„Visionär und begeisternd“

Ex-Bürgermeister Eckart Urban (SPD), Bewohnerin Gerda Döring (Mitte) und Betreuerin Renate Haupt-Busch sind eng mit dem Betreuten Wohnen in Ellerau verbunden.
Ex-Bürgermeister Eckart Urban (SPD), Bewohnerin Gerda Döring (Mitte) und Betreuerin Renate Haupt-Busch sind eng mit dem Betreuten Wohnen in Ellerau verbunden.

Betreutes Wohnen in Ellerau besteht seit 25 Jahren / Konzept wurde bereits von einer anderen Kommune übernommen

shz.de von
09. Juli 2018, 16:43 Uhr

Das Projekt war damals so innovativ wie heute: Im Juli 1993 wurde das Betreute Wohnen Am Park in Ellerau mit 35 Wohneinheiten eingeweiht. Am Freitag feierten die Bewohner den 25. Geburtstag ihrer Anlage, und dabei wurde vor allem deutlich, dass ein harmonisches Miteinander, die Betreuung durch Renate Haupt-Busch und das Gefühl der Geborgenheit erheblich zur Lebensqualität der Bewohner beitragen.

Das Konzept kommt aus der Partnerstadt Højer in Dänemark. Die barrierefreien Bungalows – größere für Paare und kleinere für Singles – wurden in Grün eingebettet und liegen dennoch zentral. „Die Anlage ist ein Glücksfall, und die politische Entscheidung damals war mutig, aber richtig“, sagte Eckart Urban (SPD), der das Projekt während seiner ersten Zeit als Bürgermeister realisiert hat. Damals sicherte sich die Gemeinde rund eine Million Mark aus einem Fördertopf für sozialen Wohnungsbau. „Im Gegenzug mussten wir die Auflage erfüllen und ein Gemeinschaftsgebäude bauen“, sagte er. Ergebnis ist die Seniorenbegegnungsstätte im Kopenhagenweg, „die sich zu einer Art Mittelpunkt entwickelt hat“, so Urban. Weitere finanzielle Mittel generierte die Gemeinde über das Angebot an die Bürger, sich in die Anlage einzukaufen. Sie gewährten Ellerau ein zinsloses Darlehen in Höhe von 100 000 Mark und konnten dann mietfrei in einem der Häuser leben. „Wenn sie ausgezogen oder verstorben sind, haben wir die Summe zurückgezahlt“, so Urban. Bis heute sei die Konzeption der Anlage, die einen Betreuungsvertrag einschließt, den die Gemeinde mit dem DRK geschlossen hat, für ihn eine begeisternde und noch immer visionär.

Lob gab es auch von Bürgermeister Ralf Martens (BVE), der die Anlage als ein Kleinod mit nordischem Urlaubsflair bezeichnete. Für die Betreuung der Bewohner sorgt Haupt-Busch mit einem Team aus Helfern. Vier Stunden steht sie jede Woche zur Verfügung. „Ich bin Animateurin und Zuhörerin, fahre die Bewohner auch mal nach Quickborn oder feiere Feste mit ihnen“, sagte sie. Vor allem Letzteres hat einen hohen Stellenwert unter den Bewohnern. Vor rund drei Jahren habe es einen Wechsel unter den Mietern gegeben, und seitdem seien sie im Durchschnitt noch jünger und damit auch vitaler als bisher. „Die jüngste Bewohnerin ist gerade mal 64“, so Haupt-Busch.

Zu den Ehrengästen gehörte auch Gerda Döring. Die 83-Jährige lebt seit 24 Jahren in einem der Bungalows und ist damit fast eine Mieterin der ersten Stunde. Was sie an dem Leben in der Anlage schätzt? „Man ist niemals allein, kann Kontakt haben, wenn man es möchte. Und jeder achtet hier auf den anderen“, sagte sie. Der kleine Garten und ihre schöne Terrasse trügen auch zu ihrem Glück und ihrer Lebensqualität bei. Und offenbar hält es auch jung. Davon weiß zumindest der stellvertretende DRK-Chef Gerd Malade zu berichten. Seine Mutter lebte lange in einem der Bungalows und wurde 100 Jahre alt.

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