönlicher“, weiß Angie Plitt (15). Vor einem Jahr war die Elsensee-Gymnasiastin als Austauschschülerin in Schweden. Auch sie war erstaunt darüber, dass Handys im Unterricht benutzt werden durften. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Teilnahme an einem Überlebenscamp im Wald. „Das hat viel Spaß gemacht. Niemand hat gemeckert. Bei uns hätten sie Alarm geschlagen wegen der vielen kleinen Feuer. Das wäre bei uns nicht erlaubt gewesen.“

„Die Schweden sind sehr naturverbunden. Viele Dinge sind nicht so schnell peinlich wie bei uns“, schildert Sina Wohlauf (15) ihre Eindrücke. Über die vielen Bäume und Grünflächen in Quickborn und Hamburg, wohin sie die Tagesausflüge führten, staunten die Schweden dann allerdings genauso wie darüber, dass Toiletten-Türen Schlösser haben.

Kein Witz: In Schweden muss man normalerweise anklopfen und abwarten, ob jemand leise zurückklopft, um festzustellen, ob das Örtchen besetzt ist. Andere Länder, andere Sitten.

Was spricht nun für den Austausch? „Wir können von den Schweden lernen, das Leben zu entschleunigen und dass wir nicht jeden Tag ein volles Programm brauchen, sondern deutlich mehr Gelassenheit“, sagt Dagmar Ring. Im besten Fall finde etwas Privates statt: „Ich habe gute Freunde in Quickborn bekommen und viel Deutsch gelernt“, sagt Gunnel Eklund. Und um das zu unterstreichen, wird sie von Christa Pahl herzlich umarmt.

Hauptstadt: Stockholm; Fläche: 449.964 km²; Bevölkerung: 9,2 Millionen; Währung: schwedische Krone; EU-Beitritt: 1995; Schengen-Raum: Mitglied des Schengen-Raums seit 1996; Export: Kraftfahrzeuge, Maschinenbauerzeugnisse, Stahl, elektronische Geräte, Kommunikationsausrüstung und Papierwaren; Film: Schweden kam in den Anfangstagen des Kinos eine Pionierrolle zu – herauszustellen sind die Regisseure Mauritz Stiller und Victor Sjöström. Später machten Filmregisseure wie Ingmar Bergman und Schauspielerinnen wie Greta Garbo, Ingrid Bergman und Anita Ekberg im Ausland Karriere. Die schwedische Küche ist für Smorgåsbord (ein Büfett mit herzhaften Köstlichkeiten), Ostseehering, Erbsensuppe und Pfannkuchen bekannt.
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