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Quickborner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 15:43 Uhr

Vom Lehrerpult auf die Kirchenkanzel

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erstellt am 21.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Quickborn | Für den Küster und Schulmeister in Quickborn und die Schulehalter in den Dörfern des Kirchspiels begann 1789 ein hartes Jahrhundert. Der dänische König hatte 1782 nämlich eine Verordnung erlassen, wonach auf Pfarrstellen, für die er das Besetzungsrecht hatte, auch bewährte Gymnasialpädagogen berufen werden konnten. Das war für die Lehrer deshalb von Nachteil, weil dann der Geistliche als Schulaufsicht gewissermaßen vom Fach war.

Nicolaus Matthias Ludewig (1758-1829), Sohn eines Rendsburger Perücken machers, seit 1784 Konrektor der Glücksburger Stadtschule, kam damals auf die Kanzel, für ein bildungsfernes Dorf von viel zu gelehrtem Anspruch, ein durch und durch orthodoxer Mann und leider auch maßlos rechthaberischer Herr, der mit seiner Gemeinde mehrfach überquer geriet und eben den Lehrern das Leben sauer machte.

Unter Ludewig wurde die Hansen-Kirche gebaut, doch die Bevölkerung erging sich in aktivem Boykott: Tagsüber errichtete Mauern wurden nachts eingerissen. Sein Nachfolger wurde 1830 Christian Sörensen (1781-1853), der seine Karriere als Mädchenlehrer an der Stadtschule zu Tondern begann, ab 1808 Lehrer und Organist in Marne war und dann Zweiter Lehrer (Stellvertretender Direktor) der Tonderner Bürgerschule und Ausbilder am dortigen Lehrerseminar wurde.

Als Kirchenmusiker legte er bei der Benotung seiner Schulmeister ein strenges Augenmerk auf ihre Gesangskünste und auf den Erfolg oder mehr den Misserfolg des Musikunterrichts. Sein Sohn Ernst Henning Sörensen (1814-1889), Dr. phil., war erst Gymnasiallehrer am Altonaer Christianeum und wurde 1867 Pastor auf der Stelle des Vaters. Einem Garstedter Kirchenältesten zufolge trat er mit der hochmütigen Attitüde eines gestrengen preußischen Polizeimeisters mit Stock auf, kehrte also den Studienrat heraus. Kurz vor dem Tode wurde er zwangspensioniert.

Der nächste Geistliche, Christian Friedrich Leopold Alberti, 1860 als Sohn eines Bibliothekars und Privatdozenten geboren, war zwar kein Lehrer-Pastor, besaß aber ein Gespür für junge Menschen und führte in Quickborn die ersten sonntäglichen Kindergottesdienste ein. Er ging umgekehrt den Weg vom Prediger zum Schulmann. 1899 ließ er sich beurlauben, um Kreisschulinspektor in Itzehoe zu werden. Dann aber verweigerte das Preußische Abgeordnetenhaus die Haushaltsmittel für diese Stelle. Im nächsten Jahr verließ er Quickborn ganz, da die Gelder jetzt bewilligt waren, und wurde endgültig Schulrat. Es war die Zeit, in der Bismarcks Preußen ehedem kirchliche Aufgaben - wie die Schulaufsicht - in staatliche Regie übernahm.

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